„Gebt Feuer!“
Vorsitzender der Böllergruppe Kastl Ludwig Walter erzählt über die Welt der Böllerschützen

Die Gründungsmitglieder der Kastler Böllergruppe in voller Montur (von links) Ludwig Walter, Alfons Raps, Konrad Götz und Christian Lauterbach mit Handböllern und symbolischer Kanone.
Vermischtes
Kastl bei Kemnath
31.12.2015
82
0
 
Zur Grundausstattung der Böllerschützen gehören neben den Waffen auch die Tracht, eine Tasche mit Pulver, ein Ladestock und natürlich ein Gehörschutz. Denn das Böllerschießen ist vor allem eins: laut. Bilder: hfz

Seit 1990 knallt es in Kastl. Die Böllergruppe tritt auf bei Hochzeiten, Jubiläen und beim Maibaumaufstellen. An Silvester, dem großen Tag des Feuerwerks, schweigen die Geschütze jedoch. Vorsitzender Ludwig Walter erzählt über die Welt der Böllerschützen.

(blu/rwo) Eine Sparte der Sportschützen "Einigkeit" Hubertus ist die Kastler Böllergruppe. Etwa zehn Mal im Jahr schießt sie bei kirchlichen Anlässen, Schützenfesten oder Maibaumfeiern. Bei Beerdigungen von Vereinsmitgliedern nehmen sie mit einem Dreifach-Salut Abschied. Die Schützen schießen mit speziellem Schwarzpulver und Hand- und Schaftböllern aus Nussbaum und Edelstahl, versehen mit aufwendigen Schnitzereien und Gravuren. Das Böllerschießen hat eine sehr alte Tradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurück reicht. In Bayern gibt es fast 750 Böllergruppen mit 10 000 Böllerschützen.

Was er zu Silvester macht, ob er noch alle Finger an der Hand hat und was ihm das Böllern bedeutet, darüber sprach mit Beate-Josefine Luber das Gründungsmitglied und seit jeher erster Vorsitzender der Kastler Böllerschützen Ludwig Walter.

Wie oft heißt es bei Ihnen "Achtung Böllerschützen" und "Feuer frei"?

Ludwig Walter: Mit dem Verein schießen wir etwa zehn Mal im Jahr. An Weihnachten hatten wir gar keine Termine. Wir werden wohl Ende April zum Maibaumaufstellen wieder schießen. Wir haben auch enge Verbindungen zu anderen Böllergruppen wie Neusorg, Riggau und Proschenreuth. Beim 10-jährigen Bestehen unserer Gruppe kamen 100 Böllerschützen zum Schießen.

Und zu Silvester sind Sie nicht im Einsatz?

Walter: Nein, da schießen wir nicht. Da knallt es eh schon überall. Einmal haben wir in Kastl zum Neujahrsanfang geböllert, aber es war so laut überall, dass man uns gar nicht gehört hat. Ich mag auch diese ganzen Massenangebote an billigen Knallern nicht. Das wird vollkommen übertrieben.

Was halten Sie von der Forderung "Brot statt Böller" von der Hilfsorganisation "Brot für die Welt"?

Walter: Dem stimme ich zu. Jeder will nur kaufen und verkaufen, obwohl immer gesagt wird, wir müssen sparen. Das ist auch etwas völlig anderes, wenn wir zu Feiern schießen.

Wie gefährlich ist Böllerschießen? Haben Sie noch alle Finger?

Walter: Ja. Sicherheit ist für mich das A und O. Ich bin persönlich sehr dahinter, dass alle Regelungen eingehalten werden. Deswegen auch der Gehörschutz.

Was gefällt Ihnen beim Böllerschießen am meisten?

Walter: Wir treten auf, wenn etwas Bedeutendes passiert und stehen dabei in Reih und Glied. Es gibt verschiedene Kommandos wie "Böllerschützen Achtung" und "Feuer" sowie Schussfolgen wie der Salut oder das Reihenfeuer von links nach rechts. Es geht aber nicht nur ums Schießen, sondern um die Kameradschaft. Unsere Böllergruppe wächst und hat derzeit 22 Mitglieder Wenn etwas stattfindet, sind wir alle mit dabei. Es gibt Vereine, die haben viel mehr Mitglieder, aber wenn es darauf ankommt, ist keiner da. Wichtig, ist dass alle zur Gruppe stehen und das ist bei uns so. Auch die Frauen stehen voll hinter uns. Wir sind ein starker Trupp.

Böllerschießen hat viele Bedeutungen. Leute wollen damit einen Heimatbrauch bewahren, ein Kriegssymbol hochleben lassen oder auch Geister austreiben. Was bedeutet das für Sie?

Walter: Mit Geisteraustreibungen habe ich überhaupt nichts am Hut. Aber sag niemals nie. Unsere Auftritte bei den Veranstaltungen zeigen, dass es besondere Ereignisse sind. Ich bin zufrieden, wenn die Leute sagen: "In Kastl haben wir ein Fest gehabt und die haben geschossen und das hat gepasst."

MitmachenJeweils am ersten Sonntag im Monat trifft sich die Böllergruppe Kastl im Schützenhaus, um die Aktivitäten zu besprechen oder "um einfach gemütlich zusammen zu sitzen", wie Ludwig Walter erzählt. Vor großen Auftritten gibt es auch Übungsabende. Auch ist am 6. Januar der traditionelle Böllerfrühschoppen im Kastler Schützenhaus mit großer Tombola. Beginn ist um 9.30 Uhr und die ganze Bevölkerung ist herzlich eingeladen. (rwo/blu)
Weitere Beiträge zu den Themen: Silvester (80)Böllergruppe (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.