Großes Interesse an der Führung durch das alte Gebeinhaus - Ein Bau mit einigen einmaligen ...
Denkmal-Tag öffnet verschlossenen Karner

Trotz des Regens lockte der Tag des offenen Denkmals in Kastl etliche Besucher zu einer Führung mit Ortsheimatpfleger Hermann Römer: Der zeigte seinen Begleitern den Karner, das alte Gebeinhaus, das einige bauliche Besonderheiten aufweist.
Lokales
Kastl
16.09.2014
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Normalerweise ist er nicht zugänglich. Doch zum Tag des offenen Denkmals wurde der Karner in Pfaffenhofen am Sonntag aufgesperrt. Das Interesse an der Führung war entsprechend groß. Ortsheimatpfleger Hermann Römer machte dabei auf die Besonderheiten dieses Gebäudes aufmerksam. Der Karner, das Gebeinhaus, war ursprünglich eine Friedhofskapelle. Er wurde Anfang des 13. Jahrhunderts im romanischen Stil erbaut.

Die damalige Pfarrei Pfaffenhofen, die bereits um 1100 erwähnt wurde, reichte von Lauterhofen, Kastl und Ursensollen bis Ammerthal: Alle Bewohner wollten damals auf dem kleinen Friedhof in Pfaffenhofen ihre letzte Ruhestätte finden. So wurden die Gebeine der schon länger Verstorbenen nach zehn Jahren wieder ausgegraben und in zwei seitlichen Lagerstätten im Untergeschoss der Friedhofskapelle aufbewahrt.

In Massengrab

Vor einigen Jahrzehnten fanden dann die Gebeine ihre letzte Ruhestätte beim Kriegerdenkmal in Pfaffenhofen in einem Massengrab. Seitdem ist der Karner verschlossen.

Die Kapelle wurde zweigeschossig gebaut, misst etwa vier mal sechs Meter und hat im Obergeschoss einige romanische Stuckverzierungen. Eine Besonderheit, weil einmalig im süddeutschen Raum, ist das Kreuzgewölbe mit zwei Jochen und dem bemalten Gurtbogen. An der äußeren Vorderseite befindet sich ein Gemälde, das die Huldigung der drei Könige bei der Geburt Jesu darstellt und von einem italienischen Maler gefertigt wurde.

Das Untergeschoss besteht ebenfalls aus einem rechteckigen Raum mit zwei Jochen und einem Gurtbogen, der das Kreuzgewölbe trägt. Der Fußboden ist als Terrazzo aus Bruchziegeln und Kalkmörtel verlegt. Es sind auch verschwommen noch einige Malereien zu erkennen. Dazu gehören die Steinigung es heiligen Stefanus, einige Ritterdarstellungen und Marienbilder.

Allerdings verblassen diese Darstellungen in dem 900 Jahre alten Gebäude, das aus Dolomitquadern erbaut wurde und im Untergeschoss feucht ist, immer mehr. Eine Renovierung der Gemälde 1906 hat nichts gebracht, da die Farben sich nicht mit dem Untergrund verbunden haben und abgefallen sind. Wenn nicht bald etwas geschieht, werden die Gemälde verschwinden - mit dieser Befürchtung waren sich Heimatpfleger Hermann Römer und viele Besucher einig.

Drei Tage aufbewahrt

Eine Besonderheit sind auch die rund 1,5 Meter dicken Mauern: Da die Kapelle früher auch als Totenruhestätte bis zur Beerdigung gedient hat, sollten diese die Wärme vor allem im Sommer abhalten. So konnten die Verstorbenen hier tatsächlich drei Tage aufbewahrt werden.
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