Fahnentuch vielleicht verfälscht

Seit 1998 bedient Manfred Raps (rechts) die Böllerkanone der Kastler Soldatenkameradschaft. Hierfür übergab Soldatenbunds-Kreisvorsitzender Thomas Semba (Mitte) eine Ehrenurkunde. Links: Vereinsvorsitzender Michael Pühl. Bild: bjp
Lokales
Kastl
23.03.2015
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Auf ihre Fahne ist die Soldaten- und Kriegerkameradschaft Kastl stolz. Doch die Begutachtung des 121 Jahre alten Tuchs durch eine Fahnenstickerei in Schierling ergab unerfreuliche Überraschungen.

"Bei einer Reparatur in den 1950ern wurde offenbar sehr mangelhaft gearbeitet", fasste Vorsitzender Michael Pühl in der Hauptversammlung das Expertenverdikt zusammen. Damit nicht genug: Die Manufaktur mutmaße sogar, dass man damals aus den Eckfeldern historische Symbole entfernt habe, die nach 1945 als nationalistisch oder militaristisch verpönt gewesen seien, wie etwa das Eiserne Kreuz, ein Wappenschild mit den schwarz-weiß-roten Farben des Kaiserreichs oder die Namen bedeutender Schlacht-Orte des Einigungskriegs 1870/71.

"In zahlreichen anderen Soldatenvereins-Urfahnen aus dem späten 19. Jahrhundert finden sich diese Elemente, nicht aber bei uns." Der Vorstand werde nun nach Quellen recherchieren, die über die ursprüngliche Fahnengestalt Auskunft gäben.

Erhebliche Kosten

Sollte sich die Vermutung der Fahnenfabrik bestätigen, werde man beraten, ob bei einer neuerlichen Reparatur die geschichtlichen Reminiszenzen wieder eingefügt werden sollen: "Immerhin würde eine solche große Restaurierung mehr als 5000 Euro kosten." Doch sei auch zu bedenken, dass die Kastler Kameradschaft zu den wenigen gehöre, deren Fahne aus der Vorkriegszeit zumindest im Kern noch erhalten sei: "Viele Banner wurden nach 1945 vernichtet oder von der Besatzungsmacht verschleppt." Kassier Konrad Federsel empfahl, gegebenenfalls die Mitglieder zu befragen. Thomas Semba, Kemnather Kreisvorsitzender des Bayerischen Soldatenbundes (BSB), gab zu verstehen, dass der Verband einen zehnprozentigen Zuschuss zu den Renovierungskosten gewähren könnte.

Kein Widerspruch erhob sich gegen Michael Pühls Anregung eines Festes zum 125. Vereinsgründungstag 2017. Der Vorstand fasst hierbei von vornherein einen "kleineren Rahmen" als bei der Hundertjahrfeier 1992 ins Auge. Einen engeren Kontakt will der Verein künftig mit den Burkhardsreuther Kameraden pflegen. Als neuen Zeugwart bestätigten die Mitglieder Michael Fritsch. Vorsitzender Pühl betonte, dass dieses Amt keine Formsache sei, wie manche glaubten. Vielmehr nehme der Zeugwart vielfältige Aufgaben bei der Sitzungs- und Veranstaltungsvorbereitung sowie der Pflege des Vereinszimmers und -eigentums wahr.

Erfreut nahmen die Versammlungsteilnehmer zur Kenntnis, dass Kreisvorsitzender Semba zum Kandidaten um das Amt des stellvertretenden BSB-Bezirksvorsitzenden nominiert wurde: "Ich sehe darin eine Chance, den Interessen der Nordoberpfalz noch mehr Geltung zu verschaffen." Für langjährige Treue ehrten Michael Pühl und Thomas Semba Josef Schmidt und Josef Zeidler (jeweils 10 Jahre), zweiten Bürgermeister Arno Stahl (25 Jahre) und Georg Heining (40 Jahre). Stahl erhielt zudem das Ehrenkreuz des BSB. Eine Sonderehrung empfing Manfred Raps, der seit 1998 als Kanonier fungiert. Ein Lob sprach Thomas Semba auch Michael Pühl aus, der "ab der ersten Minute als Vorsitzender" mit viel Herzblut die Vereinsarbeit "angeschoben" habe.
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