Neues Festspiel:
Ein Eremit, ein Novize und noch viel Raum für Ideen

Aus München waren Regisseur Thomas Stammberger (vorne rechts) und seine Frau Gabrielle Odinis (links daneben) angereist, um den Kastlern ihre Ideen für ein neues Festspiel zu präsentieren. Bilder: Steinbacher (2)
Kultur
Kastl
23.05.2016
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Die Kastler Klosterburg war im Hochmittelalter eines der bedeutendsten Klöster im süddeutschen Raum.

Kastl, um das Jahr 1129. Auf der Klosterburg geschehen seltsame Dinge. Der Abt des Klosters holt einen Eremiten, um die kriminellen Machenschaften aufzudecken. Zugleich tritt ein junger Adeliger in den Orden ein. Auch ihm fällt auf, dass hoch über Kastl nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Doch der Eremit und der junge Novize, der ein Liebhaber der Literatur, der Kunst und des Minnesangs ist, kommen sich immer mehr in die Quere ...

Mittelalterlicher Krimi


Aus Thomas Stammberger sprudeln die Ideen nur so heraus, wenngleich er ein düsteres Bild vom Kastler Kloster in seiner Anfangszeit zeichnet. Kein Wunder, denn dem gebürtigen Kötztinger schwebt ein mittelalterlicher Krimi vor, der emotionalisiert. Und auch die letzten zwei Töne des Stücks hat er schon im Kopf: "Klipp-klapp", das Geräusch der Karfreitags-Ratschen. "Und dann hoffe ich, dass 30 Prozent der Zuschauer weinen - vor Glück, und nicht weil's aus ist", sagt er mit einem breiten Grinsen. Doch das Wesentliche, nämlich was zwischen der Idee und dem Ende liegt, das will er mit den Kastlern erarbeiten. Zur ersten Vorstellung von dem, was die Kastler Klosterfestspiele werden sollen, nämlich ein neues Stück und die traditionellen Schweppermannspiele im Wechsel, waren zahlreiche Interessierte am Freitagabend in den Forsthof gekommen.

Und Bürgermeister Stefan Braun betonte sogleich: "Wir wollen ein neues Stück in Kastl, aber die Schweppermannspiele sind damit nicht Geschichte - keine Angst." Das bisherige Festspiel, in dessen Mittelpunkt Feldhauptmann Seyfried Schweppermann steht, gibt es seit 1953. Ab 1998 wurde im fünfjährigen Rhythmus gespielt, zuletzt 2013. In zwei Jahren wäre der Schweppermann erneut dran, doch da soll es jetzt einen mittelalterlichen Krimi geben.

"Wir wollen den fünfjährigen Turnus aufbrechen und ein zweites Stück einführen", erklärt Harald Meier, der zuletzt beim Schweppermann den Schalksnarren verkörperte. Über ihn kam der Kontakt zu Stammberger, der die Vorabendserie "Dahoam is dahoam" mit aufgebaut hat und beim Bayerischen Fernsehen die Bereiche "Bayerische Serie und Volkstheater" verantwortet, und dessen Frau Gabrielle Odinis zustande.

Überzeugt von der Burg


"Du hast uns mit der Burg überzeugt, mit der Geschichte", sagte Stammbergers Frau Gabrielle Odinis zu Meier über ihre Motivation, sich in Kastl künstlerisch zu engagieren. Die Schauspielerin, die unter anderem in "Nirgendwo in Afrika" mitwirkte, und der Regisseur arbeiten sehr viel mit Laien und semi-professionellen Schauspielern. "Wir holen das Beste aus den Menschen raus." Ihr Mann erachtet das Amateurtheater für enorm wichtig. "Wo außer in Hollywood kann man Massenszenen ins-zenieren? Im Amateurtheater!"

Für das neue Projekt gebe es noch kein fertiges Stück, keinen Titel. "Es wird ganz speziell ein Kastler Baby", unterstrich er. Das Stück will er in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ansiedeln, so um das Jahr 1129, also in der romanischen Zeit. "Wir wollen bewusst in eine frühe Phase des Klosters gehen." Für Samstag, 9. Juli, kündigte der Regisseur einen ersten Workshop an. Diesen leitet seine Frau Gabrielle Odinis. Weitere sollen im November und danach im Januar oder Februar 2017 folgen. "Wir wollen gemeinsam mit Ihnen das spezifische Kastler Stück entwickeln", erklärte der gebürtige Kötztinger und sprach von einem offenen Prozess.

Weinen auf Kommando


Als Schauspieler müsse man Text auswendig lernen und auf Kommando weinen können: Das höre sie immer wieder, sagte Gabrielle Odinis. Doch Schauspielerei habe mit viel mehr zu tun. Zum Beispiel mit der Selbstwahrnehmung und der Fähigkeit, miteinander agieren zu können ("viele spielen nur mit sich") und Improvisation sei die Königsdisziplin. Eines versprach sie den Laien, die sie für das neue Stück coachen wird, schon jetzt: "Ihr werdet über euch selbst hinauswachsen." Auch wenn die Handlung noch nicht steht, ein Termin ist so gut wie fix: die Premiere am 21. Juli 2018.

Klosterfestspiele Kastl als DachmarkeSeit etwa einem Jahr befassen sich die Verantwortlichen des Marktes Kastl mit einem neuen Festspiel, das im Wechsel mit dem bisherigen Schweppermannspiel aufgeführt werden soll. Bürgermeister Stefan Braun sprach von viel Arbeit, die schon gelaufen sei, "aber es gibt auch noch viel zu tun". Aus dem Marktgemeinderat heraus habe sich ein Festausschuss gebildet.

Für Konzeption, Regie und als Autor ist Thomas Stamminger verantwortlich, als Co-Regisseurin und Schauspielcoaching ist seine Frau zuständig, die Schauspielerin Gabrielle Odinis. Projektleiter ist Harald Meier, die Regieassistenz übernimmt Cliff Härlin. Als Szenenbildnerin wurde Heike Holder-Niedermeier gewonnen. Sie ist Chef-Szenenbildnerin bei "Dahoam is dahoam". Für das Lichtdesign wurde der international tätige Karlheinz Pauli gewonnen. Die bautechnische Leitung liegt bei Alwin Raab, als Kostümbildnerin engagiert sich Heike Göritzki. Komponist und musikalischer Leiter wird Florian Burgmayr sein, der unter anderem schon einige Stücke für den Komödienstadel komponierte.

Die musikalische Leitung vor Ort soll in den Händen von Johannes Raab liegen, als Chorleiter wird Wolfgang Herdegen fungieren. Die historische Beratung übernehmen Ortsheimatpfleger Hermann Römer und Archäologe Dr. Mathias Hensch. "Es ist aber vieles noch nicht besetzt", betonte Stammberger. Für die dann zwei Stücke im Wechsel wird es als Dachmarke den Namen Klosterfestspiele Kastl geben. "Das ist so wie: Walt Disney präsentiert Cinderella", sagte der in Bad Kötzting geborene Regisseur mit einem Augenzwinkern. (san)
Die Kastler Klosterburg war im Hochmittelalter eines der bedeutendsten Klöster im süddeutschen Raum.Harald Meier
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