Ein Blick in Kastels Pfarrchronik zeigt: Missernten gibt es schon länger als den Begriff ...
Frost im Juni und die Seuche im Stall

Zum heiligen Donatus flehten die Kastler bei Nöten in allen Lebenslagen. Helfen konnte er nicht immer. Bild: hwk
Lokales
Kastl
26.08.2015
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Jahrhundertsommer, Missernte, Erderwärmung: Im Jahr 2015 füllt der Sommer selbst das Sommerloch. Vor allem die Landwirte klagen und fürchten sich vor einer Missernte: Neu ist das unkonstante Wetter aber bei weitem nicht. Die Chronik der Pfarrei Kastl liefert eine Fülle von Beispielen. Besonders Pfarrer Augustin Klier hat dokumentiert, wie das Wetter vor allem in den Jahren 1792 bis 1798 verrückt spielte.

1793 war es am Johannistag (21. Juni) so kalt, dass die Kastler einheizen musste, an vielen Orten erfror das Getreide. Im Jahr darauf begann dafür der Frühling viel früher, worauf Massen an Ungeziefer die Bäume und Sträucher kahl fraßen. Schwere Unwetter verwüsteten im Jahr 1795 die Äcker und Wiesen. Am Johannistag war es erneut ungewöhnlich kalt. Die Bauern konnten Heu und Sommergetreide nicht einbringen - trotz zahlreicher Betstunden. In den Jahren darauf notierte der Pfarrer ähnliche Verhältnisse.

Nothelfer in allen Fällen war für die Kastler der heilige Donatus. Der Legende nach betete der römische Soldat einst bei Trockenheit um Regen. Gott schickte darauf nicht nur viel Regen, die Blitze während des Gewitters zerstörten auch das Lager der Gegner. Weil Donatus die Ehe mit der Enkelin des Kaisers ablehnte, wurde er hingerichtet. Sein Gedenktag ist der 30. Juni. In Kastl feiert man ihn am ersten Sonntag im August. Erst vor wenigen Tagen führte der Bittgang in die Donatus-Straße. Dort stand einst eine Kapelle mit einer großen Statue. Sie fiel der Säkularisation zum Opfer. Die Statue steht heute über dem Eingangsportal der Pfarrkirche. Eine Reliquie blieb ebenfalls erhalten.

Als im August 1796 400 französische Soldaten in Kastl einmarschierten, starben nicht nur fast 40 Menschen bei einem kurzen Gemetzel. Die Franzosen brachten auch eine Rinderseuche mit. Täglich räucherten die Bauern die Ställe mit Wacholderreisig aus. Sie hängten geschälte Zwiebeln auf oder verbrannten sie. Den Tieren gaben sie Pulver aus Angelikawurzel und Allandwurz, Wagenschmiere an der Schnauze sollte vor der Seuche schützen. Die Seuche dauerte vier Monate. Zum Ende hin wurde das Vieh auf öffentlichen Weiden sogar geweiht und gesegnet. Zu Ehren des heiligen Wendelins feierte die Bevölkerung ein Hochamt. Mit der Säkularisation musste Augustin Klier Kastl verlassen, seine Aufzeichnungen blieben bis heute erhalten.
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