Besuch beim Anbaupionier in Hessenreuth – Jetzt auch staatliche Förderung
Durchwachsene Silphie als Energiepflanze der Zukunft

Vermischtes
Kastl bei Kemnath
07.09.2016
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bei Kemnath . (mkk)

Wenn der anerkannte Biolandwirt Ludwig Arnold von seinen Aktivitäten spricht, merkt man schnell, dass er mit voller Überzeugung bei der Sache ist. Auf seinen landwirtschaftlichen Flächen in Hessenreuth baut er vorwiegend Dinkel im Wechsel mit Kleegras an. Seine große Leidenschaft gilt aber der Energiepflanze Silphie, die er seit 2011 auf 0,3 ha anpflanzt. Einer Gruppe interessierter Bürger erklärte Arnold vor Ort die Vorteile dieser Becherpflanze, eingeladen hatten dazu die Freien Wähler der Gemeinde Kastl.

Ein steiniger und stets feuchter Acker in Waldrandnähe brachte keinen zufrieden stellenden Ertrag. Ludwig Arnold sah sich nach Alternativen um. Ein Arbeitskollege machte ihn eines Tages auf Dr. Petro Gerstberger aufmerksam, der an der Universtität Bayreuth mit der "Durchwachsene Silphie" als Energiepflanze experimentierte. Ein Kontakt ergab, dass man dort auf der Suche nach einer größeren Versuchsfläche war. So kam die Silphiepflanze nach Hessenreuth.

"Der Anfang war schwer", bestätigen übereinstimmend Ludwig Arnold und seine Ehefrau Waldtraud. 6500 Pflanzen waren zu setzen. Dabei halfen eine Pflanzmaschine und Fräse, die sich Arnold auslieh. Danach hieß es Unkrautjäten per Hand - eine mühselige Aufgabe. "Als Biolandwirt konnten wir vor der Pflanzung kein Unkrautvernichtungsmittel spritzen", so Arnold. Im konventionellen Landbau dagegen darf vorweg gespritzt werden, was den Anbau erleichtert. Aber die Arbeit hat sich gelohnt: Im sechsten Jahr nach dem Anbau stehen die Pflanzen mannshoch da, mit gelben Blütenständen, schön auch für das Auge.

Die ursprünglich aus Amerika stammende Durchwachsene Silphie wird gerne auch als Alternative zum Mais genannt, dessen verstärkter Anbau von vielen kritisch gesehen wird. In der Tag kann die Silphie laut den Erfahrungen, die in den letzten Jahren mit dem Anbau gemacht wurden, eine Reihe von Vorteilen aufweisen. Zu nennen ist die ganzjährige Bodenbedeckung. Die Silphiepflanze wurzelt bis zu einer Tiefe von einem Meter. Bei Starkregen kommt es zu keinen Abschwemmungen oder Erosionen des Mutterbodens. Eine Plage kennt man beim Anbau von Silphiepflanzen auch nicht: Die Wildschweine meiden die Anbauflächen. Während der Blütezeit im August ist die Pflanze ein Eldorado für Insekten und Bienen. Laut ersten Versuchen können Imker zwar nicht mit einem großen Honigertrag rechnen, aber die in der Nähe des Pflanzfeldes aufgestellten Bienenvölker sind gestärkt und damit gesünder nach der Blütezeit. Ernten kann man die Silphiepflanze jedes Jahr mit einem konventionellen Häcksler, wie Mais auch. Die Pflanze wächst im Frühjahr ohne weitere Bearbeitung wieder, und das 10-15 Jahre lang. Nur etwas Düngung ist erforderlich, im Falle von Arnold mit Biogülle. Beim Ertrag ergeben sich laut einer Berechnung von Dr. Gerstberger in 15 Jahren folgende Werte: Mais 15 t pro ha, Becherpflanze 17,3 t pro ha. Unter Einbeziehung sämtlicher Kosten erzielt der Landwirt innerhalb dieses Zeitraums beim Mais einen Gewinn von 722 Euro je ha, bei der Becherpflanze 1251 Euro.

Seit kurzer Zeit kommen noch zwei Punkte hinzu, die Landwirten den Anbau der Silphiepflanzen erleichtern werden. Jetzt steht auch saatfähiger Samen zur Verfügung, damit entfällt das aufwändige Setzen der Pflanzen. Und es gibt Geld vom Staat im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Anbau der Silphiepflanze wird künftig mit 85 Euro pro Hektar gefördert.

Mittlerweile sind auch Wasserversorgungsunternehmen auf die Silphie aufmerksam geworden. So berichtet der Wasserversorgungszweckverband "Juragruppe" mit Sitz in Pegnitz, dass es beim Maisanbau im Frühling keine geschlossene Pflanzendecke zur Erosionsvermeidung gibt. Im Herbst werden unter Mais im Durchschnitt die höchsten Restnitratgehalte gegenüber anderen Fruchtarten gemessen. Problematisch sieht man auch die Ausbringung von Herbiziden im Mais im Bereich der Einzugsgebiete von Trinkwasserbrunnen. Unter anderem fördert die Juragruppe seit 2016 auch den Anbau der Becherpflanze Silphie als Untersaat mit Deckfrucht Mais.

Ludwig Arnold spielt übrigens mit dem Gedanken, seine Anbaufläche zu erweitern. So dürften bald weitere sonnengelb leuchtende Felder das Landschaftsbild um Hessenreuth bunter machen.

Die Vorsitzende der Freien Wähler, Elisabeth Streng, bedankte sich bei Ludwig Arnold für seine engagierten Ausführungen. Die Gruppe beschloss die Infoveranstaltung mit einer Einkehr im Gasthaus Schraml-Pöllmann.
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