Fußballliga für geistig behinderte Kinder
Soziale Kompetenz entscheidend

Im Training spielt Blau gegen Gelb. Keeper Hans-Jürgen und seine Mitspieler bleiben wachsam, damit das Team kein weiteres Tor kassiert. Bild: szl
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Irchenrieth
05.10.2016
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"Hier wird scharf geschossen", warnt Trainer Ben Rückerl.

Für die Weidener "Bananenflankenliga" ist der Großteil organisiert: Nach der Sommerpause trainiert Ben Rückerl aus Regensburg am HPZ mit 25 fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen. Nur noch örtliche Coaches und Betreuer fehlen.

Beim ersten Training nach den Sommerferien begleitet den derzeitigen Trainer und Initiator Ben Rückerl auch seine Frau Franzi. "Fußballerisch habe ich keine Ahnung, aber ich betreue die Kinder." Sie ist ebenfalls Heilerzieherin und bindet Schuhbänder, teilt blaue und gelbe Trikots aus und hält die Spieler auf der Bank bei der Stange.

"Die Bananenflanke am Standort Weiden wird in jedem Fall entstehen", verspricht Rückerl. Der örtliche Round Table gründet den Verein, der im Hintergrund die Fußball-Liga für geistig behinderte Kinder und Jugendliche steuert. Auch die SpVgg SV Weiden unterstützt als hiesiger Profi-Verein die Bananenflanken-Liga. "Das HPZ Irchenrieth hat einen riesigen Einzugsbereich und ist für uns als Partner wie gemacht", freut sich Rückerl über den schnellen Zuspruch.

Trainer gesucht


"Aktuell ist die größte Schwierigkeit, Trainer für das Team in Irchenrieth zu bekommen", sagt Rückerl. Momentan trainiert er die Mannschaften noch selbst. Ein Trainer- und Betreuerteam bestehe idealerweise aus vier Personen.

Es komme nicht auf Trainerschein oder fußballerische Erfahrung an, sondern auf soziale Kompetenz. "Es können sowohl Fußballer, die sich für unsere Mannschaften interessieren mitmachen, als auch Heilpädagogen, die Hobbyfußball spielen", erklärt der Regensburger. Die Kinder und Jugendlichen haben verschiedene Behinderungen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Trotzdem spielen alle gemeinsam. Rückerl teilt die Spieler in Mannschaften ein, damit die Teams ausgeglichen sind. Die Regeln weichen etwas vom normalen Fußball ab. Auf Abseits wird hier nicht geachtet, den Anstoß macht immer ein Kind alleine. Nach einigen Minuten wechseln die Spieler. So kommt jeder zum Zug.

"Vorsicht, hier wird scharf geschossen", warnt Rückerl bevor er zum Spiel anpfeift. "Alle sind total motiviert, am liebsten spielen die Teams einfach", weiß auch Franzi. Dennoch trainieren die geistig behinderten Fußballer mit Rückerl auch Technik und etwas spielerische Strategie.

Hans-Jürgen ist mit 37 Jahre der älteste Spieler. Der Torwart pariert Michis Angriff. "Hans-Jürgen lass dir Zeit. Schau, wo deine Spieler sind", ruft der Trainer ihm zu. Bevor Michi seine Tor-Serie fortsetzt, schnappt ihm Dominik den Ball weg. "Gut, Dominik. Ruhig stören, hol dir den Ball", motiviert der Vereinsgründer. Nach eineinhalb Stunden und einem Elf-Meter-Schießen ist das Training beendet.

Bananenflanke e.V.Die Bananenflanken-Liga ist ein Fußballprojekt für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Durch erlebnispädagogische Einflüsse wird dazu beigetragen Persönlichkeit und soziale Kompetenzen zu entwickeln.
Die beiden Heilpädagogen Ben Rückerl und Stefan Pötz aus Regensburg gründeten den Verein 2011. Das Konzept wird durch Round Tables in ganz Deutschland unterstützt und lässt sich auf andere Städte übertragen – die Fußballliga für behinderte Kinder und Jugendliche gibt es schon in 16 mal in Deutschland. Am Standort Weiden soll ab Sommer 2017 gespielt werden.
Infos unter Email: info@team-bananenflanke.de
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