Die Kapelle im Dorf lassen

Der Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" sah die Vertreter von vier Orten als lachende Sieger. Landrat Richard Reisinger (Fünfter von links) gratulierte ihnen. Rechts die Kreisfachberater Michaela Basler und Arthur Wiesmet.
Lokales
Kastl
12.10.2014
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Erste Plätze kamen bei den Wettbewerben "Unser Dorf hat Zukunft" und "Unsere dorfgerechte Kapelle" insgesamt nur neun heraus. Trotzdem gebe es praktisch nur Gewinner, fand Landrat Richard Reisinger.

Reisinger betonte am Freitag bei der Abschlussfeier und Preisverteilung im voll besetzten Gasthof Forsthof in Kastl, alle Dörfer und Dorfgemeinschaften hätten sich vorbildlich in die Wettbewerbe eingebracht und mit ihrer Bewerbung das kulturelle Leben ihres Heimatortes bereichert. Die Aktivitäten seien nicht zeitlich befristet gewesen, sondern würden Dörfer oder Kapellen auf Dauer hervorheben. Die Wertigkeit werde dadurch unterstrichen, dass fast alle Landkreiskommunen durch ihre Bürgermeister vertreten seien, ebenso würden sich Landwirtschaftsamt, Bauernverband sowie Obst- und Gartenbauverein in die Wettbewerbe einbringen.

Für den Bezirksentscheid "Unser Dorf hat Zukunft - unser Dorf soll schöner werden" qualifizierten sich 18 Kreissieger, darunter aus dem Landkreis die Orte Atzmannsricht, Haunritz, Königstein und Ursensollen. Atzmannsricht konnte laut Garten-Kreisfachberater Arthur Wiesmet bei der Bewertungskommission mit feschen Moidl und reschen Boum, die sich alle heimatverbunden gaben, Punkte sammeln. Haunritz (Gemeinde Weigendorf) sei stolz auf sein altes Hammerschloss, alte Mühlen oder den Kletterfelsen Alter Fritz. Der romantische Ort zeige bereits fränkische Züge, weil dort die Bratwürste schon kürzer seien.

Königstein sei geprägt durch die ehrenamtliche Arbeit, die in 35 Vereinen geleistet werde, sagte Wiesmet. Vielseitig sei die Wirtshauskultur und reichhaltig das touristische Angebot, einschließlich eines botanischen Lehrpfades mit seltenen Pflanzen. Als Zukunftskommune präsentiere sich Ursensollen mit direktem Autobahnanschluss - damit begehrt als Wohnort und Gewerbestandort. Beispielhaft sei der neue Dorfplatz, ein reges Vereinsleben und auch Künstler seien in Ursensollen willkommen.

Zeichen des Glaubens

Zu den dorfgerechten Kapellen meinte Kreisfachberaterin Michaela Basler, im Landkreis seien Kapellen ein sichtbares Zeichen für den christlichen Glauben. Der Wettbewerb "Unsere dorfgerecht Kapelle" solle ihre Bedeutung im dörflichen Leben würdigen. 30 Kapellen aus 17 Gemeinden seien dafür angemeldet worden. Einen Sonderpreis erhielt die "Grüne Kapelle Ensdorf", die kein Bauwerk, sondern ein Freiraum im Grünen sei, die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft beinhalte und für Mediationen oder Einkehr zur Besinnung genutzt werde.

Von Laster angefahren

Aus den 30 Bewerbungen kürte die Jury fünf gleichrangige Sieger, die Kapellen in Flügelsbuch, Krondorf. Nasnitz, Seulohe und Weickenricht. In Flügelsbuch gab es früher nur einen Bildstock, an dem kirchliche Feiern abgehalten wurden. Um nicht bei Wind und Wetter in Freien stehen zu müssen, hätten sich die Flügelsbucher für einen schlichten Bau im Ortskern entschieden, umgeben von viel Grün und zwei großen Bäumen. Als 1995 ein Lkw den alten Bildstock umfuhr, sei die Kapelle erweitert worden, damit künftig auch der Bildstock mit der Gottesmutter in der Kapelle Platz hat.

In Krondorf steht die Kapelle gegenüber dem Wirtshaus und dem Dorfweiher. Bereits 1871 hatten vier Gemeindemitglieder um die Erlaubnis gebeten, eine Kapelle bauen zu dürfen, um gebrechlichen Einheimischen einen langen Weg zur nächsten Kirche zu ersparen, aber erst 1907 wurde die Kapelle gebaut. Bei der Renovierung 1997 kamen alte Deckengemälde zum Vorschein, die heute im neuen Glanz erstrahlen.

In Privatinitiative entstand die Kapelle in Nasnitz (Stadt Auerbach). Architektonisch außergewöhnlich sei der Baustil mit freischwebendem Dach, aber einer Glocke aus dem Jahr 1747. Modern seien die Fenster, deren buntes Glas bei Sonnenlicht strahlt. Eingebunden sei die Kapelle in den Kapellenweg der Pfarrei Michelfeld, der alle Kapellen im Umkreis miteinander verbinde.

In Seulohe (Gemeinde Ensdorf) stand bereits Mitte des 19. Jahrhundert eine Kapelle, die nach 100 Jahren abgebrochen, neu aufgebaut und in den 90er Jahren dann aufwendig saniert wurde. Schlicht, aber geschmackvoll sei der Innenraum gestaltet, geweiht sei die der Gottesmutter Maria, der Patronin Bayerns.

Kapelle mit Spielplatz

Ein Kapellenbauverein verwirklichte die Kapelle in Weickenricht, die 1998 eingeweiht wurde. Sie steht am Waldrand und ist schon aus großer Entfernung zu sehen. Staudenbeete umrahmen die Kapelle, die nach wie vor vom Kapellenbauverein unterhalten wird. Ein Kinderspielplatz und ein Unterstand lassen die Kapelle in Weickenricht zu einer gern genutzten Begegnungsstätte werden. Alle Kapellen, so Michaela Basler, förderten den Zusammenhalt innerhalb der Dörfer und ihrer Bewohner.

Die "Roum Boum" sorgten mit Tuba und Quetschn für gute Unterhaltung, und bereits vor dem offiziellen Teil hatte der Forsthof-Wirt bewiesen, dass sich seine Rahmschnitzel mit Spätzle im Landkreis nicht verstecken müssen.
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