Kleine Wünsche, große Freude

Eine dufte Gruppe lebt in Gruppenhaus VIII zusammen. Plätzchen backen gehört zur Einstimmung auf Weihnachten dazu, sagen die jungen Betreuer Marina Preßl und Christian Spachtholz und legen sich mit ihren Schützlingen mächtig ins Zeug. Kurze Zeit später zieht leckerer Plätzchenduft durchs Haus. Lukas ist besonders stolz. Er darf das Rührgerät bedienen. Bild: fz
Lokales
Irchenrieth
24.12.2014
12
0

Das Heilpädagogische Zentrum in Irchenrieth ist über Weihnachten nicht verwaist. Knapp 130 Menschen verbringen das Fest der Liebe mit Betreuern im Wohnheim und in den Gruppenhäusern.

Darunter sind auch 14 Jugendliche im Gruppenhaus VIII. Die Wünsche, die die zum Teil schwer geistig Behinderten hegen, sind klein. Die Freude auf Weihnachten ist umso größer "Wir versuchen alles, um für unsere betreuten Menschen das Weihnachtsfest so schön wie möglich zu gestalten und die Belastung für die Mitarbeitern erträglich zu machen", sagt stellvertretender Wohnheimleiter Rainer Zintl. Wer über Weihnachten Dienst tut, hat an Silvester frei. Die jungen Betreuer wählen meistens mit Rücksicht auf die Kollegen mit Familie den Dienst über Heiligabend.

Andere Weihnachten

So auch Marina Preßl (28) und Christian Spachtholz (22). Sie feiern Weihnachten mit "ihren Kindern" im Gruppenhaus VIII. Christian kümmert sich von Dienstag bis Donnerstagabend um seine Schützlinge. Marina arbeitet von Heiligabend an bis zum Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags. Geschlafen wird im Gruppenhaus.

"Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal an Weihnachten Dienst. Das war schon anders", erinnert sich Christian. 20 Jahre saß er mit der eigenen Familie um den Christbaum und ließ sich bewirten. Jetzt ist er es, der den Heiligabend für die betreuten Menschen gestaltet. Von den sechs Jugendlichen, die in Haus VIII leben, bleiben vier über die Feiertage im HPZ. Zwei werden in den Ferien nach Hause geholt. Kontakt zu den Eltern haben aber die meisten Heimbewohner. Viele besuchen ihre Kinder und verbringen mit ihnen den Weihnachtsabend oder die Feiertage. Manche Jugendliche fahren einen Tag nach Hause.

"Es ist beileibe nicht so, dass die Kinder vergessen werden, nur weil sie aufgrund der Schwere ihrer Behinderung daheim nicht durchgehend betreut werden können", betonten Christian und Marina. Wie in jeder anderen Familie bereiten sich die Bewohner von Haus VIII auf Weihnachten vor. Da werden gemeinsam Plätzchen gebacken. Am Dienstagabend stellten die Jugendlichen mit vereinten Kräften den Christbaum auf und schmückten ihn. An Heiligabend ist Bescherung. Die Geschenke kommen teils von den Eltern, teils besorgen sie die Betreuer mit Spendengeldern.

Betreuer sind Küchenchefs

Allerdings sind die Wünsche ihrer Schützlinge nicht im Entferntesten mit denen gesunder Jugendlicher zu vergleichen. Der Teenager Lukas zum Beispiel möchte vom Christkind eine CD von Benjamin Blümchen. Zudem stünden viele Kinderfilme auf den Wunschzetteln, "die wir dann gemeinsam im Wohnzimmer anschauen", erzählen die Erzieher. Nach der Bescherung brutzeln Marina und Christian Bratwürste, dazu gibt's Kartoffelsalat. Nach dem Essen sitzt die Wohngruppe beisammen, hört Weihnachtsmusik und trinkt ein Tässchen Kinderpunsch. Um zehn Uhr ist Bettruhe. Die Jugendlichen haben einen festen Rhythmus, den die Betreuer auch an Festtagen beachten müssen.

An den Weihnachtsfeiertagen kocht Marinas und Christians Wohngemeinschaft zusammen mit den etwas jüngeren Bewohnern aus Gruppenhaus I. "Am Donnerstag gibt's Lendchen mit Soße, Nudeln und Salat und hinterher Eis", verraten sie. Die Zutaten fürs Essen werden entweder von der Zentralküche angeliefert oder müssen von Marina und Christian selbst eingekauft.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.