Johann Kreuzer 1977 im Personenschutz für Außenminister im Einsatz
Halbes Jahr Genschers Schatten

Feinsäuberlich hat Johann Kreuzer alle Touren, auf denen er Hans-Dietrich Genscher oder dessen Familie begleitete, in seinem Fahrtenbuch vermerkt. Bilder: bkr (3)
Vermischtes
Immenreuth
16.04.2016
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Hans-Dietrich Genscher war der profilierteste Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Von ihm nehmen am Sonntag 1200 geladene Gäste Abschied. An Genscher erinnert sich dabei auch Johann Kreuzer aus Immenreuth. Er war dem Verstorbenen und seiner Familie ein halbes Jahr ganz nah.

Acht Jahre leistete Johann Kreuzer als Polizeivollzugsbeamter auf Zeit Dienst beim Bundesgrenzschutz. Er war in Bayreuth stationiert, aber ständig auf Achse, vor allem, als im Herbst 1977 eine Offensive der linksextremistisch terroristischen Roten-Armee-Fraktion mit Terroranschlägen begann. Zur Bewachung deutscher Flughäfen, der Bundesministerien und des Verfassungsgerichts in Karlsruhe, der Villa Hammerschmidt - dem Sitz des Bundespräsidenten - war Johann Kreuzer zu Spezialeinsätzen abgeordnet. Sein Extraführerschein mit Spezialschulung führte ihn 1977 zum sogenannten "BKA-Pool".

Der Personenschutz des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher und seiner Familie stand für ein halbes Jahr an. "Er war in allen Lebenslagen ein freundlicher Mensch", urteilt Johann Kreuzer über Genscher. Er begleitete den Konvoi des Außenministers am Morgen um 6.30 Uhr in der Regel mit dem Motorrad von der Wohnung in Wachtberg zum Auswärtigen Amt nach Bonn und am Abend wieder zurück. "Genscher arbeitete abends lang. Meist wurde es 22 Uhr, bis wir zurückfuhren", erinnert sich Kreuzer. Oft saß er auch direkt neben dem Außenminister im Auto.

Zwischenfahrten unterbrachen diesen "Normaldienst". Anders gestaltete sich die Arbeit, wenn Genscher auf Dienstreisen ging. Dann galt die Aufmerksamkeit der Familie und besonders der damals 17-jährigen Tochter Martina. Diese Tage begannen damit, die junge Dame zum Gymnasium nach Bonn-Tannenbusch zu bringen und dort wieder abzuholen. Am Nachmittag stand der Reitstall in Wachtberg im Fokus. Hier durfte der Oberpfälzer Martina beim Reiten beobachten und nicht aus dem Auge lassen. Anstrengender allerdings war der Personenschutz bei den nächtlichen Besuchen in Kölns Diskotheken. "Die Tochter war sehr nett", erinnert sich Kreuzer.

Um Kasten Bier gewettet


Die menschliche und freundliche Art Genschers veranlasste Kreuzer, ihm 2007 zum 80. einen Geburtstagsgruß mit einer kleinen Chronik über seinen Einsatz bei ihm zu schicken. Seine beiden Söhne wetteten damals mit Kreuzer um eine Kiste Bier, dass vom Politiker keine Antwort kommen würde. Doch nach fünf Wochen hatte Johann Kreuzer die Wette gewonnen. Das Dankschreiben mit Widmung hängt heute an gut sichtbarer Stelle in der Wohnstube.

Hans-Dietrich Genscher war nicht der einzige renommierte Politiker, den der Immenreuther traf. Der damalige Bundespräsident Walter Schell oder Franz Josef Strauß waren darunter. Dem bayerischen Ministerpräsidenten begegnete er am Eingang des Plenarsaals zum Bundestag. Dort wartete Johann Kreuzer mit seinem BMW-Motorrad, das gleich zum Gesprächsthema mit dem Landesvater wurde.
Er war in allen Lebenslagen ein freundlicher Mensch.Johann Kreuzer über Hans-Dietrich Genscher
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