Meilenstein der Integration

Seit 50 Jahren werden im HPZ Irchenrieth Behinderte betreut. Bild: Ascherl
Lokales
Irchenrieth
02.07.2015
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Das jüngste Kind des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) ist gerade einmal ein paar Wochen alt: Behinderte betreuen das Museumscafé in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Vor 50 Jahren legten 14 Männer in Weiden mit der "Lebenshilfe" den Grundstein dafür, dass Behinderte nicht mehr zu Hause versteckt werden.

Seit 27. März künden am Eingang des HPZ, direkt an der Bundesstraße 22, vier Fahnen vom großen Jubiläum: Genau vor 50 Jahren gründeten im Glötznerstüberl in Weiden 14 Väter von behinderten Kindern den Verein "Lebenshilfe". Zum Jubiläum, das am Freitag um 10 Uhr gefeiert wird, geben sich auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Sozialministerin Emilia Müller die Ehre. Am Sonntag steigt von 11 bis 17 Uhr ein großes Sommerfest. Sämtliche Männer der ersten Stunde leben nicht mehr, ihre Einrichtung hat aber auch heute noch ihre Berechtigung, auch wenn behinderte Menschen inzwischen in der Gesellschaft dazugehören. "Motor" der Lebenshilfe war der Weidener Alfred Krause. "Der Pionier hatte klare Ziele und Vorstellungen, große Willenskraft, Aufopferung und Mut für die Menschen, die Hilfe brauchen", erinnert sich Josef Rupprecht, Vorstandsvorsitzender der "Lebenshilfe". Ein großer Unterstützer war auch Minister August Lang.

Motor "Lebenshilfe"

Obwohl der Anfang nicht leicht war, weil die Behinderten nicht überall willkommen waren, eröffnete schon 1966/67 im Gasthaus "Waldheim" in Weiden der erste Sonderkindergarten. Bereits ein Jahr später wurde in der Gerhardinger Schule eine erste Klasse für Behinderte eingerichtet. Schnell folgte die erste Sonderschule in einem angemieteten Gebäude in Letzau (Kreis Neustadt/WN). Ebenfalls 1968 nahmen in der Peuerlstraße in Weiden eine Werkstatt und in der Hochstraße eine Tagesförderstätte den Betrieb auf. Ein folgenreicher Tag war der 3. Januar 1968. Die "Lebenshilfe" erwarb in der Gemeinde Irchenrieth ein 17 200 Quadratmeter großes Grundstück. Der damalige Bürgermeister Hans Ram war gegenüber den Behinderten sehr aufgeschlossen. Die Wäscherei Weiß in Weiden hatte dafür 90 000 Mark gespendet. Nach großem Einsatz Krauses rollten am 18. August die Baumaschinen an. Niemand konnte damals ahnen, was in Irchenrieth entstehen würde.

Noch 1969 wurde die Vorschule mit angegliederter Tagesstätte fertig, 1972 folgten die Sonderschule für geistig Behinderte, Sporthalle und Freisportanlage und die beschützende Werkstatt. Dann ging es Schlag auf Schlag: 1974 Werkstatt als Produktionsbereich für Behinderte, 1976 Wohnheim, 1976 Zentralküche, 1982 Förderstätte für erwachsene Behinderte, 1983 Gruppenwohnhaus für Kinder und Jugendliche, 1984 bis 1988 vier weitere Gruppenwohnhäuser sowie Tankstelle und Waschanlage, 1992 Lagerhalle für die Werkstatt. Im Jahr 2000 leitete das HPZ eine Dezentralisierung ein und gründete in Weiden die Regenbogenwerkstatt für psychisch kranke Menschen. Es folgten 2007 eine Außenwohngruppe und 2010 ambulant betreutes Wohnen. Seit 2010 gibt es zudem die Integrationsfirma, die unter anderem Brennholz verkauft.

Aber auch das HPZ in Irchenrieth wuchs: Speisesaal, Lehrschwimmbecken, Erweiterung des Pflege- und des Wohnheimes. Die letzten Maßnahmen waren Neubau der Wäscherei (2014) sowie Erweiterung der Lagerhalle und Sanierung der Werkstatt (2015). Als nächstes Millionenprojekt steht ein Kinderdorf mit drei Häusern auf der Wunschliste der Geschäftsführer Helmut Dörfler und Brigitte Krause.

700 Beschäftigte

Das HPZ betreut inzwischen fast 1000 Personen mit Behinderung - oft von der Geburt bis zum Tod. Um sie kümmern sich 700 Beschäftigte. 400 Behinderte arbeiten selbst in den Werkstätten. 78 Busse legen jährlich über zwei Millionen Kilometer zurück. Die HPZ-Küche kocht täglich 700 Mahlzeiten. Der Jahresumsatz beläuft sich auf 30 Millionen Euro.
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