Ambulante Pflege zwischen Menschlichkeit und schnellem Arbeiten
So lange daheim wie möglich

Margit Scherer-Knipfer startet um 6 Uhr zu ihrer Runde. Durch ihre häusliche Pflege hilft sie den Familien, ihre Angehörigen möglichst lange daheim zu versorgen. Bild: Konrad
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Irchenrieth
30.08.2016
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Margit Scherer-Knipfer pflegt Menschen in ihren Wohnungen. Dabei muss sie den Spagat schaffen zwischen Menschlichkeit und schnellem Arbeiten, denn die Zahl der Patienten hat sich verdoppelt und mehr ausgebildete Pflegekräfte gibt es nicht.

Irchenrieth/Weiden. Die Sonne geht gerade auf, wenn die Arbeit von Margit Scherer-Knipfer beginnt. Vom Pflegedienst im Gewerbegebiet Weiden-Mitte fährt sie zu ihrem ersten Patienten nach Irchenrieth.

Karl Köstler sitzt bereits in Unterwäsche am Küchentisch. Während die ausgebildete Krankenschwester mit ihm scherzt, schnappt sie sich eine Kunststoff-Schüssel und lässt darin im Waschbecken Wasser einlaufen. Dann nimmt sie einen Waschlappen und schrubbt dem 85-Jährigen den Oberkörper. Sie trocknet ihn ab und reibt ihm den Rücken mit Schmerzgel ein. Dann wäscht sie seine Beine.

Waschen und eincremen


Die Schwarzenbacherin hat ihre Ausbildung am Klinikum Weiden gemacht. Nach viereinhalb Jahren in der Dialyse kümmerte sie sich 15 Jahre um ihre Familie. Dann stieg sie in die ambulante Pflege ein. Das ist zehn Jahre her. Seitdem fährt sie zu den Senioren, wäscht, wechselt Verbände, achtet darauf, dass sie ihre Medikamente nehmen und redet ihnen gut zu. Dabei unterstützt sie auch die Familien. Die sind dankbar für ihre Arbeit.

Seit neun Jahren besucht Scherer-Knipfer die Familie Köstler. Sohn Konrad hatte sie damals engagiert: "Man kann viel selber machen, aber irgendwann kommt man an seine Grenzen", erklärt er. Eine solche Betreuung sei auch eine Kostenfrage. Zuvor hatte seine Familie auch Kurzzeitpflege ausprobiert, "drei bis vier Wochen, je nachdem, damit wir abschalten können."

Karl Köstler fühlt sich wohl mit der Pflege. Berührungsängste hat er schon längst keine mehr: "Lustig muss die Welt zugrunde gehen", findet er. Der 85-Jährige lässt es sich nicht nehmen, mit seiner Betreuerin zu schäkern. Die wäscht ihm gerade mit dem Waschlappen die Füße. Zum Schluss reibt Scherer-Knipfer die Füße ihres Patienten mit Frische-Balsam ein. Ín der Küche riecht es nach Minze. "Den Intimbereich macht er immer selber", erklärt sie.

25 Minuten hat die Pflegerin für diesen Termin Zeit. Dann geht es weiter. Für viele Wohnungen und Häuser hat sie von den Angehörigen Schlüssel bekommen. Mit einer berufsmäßigen Selbstverständlichkeit öffnet die Pflegerin Haus- und Wohnungstüren und betritt den Lebensmittelpunkt der alten Menschen.

Arbeitsmarkt leer gefegt


Als nächstes kommt Ingeborg Schnurrer. Sie braucht Hilfe beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe. Dann Josef Pausch: Er ist an Demenz erkrankt und kann sich nicht mehr alleine duschen. Louise Lukas ist bettlägrig. Die Krankenpflegerin hievt sie ein paar mal in der Woche aus dem Bett in einen Rollstuhl, um sie zu waschen. Es wird Mittag, bis die Schwester mit ihrer Runde fertig ist. "Ich arbeite regulär 25 Stunden. Meine Chefin hat mich auf 35 aufgestockt, damit ich die ganzen Überstunden abbauen kann." Überall gebe es Personalmangel. Krankenpfleger seien nicht mehr zu bekommen, sagt sie. "Seit ich dabei bin, hat sich die Zahl der Patienten verdoppelt."

Das bestätigt auch Pflegedienstleiterin Maria Berthold. "Seit drei Jahren finde ich kein examiniertes Pflegepersonal mehr." Die Chefin von Scherer-Knipfer sagt, sie könne nur noch von anderen Anbietern abwerben. "Ich habe angefangen, selber auszubilden."

Kurzfristige Notfälle


Gleichzeitig gibt es immer wieder kurzfristige Notfälle. Da springt Berthold ein. So wie bei dem bettlägrigen Fritz Prölß. Noch im Mai hatte er sich selbst versorgen können. Das erzählt seine Tochter Irmgard. Dann sei er zweimal gestürzt. "Da ist viel zusammengekommen und er ist jetzt ein Pflegefall." Irmgard Prölß ist froh über die kurzfristige Hilfe. Eigentlich lebt und arbeitet sie in München. Erst hat sie sich Urlaub genommen, jetzt ist sie auf unbestimmte Zeit bei ihrem Vater, um sich um ihn zu kümmern.

Während Maria Berthold den Senior wäscht, bleibt Fritz Prölß teilnahmslos. Sie wechselt ihm die Windel und animiert ihn, sich zu bewegen. Mühevoll kreist er seine Zehen. "Bis auf 3000 Meter war ich oben", sagt er, und meint damit die Besteigung der Kirchbachspitze in Südtirol. "Und jetzt kann ich nicht einmal aufstehen."

Ambulante Pflegedienste der RegionIhren Sitz in Weiden haben acht Pflegedienste: Die Diakonie Sozialstation, das BRK, Lynn's Best Kranken- und Intensivpflege, die Caritas, die Malteser, der Pflegedienst Regenbogen, die AWO und der ARV.

In Vohenstrauß gibt es drei Dienste: Veritas Gisela Sennert, die Caritas und die AWO.

Zwei Dienste arbeiten von Altenstadt/WN aus: Betreutes Wohnen, Ambulanter Pflegedienst Hagemann und die Katholische Kirchenstiftung Ambulante Krankenpflege St. Elisabeth.

Im Landkreis Neustadt/WN sind weitere sieben Dienste aktiv: Ambulanter Dienst Johanna Völkl (Irchenrieth), die Ambulante Krankenpflege der Kath. Kirchenstiftung St. Georg (Neustadt/WN), der Service, Hilfs- und Pflegedienst Sonnenschein (Luhe-Wildenau), gratus manus - Ambulante Krankenpflege (Waldthurn), Häusliche Krankenpflege Regenbogen (Mantel), Pflegedienst "Herbstsonne" (Pleystein) und der ARV (Erbendorf).
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