SOS-Kinderdorf in Immenreuth
Wandergesellen packen an

Das Wandergesellen-Organisationsteam, gemeinsam mit SOS-Kinderdorf Einrichtungsleiter Holger Hassel (Zweiter von links): Goldschmiedin Steffi (von links), Schmied Max, und Schreinerin Elena. Bild: szl
Vermischtes
Immenreuth
02.09.2016
755
0
 
Die Wandergesellen haben sich ein Planungsbüro für das große Bauprojekt eingerichtet. Bild: szl

Es ist eine Seltenheit Wandergesellen in der Region heutzutage anzutreffen. Doch im SOS-Kinderdorf in Immenreuth werden im September für ein großes Bauprojekt bald mehrere Dutzend Handwerker verschiedener Zünfte anrücken.

Voller Tatendrang ist das Organisationsteam der Wandergesellen, das schon Mitte Juli in Immenreuth aufgeschlagen ist: Max, der Schmied, Steffi, die Goldschmiedin und Elena, die Schreinerin. In der "Kommandozentrale", dem Büro des Trios, hängen Kalender mit bunten Klebezetteln, Tafeln mit Landkarten und Bedarfslisten. Die Vorbereitungen für den Sommerkongress gehen in die heiße Phase.

Bauprojekt mit Herz


Es gibt nicht viele Pflichttermine für Wandergesellen, die ansonsten frei und ohne Verpflichtung in der Welt umher reisen. Für die 30 Mitglieder des "Freien Begegnungsschachtes" (FBS) ist der Sommerkongress ein Treffen der besonderen Art. Jedes Jahr packen alle Gesellen dieser Vereinigung gemeinsam an, um ein Bauprojekt mit sozialem Hintergrund zu realisieren. Dieses Jahr sollte es ein SOS-Kinderdorf sein. Stefanie machte den Vorschlag: Der 28-Jährigen liegt die Kooperation besonders am Herzen: Ihr Vater wuchs in einem SOS-Kinderdorf auf. Schon die geographische Auswahl des Veranstaltungsortes war eine Herausforderung.

Die drei Organisatoren müssen die Bannmeilen aller reisenden Wanderbrüder ihres Schachtes beachten. Kein Geselle darf seinem Heimatort näher als 50 Kilometer kommen. "Schleswig-Holstein war schon mal raus", lacht Stefanie. Denn von dort kommen derzeit viele Gesellen. So fiel die Wahl auf die Oberpfalz.
Nachdem die Anfrage vor einem Jahr auf seinem Schreibtisch flattere, wollte Holger Hassel, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorf, die Wandergesellen zunächst kennenlernen: "So eine Anfrage bekommt man nicht jeden Tag." Der Besuch überzeugte ihn. "Das ist eine geniale Geschichte", freut sich Hassel. "Wir erleben viel Gastfreundschaft und Unterstützung auf der Walz und möchten etwas zurückgeben", erklärt Elena. Die 26-jährige Schreinerin wandert schon seit zwei Jahren und einem Monat. Für sie ist es der dritte Sommerkongress.

Zunächst wurden die Rahmenbedingungen abgesteckt. Was können die Wandergesellen leisten? Kann das Kinderdorf die große Veranstaltung stemmen? "Die Zusammenarbeit ist ganz unkompliziert", bestätigt Hassel. "Die Drei leisten wirklich unglaubliche Arbeit". Sie unterstützen sich gegenseitig. Hassel hilft bei der Sponsorensuche und knüpft hilfreiche Kontakte. So erhalten die Gesellen Unterstützung in der Organisation von Schlafplätzen und Versorgung für die anrückende Mannschaft. Auch Baumaterial und Werkzeuge werden zum Teil von Betrieben und der Bevölkerung gesponsert.

Auch Damen unterwegs


Offizieller Baubeginn ist am 5. September. Drei Wochen lang werden die Handwerker in Immenreuth vor Ort sein. Hauptprojekt ist ein Holzpavillon. Die Besonderheit: Ein selbst tragendes Mandala-Dach soll es sein. Die Handwerker haben den Anspruch, sich selbst zu verwirklichen und sich auszuprobieren. Auch komplexe Vorhaben werden in Angriff genommen. Dabei profitieren die Handwerksgesellen voneinander: Der FBS ist eine von wenigen Vereinigungen, bei der auch Gesellinnen auf Walz gehen dürfen. Zudem besteht der Schacht nicht nur aus einer Gewerksgruppe: Ihr gehören auch Messerschmiede, Gitarrenbauer, Korbflechter oder Metall- und Glockengießer an. "Es macht Spaß von den anderen Handwerken zu lernen", bestätigt Goldschmiedin Stefanie.

Viele Aktionen geplant


Geplant sind außerdem ein fahrbarer Grill und ein Lehmofen. Eine Wohngruppe bekommt einen langersehnten Garten mit Sichtschutz. Vom 9. bis 11. September können junge Handwerker, die auf Wanderschaft gehen wollen, die Gesellen kennenlernen und sich informieren. Auch die Kinder und Jugendlichen der Einrichtung werden mit eingebunden. Holzbildhauer bieten Modellierkurse an und es gibt Einblicke in das Handwerk eines Gitarrenbauers. Für die Gemeinde bauen die Handwerker ein neues Bushäuschen.

Bürgermeister Heinz Lorenz unterstützt das Vorhaben. Er mietete den nahe gelegen Zeltplatz für die 30 Wandergesellen und stellte dem Organisationsteam ein Leihauto für Besorgungen zur Verfügung. Trotz des großen Aufwands ist Hassel überzeugt: "Von diesem Projekt profitieren alle, wir sehen uns auf der glücklichen Seite".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.