Troglauer Buam über ihre Anfänge und den rasanten Erfolg
Oma tanzt zu "Heavy Volxmusic"

Die Troglauer Buam Mike (Gesang, Gitarre), Danny (Gitarre), Roy (Akkordeon, Keyboard), Domml (Gesang, Akkordeon), Nicki (Bass) und Willi am Schlagzeug (von links) sind fleißig am Arbeiten in der "Muhbaracke". Bild: Götz
Vermischtes
Kastl bei Kemnath
27.05.2016
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Sie traten bei MTV auf, schrieben das Titellied für "Bauer sucht Frau", und Günther Beckstein zeichnete sie aus als "Botschafter der Oberpfalz". Vom schillernden Showbusiness merkt man im Probenraum der Troglauer Buam jedoch rein gar nichts.

Troglau. Es ist ein heruntergekommener ausgebauter Stall mit alten Sofas, niedrigen Decken und vollen Aschenbechern. Von einem PartyHaisl für die Dorfjugend unterscheidet er sich nur durch die Instrumente. Und dadurch, dass mittendrin die sechs ausgewachsenen Männer Domml, Mike, Nicki, Danny, Roy und Willi stehen und Musik machen.

Gründung im Sportverein


Der ehemalige Kuhstall ist die legendäre "Muhbaracke". Er liegt in dem kleinen Dorf Troglau bei Kastl (Kreis Tirschenreuth). Seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren proben die Troglauer Buam dort. Und nach dem Ort haben sie sich auch benannt. Es musste nämlich schnell gehen mit der Namensfindung, damals, als sie ihren ersten Auftritt hatten. Auf die Frage, wann das genau war, antworten sie wie aus einem Mund: Am 4. Juli 2004.

Sänger Domml erzählt immer wieder gerne diese Geschichte. Es war ein Sonntag, und der Sportverein in Kastl wollte ein Fest veranstalten. Leider hatte er keine Band. Und so fragten die Organisatoren spontan einige der Jungs aus dem Verein, die mit Kumpels in Troglau Coversongs spielten. "Da haben wir ihnen natürlich aus der Patsche geholfen", erklärt Domml. Es musste schnell gehen. Die Lederhosen, die seitdem ihr Markenzeichen auf der Bühne sind, liehen sie sich von den Vätern aus. Die Vorgabe der Vereinsvorsitzenden: keine Rockmusik. Sie spielten ihre Coversongs, sangen Mundart, machten Gaudi, und alle waren begeistert. So war die "Heavy Volxmusic" geboren, wie die Troglauer Buam ihren Stil bezeichnen. 2008, vier Jahre später, nimmt Sony sie unter Vertrag. Sie produzieren ihr erstes Album bei Ariola, einem der erfolgreichsten deutschen Plattenlabels. Sofort steigt es unter die ersten 50 der deutschen und auf Platz 3 der bayerischen Albumcharts. 2009 gaben die Troglauer ihre Jobs auf. Seitdem leben sie ausschließlich von den Einnahmen der Band.

Diesen rasanten Erfolg sieht Nicki als Glücksfall an: "Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Ihr Stil, Volksmusik mit modernen Musikstilen wie Heavy-Metal zu mischen, erlebte zu dieser Zeit gerade Aufwind. "Neue Volksmusik" lautet der Genre-Begriff dazu. Hubert von Goisern macht es, die Wellküren oder auch Seiler und Speer. Während klassische Volksmusik mit der Absetzung aus dem Bayern-1-Programm und dem Aus des "Musikantenstadls" eher auf dem absteigenden Ast ist, sind diese modernen Mundartsänger sehr erfolgreich. "Die Leute mögen vielleicht nicht mehr dieses Volkstümliche. Überall ist heile Welt und alles ist toll", versuchen Mike und Nicki die Entwicklung zu erklären. Doch abgrenzen wollten sie sich nicht: "Wir sind sowohl im 'Musikantenstadl' als auch bei 'MTV Home' aufgetreten", wendet Mike ein. Die Band möchte allen gefallen. "Bei unseren Konzerten tanzt die Oma mit dem Enkel neben dem Banker und dem Heavy-Metaller."

Jungs von nebenan


Trotz der großen Erfolge wirken sie immer noch wie die Jungs von nebenan, die im Kastler Sportheim auftreten. Und genauso wollen sie wohl auch wahrgenommen werden. Auf die langen Touren und die Erfolge angesprochen, antwortet Mike nüchtern: "Klar ist es super, andere Orte zu sehen, aber es ist genauso schön, wieder zurückzukommen." Alle sind in der Nähe geblieben, wohnen in Kastl oder Kemnath. Die meisten der neuen Alben stellten sie in Kemnath vor - auch das fünfte Werk"Ey-Oh!". Es feiert beim "Troglauer Buam Open-Air" am 4. Juni seine Premiere.

"Ey-Oh!" setzt wieder auf Stimmung. "Das ist ein Freudenschrei, der Schlachtruf ins Wochenende", erklärt Danny. Diesmal aber kommt es aus heimischer Manufaktur, produziert im Kemnather Studio, das sie sich extra für den Zweck eingerichtet haben. "Bisher sind wir bis nach Flensburg oder Hamburg gefahren, um unsere Alben aufzunehmen. Das wollten wir nicht mehr", erklärt Mike. Auch Buchhaltung, Marketing und Merchandising stemmen sie selbst. "Wir sitzen nicht die ganze Zeit auf der faulen Haut und klimpern hin und wieder auf den Instrumenten", sagt Domml, und alle lachen.

Gelacht wird übrigens viel. Der Witz dahinter ist nicht immer nachvollziehbar. "Wir haben einen außergewöhnlichen Humor. Wenn wir irgendwo sind, wo uns keiner kennt, weiß man trotzdem, dass wir zusammengehören", stellt Nicki fest. Seit zwölf Jahren spielen sie in der Besetzung. "Manchmal kracht es schon, wie in jeder guten Beziehung", gibt Willi zu. "Doch wir verstehen uns super." Ihr Geheimnis: "Keine Drogenexzesse", erklärt Mike. "Zu faul zum Wechseln", wirft Roy ein. Lautes Lachen schallt aus der "Muhbaracke" in Troglau.

Open-Air in KemnathNicht wie sonst auf dem Stadtplatz, sondern auf dem größeren Festplatz in Kemnath präsentieren die Troglauer Buam ihr Open-Air-Festival am Samstag, 4. Juni, 19 Uhr. Was das Besondere ist, in Kemnath zu spielen? Domml verzieht das Gesicht: "Wir sind doppelt so nervös. Alle Leute, die wir kennen, sind da." Und dazu noch Fans aus ganz Deutschland. Bis aus dem Schwarzwald kommen sie mit Bussen. Mit dabei sind Kinihasn und Bata Illic. Die Band hat den 76-jährigen Schlagersänger eingeladen, weil sie seinen großen Hit oft covern. Und er hat zugesagt. "Michaela-aha", grölen die Sechs vor Freude. Heute am Freitag sind sie zu Gast in der BR Abendschau um 18 Uhr. (blu)
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