Experte aus dem Bundestag tauscht sich mit HPZ-Geschäftsführer Helmut Dörfler aus
Wahlfreiheit für Behinderte

Helmut Dörfler (Mitte) warnte den Behindertenbeauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Uwe Schummer (Zweiter von rechts) davor, im neuen Teilhabegesetz strikt nach erstem und zweiten Arbeitsmarkt zu trennen. Bild: fz
Lokales
Irchenrieth
12.10.2015
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Das Bundesteilhabe-Gesetz soll die Lebenssituation von behinderten Menschen erleichtern. Ende 2016 soll es der Bundestag verabschieden, Mitte 2017 soll es in Kraft treten. Für die Inhalte ist der Behindertenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Uwe Schummer mitverantwortlich. Albert Rupprecht brachte ihn mit Praktikern im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) zusammen.

"Das Thema wird nicht sein: alle raus aus den Werkstätten oder alle rein, sonder primär die Wahlfreiheit", skizzierte Schummer das Ziel des Gesetzes. Integrationsfirmen seien dabei gute Ansätze. HPZ-Geschäftsführer Helmut Dörfler sprach von einem "sehr aufgeladenen Begriff Inklusion". Er hat eigene Vorstellung von Behindertenarbeit: "Jeder, der arbeitet, ist Arbeitnehmer. Die Defizite, die er hat, gilt es aufzufangen. Weg mit dem Begriff erster und zweiter Arbeitsmarkt, dann ist für mich schon eine Barriere abgebaut. Unser Ziel ist der mittlere Weg weiterhin mit den Werkstätten und zugleich ausgelagerte Arbeitsplätze."

Vorbild Gedenkstätten-Café

Integrationsfirmen seien dabei gute Ansätze, oder auch die Vernetzung mit Integrationsabteilungen in Firmen. "Einmal raus aus der Werkstatt und nie wieder zurück, darf es nicht geben", warnte Dörfler. Einmal muss es einen Schnitt geben, wo sich der Betreute entscheide, ob er auf dem "normalen" Arbeitsmarkt bleiben wolle oder in die Behindertenwerkstatt zurück wolle. Fünf Jahre hielt Dörfler für angebracht. Dabei gelte es, den Menschen von der Werkstatt aus intensiv zu begleiten. Das vom HPZ mit betriebene Café in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg sei ein Musterbeispiel für Wahlfreiheit. Es biete behinderten Menschen die Chance, in einem regulären Betrieb zu arbeiten, lasse ihnen aber auch die Chance, in die Werkstatt zurückzukehren. " Darum habe ich bewusst keine extra Integrationsfirma hierfür gegründet", sagte Dörfler. "Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht Recht schaffen, das die Menschen zum Opfer macht", stimmte Schummer zu.

Dörfler forderte überdies eine neutrale Schiedsstelle für das Verhandeln von Leistungsvereinbarungen. "Das ist ein Thema, das mir völlig neu ist", räumte Schummer ein. Er war vom HPZ-Geschäftsführer schwer beeindruckt und lud ihn zu Fachgesprächen bezüglich der Perspektiven von Werkstätten in den Bundestag ein.
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