In Kastl laufen die Planungen für ein neues, zusätzliches Festspiel
Ganz gewaltiges Stück Arbeit

Schauspielerin Gabrielle Odinis, Harald Meier aus Utzenhofen, Regisseur Thomas Stammberger (von rechts) sowie Bürgermeister Stefan Braun (links im Hintergrund) hatten im Mai den Bürgern ihre Ideen für ein neues Kastler Festspiel vorgestellt. Archivbilder: Steinbacher (2)
Kultur
Kastl
02.09.2016
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Ein Modell der Bühne, wie sie ihm vorschwebt, hatte Thomas Stamminger bereits zum Infoabend vor rund drei Monaten mitgebracht.
 
Die Klosterburg war bislang alle fünf Jahre Schauplatz der Schweppermann-spiele. Diese soll es zwar weiterhin geben, aber sie sollen künftig im Wechsel mit einem neuen Festspiel aufgeführt werden. Bild: Gebhardt

Nein, die Arbeit geht Thomas Stammberger so schnell nicht aus. Im Herbst steht ein neuer Komödienstadel auf dem Programm. Und der will vorbereitet sein. Gespielt wird in Erlangen. Dass Stammberger regelmäßig nach Kastl kommt, hat aber einen anderen Grund.

"Ein Spiel soll nun beginnen, aus Kastls großer Zeit, von edler Rittertreue, aber auch von Zank und Streit" - diese Einleitung hörten bislang alle fünf Jahre die Zuschauer, die zu den Schweppermannspielen auf die Klosterburg kamen. Die Szenen um König Ludwig dem Bayern und seinem braven Feldhauptmann Seyfried Schweppermann wird es auch künftig noch geben, gar keine Frage.

Allerdings soll es im Wechsel mit einem komplett neuen Stück aufgeführt werden. Im Mai hatten Bürgermeister Stefan Braun, Regisseur Thomas Stamminger ("Dahoam is da-hoam") und dessen Ehefrau Gabrielle Odinis, die unter anderem als russisches Dienstmädchen Klara im Oscar-prämierten Film "Nirgendwo in Afrika" mitwirkte, ihre Planungen für ein neues Festspiel vorgestellt. Der Kontakt zum Künstler-Ehepaar war über Harald Meier aus Utzenhofen zustande gekommen.

Finanzbedarf ermitteln


Momentan befasst sich Stammberger, der für Konzeption, Regie und als Autor verantwortlich ist, hauptsächlich mit Zahlen. "Jetzt geht es erst einmal um die Finanzierung", sagt er auf AZ-Anfrage. "Und da sind wir fleißig am Kalkulieren." Noch im September wird der gebürtige Bad Kötztinger, der die Vorabendserie "Dahoam is dahoam" mit aufgebaut hat und beim Bayerischen Fernsehen die Bereiche "Bayerische Serie und Volkstheater" verantwortet, vier Tage lang nach Kastl kommen. Dann soll mit Vertretern der Gemeinde das Zahlenwerk besprochen werden. Schließlich müssen laut Stamminger dann Zuschuss-Anträge gestellt werden. 2018 nämlich soll das Festspiel erstmals aufgeführt werden.

Relativ kostenintensiv


So war eine Kostümbildnerin bereits in Kastl vor Ort, um zu prüfen, was vom bisherigen Bestand an Klamotten übernommen werden kann, was umgeändert werden kann, was neu geschneidert werden muss. "Das ist ein Posten, der auf jeden Fall ins Geld geht." Nicht minder dick ist der finanzielle Brocken für die Lichttechnik. "Da geht es um Ausstattung und Personal." Stammberger hat aber schon eine Lösung parat, um die Kosten nicht exorbitant in die Höhe zu treiben: "Leute vor Ort sollen geschult werden."

Dennoch gibt sich der Regisseur keinen Illusionen hin: "Die technische Seite ist relativ kostenintensiv." Stammberger weiß, was am schwierigsten zu kalkulieren sei: Die durch Eintrittsgelder zu erwartenden Einnahmen. "Puh! Das zu planen ist wirklich schwer", stöhnt er. Auch hinsichtlich der Bühne wird noch getüftelt, "aber sie nimmt langsam Gestalt an. "Wir planen ja auch den einen oder anderen Effekt", blickt Stammberger auf 2018. Mitte September wird deshalb eine Spezialfirma aus dem Schwarzwald nach Kastl kommen, um zu schauen, was hinsichtlich der Bühne auf der Klosterburg machbar sei. Auch ohne ein neues Festspiel für Kastl würde es Stammberger nicht langweilig werden, wahrlich nicht. Im Herbst ist in Erlangen der nächste Komödienstadel. "Da sind wir gerade an den Besetzungen", erklärt er seine Arbeit für den Bayerischen Rundfunk. "Und dann habe ich noch einige andere Sachen", sagt der 48-Jährige und fügt lachend hinzu: "Es reißt nicht ab." Doch für Kastl hat er schon diverse Wochenenden reserviert. "Wenn man das langfristig plant, dann geht das ganz gut", beschreibt er den Spagat, seine verschiedenen Verpflichtungen in München oder im restlichen Bayern unter einen Hut zu bringen.

Workshop kommt bei allen gut an


Regisseur Thomas Stammberger und seine Frau, die Schauspielerin Gabrielle Odinis, sind absolute Profis. Das wurde schon bei der Auftaktveranstaltung für das Kastler Festspiel im Mai deutlich. Sie wollen eines: Das Beste aus den Darstellern rausholen. Und dazu kündigten sie damals schon Workshops an, die den Mitwirkenden helfen sollen, im Stück souverän zu agieren. Der erste davon, aufgeteilt in Kinder beziehungsweise Jugendliche sowie Erwachsene, ging bereits über die Bühne.

Sowohl Stammberger als auch Odinis waren sehr positiv überrascht ob der Resonanz. Anberaumt worden war ein Termin in den Ferien. Und der Regisseur war zunächst skeptisch, ob genügend Interessierte kommen würden. Andererseits: Gerade in den Ferien hätten viele Zeit. "Es waren 65 Leute da", freut er sich. Lachend erzählt er, dass ein paar Bürger eigentlich nur ihre Kinder zum Workshop bringen und zuschauen wollten, dann aber selbst Lust darauf bekamen. "Im ersten Workshop ging es um allgemeine Übungen", erklärt der gebürtige Bad Kötztinger. "Wir müssen ja erst einmal ausloten, wer kann was besonders gut." Überwiegend waren es Kastler, die schon regelmäßig bei den Schweppermannspielen, teilweise Jahrzehnte, mitwirkten. Allerdings waren auch 15 Neulinge mit von der Partie.

"Es war eine richtig gute Stimmung", urteilt der Theater-Experte und lobt die Teilnehmer: "Sie waren sehr diszipliniert, haben gut mitgemacht, Engagement gezeigt." Ihnen bescheinigt er einiges an Talent. "Sie haben sich auf alles eingelassen, ganz toll ist das." Ähnlich sah es seine Frau, die diese Angebot leitet. Besonders freute sich Stammberger über den Besuch des Kastler Bürgermeisters: Stefan Braun wollte eigentlich nur vorbei schauen, "hat dann aber den ganzen Tag mitgemacht".

Weiter geht's im November


Die Workshops für potenzielle Mitwirkende des neuen Kastler Festspiels will das Ehepaar Stammberger/Odinis fortsetzen. Weiter geht es am Samstag, 19. November. Thomas Stammberger schätzt, dass es dann ungefähr 100 Leute sein werden. "Wie es aussieht, müssen wir die Gruppe dann aufteilen." Ab März soll es Doppel-Tage an Wochenenden geben. "Doch jetzt freuen wir uns erst einmal auf den November, wenn es weitergeht", sagt er, auch im Namen seiner Ehefrau.

Ideen im Kopf"Einen Handlungsstrang habe ich schon im Kopf", sagt Regisseur Thomas Stammberger, der auch Autor des neuen Kastler Festspiels sein wird. Verraten will er dessen Inhalt aber noch nicht. "So langsam kristallisiert sich das Stück heraus." Es gebe auch schon erste kleinere Melodien. Als Komponisten und musikalischen Leiter gewann er Florian Burgmayr, der schon für den Komödienstadel tätig war. "Gute Ideen hat man viele im Kopf, aber es stellt sich die Frage, ob man die alle finanzieren kann", schildert der Regisseur ein grundsätzliches Dilemma.

Um eines braucht er sich wohl keine Sorgen zu machen: Um eine ausreichende Anzahl an Darstellern. Denn das Interesse, am neuen Festspiel mitzuwirken, ist groß bei den Kastlern. Thomas Stammberger weiß das sehr zu schätzen: "Mit beispielsweise nur 30 Leuten ein Klosterspiel machen zu wollen, das hätte man gleich vergessen können." (san)
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