Maibaumklau beschäftigt Polizei
Diebe aus Versehen

In der Nacht zum Montag wuchs dieser "Schandbaum" in Kirchenthumbach. Daran hingen die Maibaumdiebe auch die verschwundenen Ketten auf. Bild: hfz
Vermischtes
Kastl bei Kemnath
03.05.2016
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Die Polizei in Eschenbach ermittelt wegen Diebstahls - noch gegen unbekannt, die Täter geben sich aber gelassen: Die Maibaumdiebe vom Wolframshofer Haisl sind sich jedenfalls keiner Schuld bewusst, und machen der Gegenseite Vorwürfe.

Wolframshof/Kirchenthumbach. Vier Bäume hat das Wolframshofer Haisl in dieser Maibaum-Saison erbeutet, einer davon beschäftigt nun die Polizei. In der Nacht zum Samstag entdeckten sie auf einem Kirchenthumbacher Bauernhof den Maibaum des Marktes und entführten ihn die gut 20 Kilometer heim ins Kemnather Land. Was ihnen dabei nicht auffiel: Im Baum hingen noch zwei Schleppketten für den Transport des Baumes. Deretwegen erstattete der Eigentümer Anzeige bei der Eschenbacher Polizei wegen Diebstahls.

Wenig Humor


Die Verantwortlichen vom Haisl haben die Ketten inzwischen nach Kirchenthumbach zurückgebracht - samt eines Schandbaumes. Auf eine Auslöse konnten sich die Haisler mit dem Kirchenthumbacher Trachtenverein nicht einigen. Die Verantwortlichen hätten wenig Sinn für Humor bewiesen, lediglich 40 Liter Bier geboten und auch nur dann, wenn der Baum sofort zurückgebracht wird, andernfalls würden sie zur Polizei gehen.

"Selbst wenn wir gewollt hätten, hätten wir den Baum nicht sofort bringen können. Für den Transport sind einige Leute nötig, die wir zu diesem Zeitpunkt nicht hatten." Für solche Argumente seien die Kirchenthumbacher nicht zugänglich gewesen. Anders sieht es der Bestohlene: Den Landwirt ärgert, dass sein Hofhund vor zwei Wochen verendete, der hätte den Diebstahl sicher verhindert.

Noch mehr wurmt ihn, dass die Diebe in seine Scheune eingebrochen sind. Zwar haben sie nicht das Schloss geknackt, aber doch einige Schrauben gelöst, um das Tor zu öffnen. Auch die Forderungen der Diebe fand er unverschämt: Der Landwirt spricht von 100 Liter Bier, 30 Liter nicht alkoholische Getränke und eine Brotzeit für 30 Mann. Die Wolframshofer sehen sich dagegen als Verteidiger des Brauchtums: Vier Bäume haben sie erbeutet. Bei den Verhandlungen mit den Fuchsendorfern und den Speichersdorfern sei alles problemlos gelaufen. "Man muss doch etwas Spaß verstehen", heißt es aus Wolframshof. Das gilt auch für sie selbst, den auch bei ihnen lief in diesem Jahr nicht alles wie gewünscht. Tatsächlich mache ihnen die Konkurrenz das Leben schwer. "Heute sind viel mehr Gruppen unterwegs, um Maibäume zu stehlen."

Sie selbst hätten auch viel mehr Bäume ausgekundschaftet, "aber viele waren schon weg, als wir sie holen wollten". Dumm gelaufen sei es auch in Feilersdorf: Dort erbeuteten die Wolframshofer zwar einen Baum - aber eben den falschen. "Das war der Baum vom letzten Jahr, den wollte natürlich keiner auslösen." Wirklich für Ärger habe aber nur die Aktion in Kirchenthumbach gesorgt.

Keine "Aneignungsabsicht"


Werner Stopfer glaubt aber, dass sich auch hier die Folgen in Grenzen halten. Der stellvertretende Leiter der Eschenbacher Polizeiinspektion ist mit dem Fall beschäftigt. In Eschenbach habe der Chef des Trachtensvereins die Anzeige erstattet. "Es ging dabei aber nur um die Schleppketten, der Baum war bei der Anzeige ausgeklammert", erklärt Stopfer. Die Ermittlungen laufen und werden nach Abschluss auch der Staatsanwaltschaft übergeben.

Deren Entscheidung will Stopfer nicht vorgreifen, er glaubt aber nicht, dass die Wolframshofer viel zu befürchten haben: Dadurch dass sie die Ketten wieder zurückgegeben haben, falle das "Merkmal der Aneignungsabsicht" weg. Dieses sei Voraussetzung für einen Diebstahl. Der Vorsitzende des Thumbacher Heimat- und Trachtenvereins war am Montag nicht zu erreichen.

Maibaum-VerleihKirchenthumbach. Der Markt ohne Maibaum?Das wollten die Verantwortlichen vom Trachtenverein nicht, auch wenn sie sich mit den Dieben nicht einig wurden. Deshalb bewiesen sie Kreativität : Bei einem Sägewerk besorgten sie einen Stamm, auf dem nun die alte Spitze thront. Ende des Monats, müssen sie den Stamm wieder an die Säge zurückgeben. Ein Maibaum-Verleih: Eine Geschäftsidee mit Zukunft?
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