Neuer Trassl-Geschäftsführer im Interview
„Rohdiamant“ in Sachen Plastik

"Das Unternehmen bietet sehr viel Potenzial, ich möchte von einem ungeschliffenen Diamanten sprechen." Zitat: Trassl-Geschäftsführer Diplom-Ingenieur Arun Singh
Wirtschaft
Immenreuth
08.06.2016
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Seit Anfang des Jahres ist der Immenreuther Kunststoff-Verpackungshersteller Trassl kein Familienunternehmen mehr. Die neue Geschäftsführung verspricht, dass dies weder für die Arbeitnehmer noch für die Gemeinde ein Nachteil sein wird.

"Langfristig": Dieses Wort fällt im Interview immer wieder. Dem neuen Geschäftsführer der Trassl Polymer Solutions GmbH, Arun Singh, ist es wichtig, die seriösen Absichten der neuen Gesellschafter zu betonen. Das Unternehmen biete beste Voraussetzungen. Mit Singh und dem bisherigen Eigentümer, Axel Sieber, sprach Redakteur Wolfgang Würth.

Herr Sieber, wie kam es zum Verkauf des Unternehmens?

Axel Sieber : Die Entscheidung fiel vor etwa zwei Jahren, ganz einfach weil in der Familie der Nachfolger fehlt. Bei der Käufersuche war uns der Bestand der Firma und der Arbeitsplätze wichtig. Deshalb wollten wir keinen Fonds, keinen Konkurrenten und keinen Konzern als Käufer. Nach etwa eineinhalb Jahre Suche hatten wir die Käufer gefunden. Es freut unsere Familie, dass sie aus der Region stammen.

Herr Singh, was hat für den Kauf gesprochen?

Arun Singh : Das Unternehmen bietet sehr viel Potenzial, ich möchte von einem ungeschliffenen Diamanten sprechen. Wir haben ein eingespieltes Team mit viel technischem Know-how und einen sehr guten Standort.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Singh : Wir wollen die Produktionskapazität erhöhen, rationalisieren und modernisieren. Vor zwei Wochen wurde dazu eine gebrauchte, aber wenig genutzte hochproduktive Maschine angeliefert. Wir wollen den Maschinenpark weiter modernisieren und auch das Marketing neu aufstellen. Neue Prospekte und ein neues Logo gibt es bis zur Fach-Pack in Nürnberg im September. Dies ist eine der wichtigsten Verpackungsmittel-Messen Deutschlands.

Bedeutet Rationalisierung auch Stellenabbau?

Singh : Nein. Wir haben trotz Rationalisierung genug Arbeit. Ohne schon konkret zu werden, kann ich versichern, dass in der nächsten Zeit die Mitarbeiterzahl eher steigen als sinken wird. Das gilt auch im Bereich Ausbildung. Hier wollen wir uns verstärkt engagieren.

Wie stellt sich die Marktlage für das Unternehmen dar?

Singh : Die Auftragslage ist hervorragend, die Firma Trassl hat einen ausgezeichneten Ruf. Unseren Kunden geht es gut, und deshalb auch uns. Zudem sind wir sehr breit aufgestellt, produzieren Verpackungen für verschiedene Produkte und Branchen. Dazu kommen Kunststoffteile, etwa für Gartengeräte oder für die Autoindustrie.

Sieber : Das Unternehmen fertigt und entwickelt die Werkzeuge, also die Produktionsformen für die Behälter, selbst. Das sorgt für Flexibilität und Unabhängigkeit. Schon in den letzten drei Jahren hat sich das Geschäft sehr gut entwickelt. Aus diesem Grund ist auch die Kapazitätserweiterung nötig.

Herr Sieber, wie sieht nach dem Verkauf Ihre Aufgabe im Betrieb aus?

Sieber : Ich werde dem Unternehmen in den nächsten drei Jahren in beratender Funktion zur Verfügung stehen. Ich bin aber auch weiter ins Tagesgeschäft eingebunden.

In Trabitz wird gerade das Faurecia-Werk abgewickelt, auch wegen billigerer Produktionsmöglichkeiten in Osteuropa. Muss die Trassl GmbH sich vor Billigkonkurrenz Sorgen machen?

Singh: Nein, wir sind sehr wettbewerbsfähig und es gibt einen weiteren Grund: Verpackungen haben relativ zu ihrem Gewicht sehr viel Volumen: Das bedeutet, dass ein hoher Kostenanteil beim Transport liegt. Niemand wird seine Verpackungen von weither liefen lassen, nur weil dort die Lohnkosten niedrig sind.

Die Trassl Polymer Solutions GmbHSeit Anfang des Jahres firmiert das Immenreuther Traditionsunternehmen als Trassl Polymer Solutions GmbH. Der Betrieb hat derzeit rund 90 Mitarbeiter. Gesellschafter ist die Bayreuther BLS Invest GmbH, hinter der wiederum Dieter Braun und Christoph Lutz stehen.

Die Bayreuther Unternehmer sind unter anderem auch für den LED-Hersteller Lichtline verantwortlich. Dieter Braun baute zudem ab dem Jahr 1993 die nach ihm benannte Dieter Braun GmbH auf, die sich auf Kabelkonfektion spezialisiert hat. Die Langendorf GmbH übernahm Braun aus der Insolvenz und sanierte sie. Inzwischen hat er den auf technische Textilien spezialisierten Betrieb wieder abgegeben.

Als Geschäftsführer verpflichtete die BLS Arun Singh. Der gebürtige Bayreuther absolvierte ein Maschinenbaustudium an der TU in München. Er sammelte Berufserfahrung in der Automobil- und Zulieferindustrie und arbeitete in leitender Funktion im Projektmanagement, im Vertrieb und im Marketing. Nach mehreren Jahren in Oberbayern kehrte er für seine neue Aufgabe in Immenreuth in die Heimat zurück, "und zwar sehr gerne", wie er betont. Singh ist 51 Jahre alt und Vater zweier Kinder. (wüw)


Das Unternehmen bietet sehr viel Potenzial, ich möchte von einem ungeschliffenen Diamanten sprechen.Trassl-Geschäftsführer Diplom-Ingenieur Arun Singh
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