Alan Ames aus dem Nachbarlandkreis Schwandorf ist Wunderheiler
"Heilen kann nur Gott"

Als Alan Ames (links) vor einem Jahr in Weiden auftrat, fielen die Gläubigen nach der Handauflegung reihenweise um. In Kastl ging am Samstagabend diese Schwester (rechts) zu Boden. Ab diesem Zeitpunkt war das Fotografieren verboten. "Das reicht jetzt", ließ der 61-Jährige über seine Dolmetscherin ausrichten. Bild: Huber
Kultur
Kastl
04.05.2015
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Nach einer verpfuschten Unterleibs-OP ist die Frau am Ende. Sie hat chronische Schmerzen und leidet auch psychisch enorm. Ihr Gatte fährt mit ihr zu unzähligen Ärzten, die alle schnell mit ihrem Latein am Ende sind. Helfen soll der Mittfünfzigerin ausgerechnet ein Mann, der gewalttätig, spielsüchtig und alkoholabhängig war.

Kaum ist die Kastler Kirche von der Klosterbergstraße aus zu erkennen, ist der Weg für Autofahrer auch schon wieder zu Ende. Die Feuerwehr sperrt ab und regelt den Verkehr, um Familien mit kleinen Kindern, Behinderten und Fußkranken freie Fahrt zu gewähren. Sie alle wollen einen Mann sehen und erleben, dem der Ruf vorauseilt, ein Wunderheiler zu sein. Auch die Mittfünfzigerin aus dem Nachbarlandkreis Schwandorf setzt ihre Hoffnung auf Alan Ames, 61 Jahre alter Australier mit britischen Wurzeln und krimineller Vergangenheit, der mit 40 Jahren seinen Weg zu Gott gefunden hat.

Bis aus Köln und Eger

"Gott mochte nicht das Schlechte, was ich tat. Aber er hat mich immer geliebt", sagt der Mann, der auf sich hatte warten lassen. Für 17.30 Uhr angekündigt, überlässt er erst einmal dem Hausherrn Pfarrer Ryszard Kubiszyn den Altar und die Kanzel, bevor er 60 Minuten später die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Gut die Hälfte der über 400 Zuhörer meldet sich, als Ames wissen möchte, wer schon einmal einen Vortrag von ihm gehört hat.

Spätestens jetzt ist klar: Der zweifache Familienvater wird leichtes Spiel haben. "Wenn du die beste Heilung möchtest, ist eine gute Beichte wichtig", ist einer der ersten Sätze, die die Gläubigen hören, die teilweise bis aus Köln und dem tschechischen Eger angereist sind.

Nicht alle sind überzeugt

Was dann folgt, ist eine Stunde, in der Alan Ames kaum über sein verpfuschtes Leben in einem Londoner Armenviertel sinniert und sich eher auf grundsätzliche Aussagen wie diese konzentriert: "Gott wird das tun, was am besten für dich ist, wenn du es zulässt." Oder: "Menschen schauen zu sehr auf sich und die Welt und nicht auf den Himmel." Und: "Ihr müsst nichts weiter tun, als jeden Tag auf Gott auszurichten, und nicht auf euch selbst."

In einer der letzten Reihen sitzt ein Mann mit Blindenstock und sagt skeptisch: "Aha!" Wenig später lässt er sich hinter vorgehaltener Hand zu diesem Kommentar hinreißen: "Ich habe nichts über den Glauben erfahren, was ich nicht schon gewusst hätte." Der Mann und seine Begleiterin gehen. Leise. Sie möchten denen, die bleiben, nicht die Hoffnung auf Ames' Wirkung nehmen.

Schwester geht zu Boden

Der 61-Jährige redet zwar wiederholt vom Handauflegen, behauptet aber in keiner Sekunde, heilen zu können. Das könne nur Gott beziehungsweise der Glaube an ihn: "Er weiß genau, wie du gesund werden kannst. Spirituell, körperlich, emotional." Wie das genau funktionieren soll, sagt Ames nicht. Er könne nur den Weg zum Glauben aufzeigen: "Was immer du tust, Gott nimmt es an." Das bedeute aber nicht, dass mit dem Herrn gefeilscht oder gehadert werden dürfe. Denn Gott habe die Menschen nicht für die Hölle erschaffen: "Er lässt uns die Wahl. Wird jemand in die Hölle verdammt, dann nur, weil er sich selbst dorthin verbannt und Gott abgelehnt hat."

Hand auflegen

Danach folgte der von vielen mit Spannung erwartete Schlussakt. Wer wollte, durfte sich Alan Ames so sehr nähern, dass er die Hand auflegen konnte. Eine Ordensschwester war derart ergriffen, dass sie zu schwanken begann, taumelte und sich auf den Boden legte. An diesem Punkt der nicht alltäglichen Geschichte wies Ames' Dolmetscherin höflich, aber bestimmt darauf hin, dass es für die Medien an der Zeit sei, das Gotteshaus zu verlassen. Die Kamera störe die Heilung.

Und die leidende Frau aus dem Landkreis Schwandorf, die ihre Erwartungen so sehr auf den 61-Jährigen konzentriert hatte? Ihr Gatte hofft, dass es ihr nach dem Kastl-Besuch besser geht, glaubt es aber nicht. Kein Arzt konnte ihr bisher helfen. Warum sollte es ausgerechnet ein Mann schaffen, der vor seinem 40. Lebensjahr gewalttätig, spielsüchtig und alkoholabhängig war?
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