Falsch und beleidigend
Gesellschafter der Familienferienstätte Immenreuth erstatten Anzeige gegen Leserbriefschreiber

Politik
Immenreuth
15.01.2016
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Ein Leserbrief im "Neuen Tag" beschäftigt die Staatsanwaltschaft. Äußerungen des Schreibers der im November abgedruckten Zuschrift über die geplante Belegung der Familienferienstätte Immenreuth mit Asylbewerbern wollten die Gesellschafter, Peter Merkl und Alfred Schuster, nicht auf sich sitzen lassen.

Der Vorwurf, die Ferienstätte nicht aus "Wohltätigkeit", sondern wegen des "schnöden Mammons" zur Asylbewerberunterkunft machen zu wollen, sei nicht nur falsch, er sei beleidigend und ehrenrührig. Deshalb sei die Strafanzeige erfolgt, erklärt Peter Merkl auf Nachfrage. "Zivilrechtliche Schritte prüfen wir noch." Ein Verkauf der Anlage würde weder seine noch Schusters Taschen füllen. Die Familienferienstätte werde als gemeinnützige GmbH geführt. Diese Rechtsform setze voraus, dass die beiden als Geschäftsführer ehrenamtlich arbeiten. Auch nach der Auflösung der Gesellschaft würde er nicht vom Verkauf profitieren. Das Vermögen der Gesellschaft würde nach der Liquidation dem SOS-Kinderdorf Immenreuth zufallen, betont der ehemalige Immenreuther Bürgermeister.

Für ihn und Schuster stehen jedoch Kredite auf dem Spiel, die sie dem Betrieb gewährt haben. "Bei einer Bank bekommt eine gGmbH nichts." Nur weil er und Schuster auf eigenes Risiko Geld in den Betrieb geschossen haben, gebe es die Einrichtung und die Arbeitsplätze noch. Dies sei kein Geheimnis. "Uns dann vorzuwerfen, wir wollen uns die Taschen voll machen, ist einfach beleidigend."

Ähnlich äußert sich Schuster. Für ihn war der Leserbrief der letzte Anstoß zu sagen: "Jetzt ist mal Schluss." Zwar habe er gut "zehn Nächte darüber geschlafen", doch die Unterstellungen hätten sich über Jahre summiert, weshalb er schließlich doch Anzeige erstattet hat. Seit er mit Merkl das damalige Kolpingferienheim 2005 übernommen hatte, um es zu erhalten, gebe es in Immenreuth diese "Neiddiskussion". Die Leute informierten sich nicht, "was tatsächlich Sache ist". Als ehrenamtliche Geschäftsführer, die privat Geld eingebracht hätten, "machen wir nur das Tagesgeschäft", mehr sei nicht zu leisten. Das Gebäude müsse schließlich auch einmal saniert werden, weshalb immer beabsichtigt gewesen sei, es einmal in andere Hände zu übergeben.

Den Leserbriefschreiber selbst (Name der Redaktion bekannt) hat die Reaktion der beiden SPD-Kreisräte überrascht. Er habe eher mit einem "Gegenleserbrief" Merkls und Schusters gerechnet. Stattdessen erhielt er kurz vor Weihnachten ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Weiden. Seine Stellungnahme zum Vorwurf der Ehrverletzung und Beleidigung habe er bereits bei der Polizeiinspektion in Kemnath zu Protokoll gegeben, berichtet der Immenreuther. Jetzt warte er "jeden Tag mit Freude" auf das Ergebnis.

Die Anzeige war aber nicht die einzige Weihnachtspost, die er auf seine Ausführungen zur Familienferienstätte erhalten hat. Jemand habe ihm sogar eine Grußkarte geschrieben, Gleich am Tag der Veröffentlichung des Leserbriefes habe ihm ein Anrufer gesagt, "wie super das ist". Auch die anderen vier oder fünf Reaktionen seien durchweg positiv gewesen.

"Gegen freie Meinung"Der Leserbrief war auch Thema in der jüngsten Vorstandssitzung der Jungen Union Immenreuth. Sie sieht in Peter Merkls und Alfred Schusters Anzeige einen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Es werde nicht davor zurückgeschreckt, andersdenkende Bürger, die ihre Meinung öffentlich in Leserbriefen kundtun, anzuzeigen.

Auf noch mehr Kopfschütteln stieß in der Runde der Bericht "Merkl will mehr" in der NT-Ausgabe vom Samstag, 9. Januar. Sollten die darin genannten Aussagen auch nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen, "...dann wäre das ein einmaliger Vorgang".

Die JU bittet beide, ihre Niederlage bei der Kommunalwahl 2014 zu akzeptieren und die seitdem "eingetretene deutliche Klimaverbesserung in der Gemeinde nicht zu zerstören". Das Bürgerfest habe zum positiven Zusammengehörigkeitsgefühl in der Immenreuth beigetragen. "Das alles sollte man sich von zwei Personen nicht kaputt machen lassen", teilt der politische Nachwuchs der Christsozialen mit. (bkr)
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