Einbruch am Bahnhof Immenreuth
Offener Brief an den Dieb

Fingerabdrücke hat die Polizei an den Türblättern gesichert. Andreas Wolf zeigt den Schlafplatz seines ungebetenen Gastes. Bild: bkr
Vermischtes
Immenreuth
17.07.2016
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Ein Einbrecher machte es sich in der Pizzeria am Immenreuther Bahnhof gemütlich, bediente sich am Mineralwasser, übernachtete dort und klaute Geld. Besitzer Andreas Wolf nimmt die Situation gelassen und schreibt dem Täter einen offenen Brief.

Am Sonntag vergangener Woche stellte Bahnhofseigentümer Wolf am späten Nachmittag fest, dass er einen ungebetenen Gast hatte. Dieser hatte sich gewaltsam Zugang zur dortigen Pizzeria "2984" verschafft, trank eine Flasche Wasser an, steckte das Trinkgeld für die Bedienung ein und trollte sich mit einer Bankauflage ins dritte Stockwerk, um dort auf einer umgelegten Tür zu schlafen.

Flucht übers Dach


Als die Polizei kam, ging er stiften: Vom zweiten Stockwerk über das Vordach und den darunter stehenden Pritschenwagen entwischte er Richtung Neusorg. Das Fenster des selbst gewählten Schlafplatzes hatte der Schalfsuchende mit einer ausgehobenen Tür verdunkelt. Ein zweites Türblatt diente als Liegestätte und die Bierbankunterlage war vermutlich das Kopfkissen. "Essen rührte der Einbrecher nicht an", erklärte Wolf.

Brief über Facebook


Was ihm nicht gefiel, war das geklaute Trinkgeld der Mitarbeiterinnen. Ansonsten sieht er den Vorfall eher locker. Per Facebook richtete er an den Einbrecher folgende Nachricht: "Das angetrunkene Wasser - kein Problem. Dass du heute Nacht in den Bahnhof - mein Gebäude - eingebrochen bist - zwar schon Scheiße, wäre aber noch zu verzeihen. Die entwendete Bierbankauflage, die du vermutlich als Kopfkissen brauchtest - geschenkt! Aber das hart verdiente Trinkgeld der Mitarbeiter mitzunehmen - das ist echt mies! ... Wenn du Arbeit brauchst - hab ich auch. Zwar nicht in der Pizzeria, aber sonst so einiges. Streichen/Verputzen/Fussböden (hast ja heute selber gesehen). Bezahlt natürlich! Das von heute Nacht musst du zwar selber mit der Polizei oder dem Staatsanwalt ausmachen und das entwendete Trinkgeld müsstest eben abarbeiten. Ansonsten schönes Leben noch und überdenk deine Perspektive. So zu bleiben - kann nix werden."

Der gut und ehrlich gemeinte Appell blieb allerdings bis heute unbeantwortet. "Das war klar", war Wolf von Anfang an überzeugt und fügte an: "Nachahmungstäter brauchen sich nicht einbilden, künftig etwas ergaunern zu können. Das Geld bleibt nicht mehr in der Pizzeria." Wichtig für Wolf ist vielmehr neben der Pizzeria den Biergarten Schritt für Schritt "schleichend" zu eröffnen

Der BiergartenDer Biergarten, das ist zunächst der Trainstop, der Waggon zwischen dem alten Steg und dem Bahnhof. Vom SOS-Kinderdorf übernahm Wolf den ehemaligen Eisenbahnpostwaggon. Die Kaffeestunden am Donnerstag mit Kartlerrunde und Kuchen von 14 und 17 Uhr bleiben weiterhin fester Bestandteil. Der Biergarten selbst wird in den kommenden Wochen Zug um Zug mit Leben erfüllt.

In den Sommermonaten soll er Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag zum lauschigen Bier einladen. Von einer offiziellen Eröffnungsfeier will Andreas Wolf jedoch absehen. Seine Planungen für den Winter sind noch offen. (bkr)
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Evelin Lehnert aus Brand | 17.07.2016 | 17:30  
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