Vor einem halben Jahrhundert schrieben engagierte Eltern das erste Kapitel der ...
Segensreiches Engagement

Vermischtes
Irchenrieth
29.04.2015
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"Ein behindertes Kind ist eine Lebensaufgabe." Diese Aussage des Vorsitzenden des Vereins "Heilpädagogisches Zentrum - Lebenshilfe für Behinderte e.V." (HPZ), Josef Rupprecht, analysiert das Thema "Leben mit Behinderung" punktgenau. Ein behindertes Kind wird niemals der Familie entwachsen.

Dank einer segensreichen Einrichtung wie dem HPZ in Irchenrieth kann das Leben des betroffenen Menschen und auch dessen Eltern in gute Bahnen gelenkt werden. Mittlerweile seit 50 Jahren steht die "Lebenshilfe" für Betreuung und Sorge von Geburt an.

Pioniere, allen voran Alfred Krause, haben vor einem halben Jahrhundert die Zeichen der Zeit erkannt, als es das Wort "Inklusion" noch nicht gab. Krause gründete zusammen mit weiteren 13 betroffenen Eltern die Lebenshilfe als "Hilfe zur Selbsthilfe". Die Mütter und Väter hatten ihre Kinder zu Hause, eine Betreuung gab es nicht. Geschweige denn einen Kindergarten, eine Schule oder eine Werkstatt. Mit eigenen Mitteln richteten die engagierten Eltern einen Sonderkindergarten im Nebenzimmer der Gaststätte "Waldheim" in Weiden ein.

Dem folgte 1968 die erste Sonderschule an der Gerhardinger-Bildungsstätte in Weiden und in angemieteten Räumen in Letzau. Im selben Jahr ging auch die erste kleine Werkstatt in der Peuerlstraße in Weiden in Produktion, und in der Weidener Hochstraße wurde eine Tagesförderstätte eingerichtet.

Für die damalige Zeit waren all diese Maßnahmen ein riesiger Fortschritt, der ab 1968 in eine neue Ära ging. Alfred Krause und seine Mitstreiter gingen aufs Land und fanden in Irchenrieth eine Heimat. Dank des damaligen Bürgermeisters Hans Ram konnten sie ein Grundstück kaufen - und die Erfolgsgeschichte HPZ begann.

Krause kämpfte hartnäckig für seine Vision und begann mit dem Aufbau der Behinderteneinrichtung. Bereits 1969 enstand eine Vorschule mit angegliederter Tagesstätte, drei Jahre später konnte die Sonderschule für Menschen mit geistiger Behinderung eröffnet werden. Im selben Jahr richtete man die Werkstatt für Behinderte ein und ging zwei Jahre später damit dank Firmen, die Arbeiten an das HPZ vergaben, in Produktion.

1976 folgte der Bau des Wohnheims und der Zentralküche. Krause als Geschäftsführer und Vorsitzender der Lebenshilfe hatte noch viele Ziele: 1982 die Förderstätte für Erwachsene, 1983 das Gruppenhaus für Kinder und Jugendliche, 1984 die Erweiterung der Werkstatt, in der heute mehr als 400 Menschen arbeiten sowie weitere Gruppenwohnhäuser.

1990 war ein schwieriges Jahr für das HPZ. Alfred Krause, der in seiner Aufgabe vollkommen aufgegangen war, verstarb. Seine Tochter Brigitte und später auch Helmut Dörfler als Geschäftsführer führen das Werk im Sinne des Visionärs fort.

Heute bietet das HPZ annähernd 1400 Betreuungsplätze an, dies reicht von der Frühförderung für kleine Menschen bis zum Pflegeheim für alte Menschen mit einer geistigen Behinderung. 700 Menschen arbeiten in der Einrichtung. "Alles, was hier in Irchenrieth steht, gehört dem Verein ,Lebenshilfe'", betont Vorsitzender Josef Rupprecht.

Am 3. und 5. Juli wird das 50-jährige Jubiläum groß gefeiert.
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