Individuell helfen, vereint feiern

Das HPZ ist im 50. Lebensjahr noch quicklebendig und voller Tatendrang. Das verdeutlichte ein Tanz der Schüler, mit dem sie den Festakt zum Jubiläum mitgestalteten. Bild: fz
Lokales
Irchenrieth
03.07.2015
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Als Landtagspräsidentin muss Barbara Stamm keine Rücksicht mehr auf knausrige Finanzminister nehmen. Zum 50. Bestehen des Heilpädagogischen Zentrums forderte sie mehr Geld - für soziale Berufe, für Förderschulen, für Inklusion. Argumente schob sie kiloweise hinterher. Das gewichtigste: Menschenwürde.

(phs) Obwohl es im Festzelt auf dem HPZ-Gelände am Freitagvormittag brütend heiß war, heizte Stamm den über 200 Gästen noch mit einer politischen Festrede ein. "Die Behindertenhilfe muss raus aus der Sozialhilfe", forderte die Würzburgerin in Richtung Bundestag. "Nur dann geben wir Eltern von behinderten Kindern eine Chance, auch für das Alter vorzusorgen."

Als Präsidentin der Selbsthilfeeinrichtung "Lebenshilfe" präsentierte sich Stamm noch immer kämpferisch wie früher als Sozialministerin. Ihr Credo: Finger weg von den Förderschulen. Wer nach Inklusion rufe und dabei Sondereinrichtungen für behinderte Kinder in Frage stelle, schütte das Kind mit dem Bade aus. "Inklusion heißt nicht Ideologie, heißt nicht Schule für alle. Inklusion heißt, jedes Kind individuell im Blick zu haben", sagte sie unter lautem Beifall.

Dabei tue sich zwar im Landtag fraktionsübergreifend viel. Der Weg sei aber mit vielen Investitionen gepflastert. "Lieber Herr Bezirkstagsvizepräsident, alles was sie für Frühförderung ausgeben, ist der beste Weg zur Inklusion", sagte sie Richtung Lothar Höher. "Frühförderung ist teuer, aber damit sparen wir uns viele Euro für die Zukunft." Höher versprach, sein HPZ nicht im Stich zu lassen. "Wir haben letztes Jahr 16 Millionen investiert, heuer werden es 18 oder 14 Millionen."

Die sind nicht dazu da, damit Behinderte irgendwie beschäftigt werden. Das HPZ arbeitet mit der Wirtschaft zusammen und hat sich auch als Produktionsbetrieb einen Namen gemacht, erklärte Josef Rupprecht, der Vorsitzende des HPZ-Vereins an einem Beispiel: "Die Regenbogenwerkstatt in Weiden hat allein an die Stadt Eschenbach schon 50 Sitzgarnituren verkauft." Rupprecht begleitete die Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden per Diaprojektor durch eine Zeitreise von 1965 bis heute. Dabei sprach er auch als Vater: "Mein Sohn will von der Förderstätte gar nicht mehr heim."

Ungewöhnliche Stars

Dass sich in fünf Jahrzehnten in Irchenrieth und Weiden so viel getan habe, sei das Werk vieler Unterstützer, aber besonders eines Zirkels aus 14 Vätern, die am 27. März 1965 im Weidener Glötznerstüberl den Verein "Lebenshilfe" gründeten, aus dem später das HPZ hervorging. Allen voran Alfred Krause, dessen Tochter Brigitte heute als Prokuristin in Irchenrieth mitverantwortlich für die Geschäfte ist.

Doch auch Rupprecht erntete für seine jahrzehntelange Arbeit im Verein dicke Komplimente. "Leute wie Sie sind für mich Stars unserer Gesellschaft", bekannte stellvertretender Landrat Albert Nickl.

Apropos Stars: Weil Sekretärin Irene Kassubek auch noch Geburtstag feierte, überraschte sie der HPZ-Werkstattchor mit dem Hit "Ein Stern, der deinen Namen trägt." Der Chor und die Band "Querbeat" legten noch Gassenhauer von Revolverheld und Andreas Gabalier drauf. Selbst ein kompliziertes Arrangement wie Abbas "I have a dream" meisterten sie gekonnt. Den Titel hätte Barbara Stamm für ihre Rede klauen können.
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