Nun Zeit fürs Schafkopfen
Bruno Haberkorn blickt auf 20 Jahre als Bürgermeister zurück

2005 führte Bruno Haberkorn (vorne) die Bewertungskommission für den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" durch den Ort und Kastl zum Sieg auf Landkreisebene. Archivbild: hwk
Politik
Kastl bei Kemnath
19.01.2016
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1994, kurz vor seiner ersten Wahl zum Gemeindeoberhaupt, traf Bruno Haberkorn (links, mit dem früheren Kemnather Rathauschef Peter Prechtl) in Kemnath den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (rechts). Bild: hfz

Im Leben verläuft nicht immer alles nach Plan. Das gilt auch für einen Bürgermeister. In seiner 20-jährigen Amtszeit musste Bruno Haberkorn ebenfalls bei so manchem Vorhaben Rückschläge einstecken, bei anderen kam er aber doch noch über Umwege zum Ziel.

Sein erfolgreiches Wirken für Kastl honorierte der Gemeinderat am Freitag mit der Ernennung zum Altbürgermeister und zum ersten Ehrenbürger der Kommune (wir berichteten). NT-Mitarbeiterin Simone Braun sprach mit ihm bei der Feierstunde über Fernsehauftritte im "Dritten", Trauungen vor der Bescherung und Verkehrsschilder.

Herr Haberkorn, was waren für Sie die Höhen und Tiefen Ihrer 20-jährigen Amtszeit?

Haberkorn: Es gab fast nur Höhen. Für mich waren die standesamtlichen Trauungen immer wieder schön. Trauungen habe ich auch an vielen ungewöhnlichen Tagen vorgenommen, wie zum Beispiel an Silvester, am Heiligen Abend, an Christi Himmelfahrt oder am Faschingsdienstag. Auch die Eröffnung von neuen Geschäften und Betrieben war immer ein besonderes Ereignis. Freude bereitete mir die Zusammenarbeit mit den Vereinen. Sie sind wichtig für ein aktives Gemeindeleben und fanden bei mir immer ein offenes Ohr. Gewisse Tiefschläge waren, wenn Leute bauen wollten und mit der Begründung "Außenbereich" keine Genehmigung bekamen. Ich konnte das oft nicht nachvollziehen.

Ihr größter Erfolg als Bürgermeister war?

Haberkorn: Jedes Bauprojekt, das vollendet werden konnte, war für mich ein Erfolg, egal ob es die Generalsanierungen der Schule und des Kinderhauses, Straßen- und Brückenbaumaßnahmen, die Dorferneuerung im gesamten Gemeindegebiet, Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung oder auch die DSL-Versorgung waren. Die Umsetzung des Baugebietes "Am Bühl" mit 70 neuen Bauplätzen im Jahr 2000, von denen inzwischen rund 60 Plätze bebaut sind, war für mich ein besonders großer Erfolg. Ebenfalls dass ich die Gemeinde am 30. April 2014 schuldenfrei an meinen Nachfolger übergeben konnte. 14 Tage vorher hatte ich für die Gemeinde die letzte Darlehensrate zurückgezahlt. Viele Jahre hatte ich darauf hingearbeitet, und es ist mir gelungen, ohne dass die Gemeinde ihre laufenden Aufgaben vernachlässigt oder wichtige Projekte aufgeschoben hätte. Natürlich habe ich mich auch über die hervorragenden Wahlergebnisse gefreut: Ich habe vier Mal als Bürgermeister kandidiert, und das jedes Mal ohne Gegenkandidat.

Was war Ihre bitterste Stunde?

Haberkorn: Die hat es nie gegeben. Natürlich gab es auch mal schlechte Tage, an denen man das eine oder andere nicht erreicht hat, was man sich vorgenommen hat. Aber es gab nie eine herbe Niederlage.

Woran denken Sie gerne zurück?

Haberkorn: Die Einweihung der Geh- und Radwegunterführung durch die Staatsstraße 2665 im Jahr 2013 mit Staatssekretär Gerhard Eck. Diese erhebliche Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer war seit vielen Jahren ein Traum von mir. Die Maßnahme kostete der Gemeinde zwar knapp eine Million Euro, der Freistaat Bayern beteiligte sich aber mit 75 Prozent Zuschuss. Große Erlebnisse waren auch die historischen Erntedankzüge der Pfarrgemeinde 2000 und 2010. Nach monatelangen Vorbereitungen hat die Bevölkerung vor imposanter Zuschauerkulisse jeweils großartige Festzüge auf die Beine gestellt. Ein Höhepunkt war auch, als Kastl 2005 Landkreissieger im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" wurde.

Bei all Ihren Terminen haben sich doch sicherlich auch so einige lustige Begebenheiten ereignet.

Haberkorn: Nach einer Ortsbesichtigung forderte die Aufsichtsbehörde an den Bahnübergängen Birkhof und Weha 48 neue Verkehrszeichen. Über diesen "Schildbürgerstreich" habe ich mich fürchterlich aufgeregt. Der Bayerische Rundfunk wurde darauf aufmerksam und ich bekam auf Bayern 1 ein Live-Interview mit Petra Mentner zum Thema "Da wiehert der Amtsschimmel". Auch das Bayerische Fernsehen war vor Ort, machte ein Interview mit mir und brachte Bilder von den Bahnübergängen.

Eine andere Geschichte: Zwei Projekte hatten wir für das Konjunkturpaket II angemeldet. Bei der Vergabe fielen wir durch. Meine Vermutung, dass wir mit Kastl bei Amberg verwechselt wurden, dementierte die Regierung. Danach hat mich die damalige Regierungspräsidentin Brigitta Brunner mehrmals am Handy angerufen, um mich zu besänftigen. Und auf wundersame Weise bekamen wir im Nachhinein auch noch 150 000 Euro Zuschuss aus dem Konjunkturpaket.

Zum Schmunzeln war auch ein Walpurgisnacht-Streich: Wir kämpften viele Jahre vergebens um "Tempo 80" auf der Staatsstraße 2665 an der sogenannten "Schneider-Kreuzung". Eines Tages standen die Tempo-80- Schilder, aber mit dem Zusatz "Bei Nässe". In der Nacht vom 30. April auf 1. Mai wurden diese Zusatzschilder abmontiert. Viele Wochen hielten sich die Autofahrer an das jetzt gültige "Tempo 80". Die Gemeinde hatte über Nacht erreicht, was sie wollte. Leider bemerkte das Straßenbauamt den "Schilderverlust" und stellte den alten Zustand wieder her.

Sie sind seit vergangenem Dezember Pensionär. Wie sieht Ihr Tag jetzt aus?

Haberkorn: Ich bin immer noch Geschäftsführer des Zweckverbandes für die Unterhaltung von Gewässern Dritter Ordnung, das sind Gewässer für deren Unterhalt die Kommunen verpflichtet sind. Dazu zählen 60 Städte und Gemeinden, von Moosbach bis Speichersdorf. Da habe ich schon noch einiges zu tun. Auch sportlich bin ich unterwegs und spiele Tischtennis sowie Tennis. Ebenso möchte ich noch mit den Fahrrad einige Flussradwege befahren. Seit ich im Ruhestand bin, spiele ich auch wieder Schafkopf, dazu hatte ich vorher keine Zeit. Als Bürgermeister musste ich auf einiges verzichten. Auch für meine Familie habe ich jetzt mehr Zeit.
Danach hat mich die damalige Regierungspräsidentin Brigitta Brunner mehrmals am Handy angerufen, um mich zu besänftigen.Bruno Haberkorn über eine Verwechslung mit Kastl bei Amberg, wegen der seine Gemeinde zunächst keine Zuschüsse bekommen hat.
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