Unermüdlich für Behinderte

Lokales
Irchenrieth
16.04.2015
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Ein behindertes Kind ist eine Lebensaufgabe. Vor 50 Jahren wurde der Verein "Lebenshilfe" für Menschen, die Hilfe brauchen, gegründet. Aus geringsten Anfängen heraus entstand das Heilpädagogische Zentrum Irchenrieth (HPZ). Vier Zeitzeugen berichten.

(fz) Exakt am Gründungstag, 27. März, wurde heuer vor dem HPZ die Jubiläumsflagge aufgezogen. Zweiter Festakt war nun das Entzünden der Jubiläumskerze mit Zeitzeugen, die vor dem halben Jahrhundert maßgeblich dabei waren. Sie blickten zurück auf das Lebenswerk von Alfred Krause, der am 14. Januar 1969 mit 62 Jahren gestorben war. "Das sind Säulen, die das Werk von Anfang an getragen haben und das nun weitergeführt wird", würdigte Lebenshilfe-Vorstandsvorsitzender Josef Rupprecht.

Anni Scharnagls Mann war Gründungsmitglied. Sie war die erste Schriftführerin. Die Gründungsversammlung war im "Glötznerstüberl". Sie erinnert sich noch gut an die Anfangszeit. Nicht alle Eltern seien damals bereit gewesen, öffentlich zu machen, dass sie ein behindertes Kind haben. Ihre Tochter war sechs Jahre alt und bis dahin zu Hause. Man hatte sich schon nach einer Unterbringung erkundigt. In Großstädten gab es Möglichkeiten, aber sie wollte ihr Kind nicht ganz aus der Hand geben.

Krause kannte die Stellen, an die er sich wenden musste, und so entstand 1966 der erste Sonderkindergarten in der Gaststätte "Waldheim" in Weiden. 1968 folgte die erste Klasse an der Gerhardinger Schule, später eine Sonderschule in einem angemieteten Gebäude in Letzau.

"Danach ging es rasant voran", erzählt Scharnagl. Großen Anteil hatte die Kinderärztin Dr. Lydia Kapferer. Sie hatte in Buffalo (USA) einen Onkel, der eine Einrichtung für behinderte Menschen führte. Den besuchte sie und holte sich Anregungen und das Know how. Außerdem vermittelte sie Eltern Kontakte für genetische Beratung.

Aufwendig war der Aufbau einer Zahnabteilung am HPZ. Weil eine Narkose erforderlich war, mussten die Kinder zur Behandlung, nach Erlangen gebracht werden. Gisela Birkholz aus Kemnath schilderte, wie sie in Kemnath bei Siemens wegen eines gebrauchten Zahnarzt-Mobilars nachgefragte habe. Sie hätte es auch bekommen, aber der Bund gab für eine gebrauchte Zahnarztpraxis keine Förderzusage.

Appell zur Mitgliedschaft

Ihr Sohn Markus war anfangs in Letzau untergebracht, durchlief aber dann alle Einrichtungen des HPZ. "Früher wurde ein behindertes Kind in der Familie vererbt. Das ist dank der Lebenshilfe heute nicht mehr der Fall", weiß Birkholz. Sie erinnert sich auch noch an das Jahr 1969, als Krause im alten Bauer-Wirtshaus in Irchenrieth zum Geschäftsführer ernannt wurde. Ihr Appell geht an die Eltern behinderter Kinder, Mitglied in der Lebenshilfe zu werden, denn das scheint heute nicht mehr der Fall zu sein. Macher und Krauses rechte Hand war Architekt Roland Franz. Mit Krause sei er gut bekannt gewesen. "Er war ein Mann, der in seiner Vision nicht zu bremsen war. Dessen Beharrlichkeit ging bis an den Rand der Nötigung, wenn es um das Wohl der zu Betreuten ging", berichtet Franz. Er sieht das HPZ, das er von Anfang an plante, auch mit als sein Lebenswerk.

Großzügige Spende

Für den Grundstückskauf in Irchenrieth - es waren 17 200 Quadratmeter - hatte 1968 die Wäscherei Weiß in Weiden eine Spende von 90 000 Mark gegeben. Franz erinnerte sich, wie verängstigt die ersten Kinder nach Irchenrieth kamen und wie strahlend sie nach einem Jahr die Einrichtung besuchten.

Brigitte Krause, die Tochter des Gründers, ist heute stellvertretende HPZ-Geschäftsführerin. Mit dem sei sie aufgewachsen, weil es immer das Thema in der Familie war. "Der Vater hat für das HPZ gelebt und ist dafür gestorben." In seine Vision hat er seine ganze Energie eingebracht.
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