Förster Michael Bartl erklärt, wie Wildschutzzäune die Folgen von Verbiss deutlich machen - ...
"Der Wald redet mit uns in Zeichensprache"

Hinter dem Zaun reichlich Kiefer, außerhalb fast gar keine. Wie man solche Entwicklungen deutet, erläuterte Beratungsförster Michael Bartl (links) bei einem Waldbegang, der sich mit den Wuchschancen der verschiedenen Baumarten beschäftigte. Bild: hfz
Lokales
Kastl
17.01.2015
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"Außer Buche kommt bei mir gar nichts mehr!" war der Titel eines Waldbegangs, den Michael Bartl, Beratungsförster in Kastl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, anbot. Verschiedenartige Bestände wurden auf ihre Ausgangssituation und die vorhandene "Naturverjüngung" (ein Fachbegriff für sich von selbst einstellenden Baumnachwuchs) untersucht.

Kiefer fehlt fast völlig

Erstaunlicherweise stellte sich die Situation in Wildschutzzäunen wesentlich entspannter dar als außerhalb. Obwohl außerhalb kein nennenswerter offensichtlicher Verbiss festgestellt werden konnte, fehlte die Kiefer dort fast völlig, war aber im Zaun reichlich vorhanden. Ja selbst bei der Fichte, der nachgesagt wird, dass sie dem Wild kaum schmecke, war der Unterschied mehr als augenfällig. Etliche weitere Baumarten fanden sich hinter dem Zaun ein, so dass ein vielfältiger Mischbestand heranwächst.

Außerhalb des Zauns dominierte - je nach Altbestand - entweder die Buche oder die Fichte in der Verjüngung so stark, dass für die Zukunft ein Reinbestand droht. Zwar spielen, so der Fachmann, auch Licht und Humuszustand eine gewisse Rolle, aber der größte Faktor sei, wie der Zaun leider beweise, der Wildverbiss.

Auf die Frage, warum dann kaum Verbiss an den älteren Jungbäumen sichtbar sei, meinte Förster Bartl: "Offensichtlich schmecken Keimlinge den Rehen wesentlich besser als ältere Bäumchen. Wir essen ja auch lieber Fleisch vom Kalb und nicht von einer alten Kuh. Nur wird der Keimlingsverbiss selbst von Fachleuten oft massiv unterschätzt. Erst der Zaun bringt es ans Licht - falls er rechtzeitig gebaut wird." Solche Null-Flächen ("Weiserzäune") könne man aber auch gezielt anlegen. Sie würden sogar über den Bauernverband mit 145 Euro pro Stück gefördert.

Nur die halbe Wahrheit

Besonders ging Bartl auf die Reaktion der verschiedenen Baumarten bei mehr oder weniger Licht ein. So könne der Forstmann durch Auflichten oder Dunkelhalten des Altbestandes gezielt manche Baumarten fördern und andere zurückhalten - vorausgesetzt, sie haben sich überhaupt etablieren können. Auch die Themen Mischungssteuerung durch Pflege, Anreicherung einer Naturverjüngung durch Pflanzung sowie Unkrautbekämpfung ("Wann wird Unkraut überhaupt zum Problem?") sowie die staatlichen Zuschüsse für Naturverjüngung und Pflanzung wurden angerissen. "Der Wald redet mit uns in Zeichensprache; wer genau genug hinschaut, kann ihn verstehen", fasste Förster Michael Bartl zusammen: "Wer nur oberflächlich hinschaut, glaubt, die Buche wachse durch ihre Dominanz im Halbschatten alles tot. Das ist aber nicht einmal die halbe Wahrheit."
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