Hundesteuer "ungerecht"

Lokales
Kastl
09.12.2015
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Es gebe keine Belege dafür, "dass die Gefahr, die von einem Hund ausgeht, von der Rasse abhängt", sagt Vanessa Vogl von der Interessengemeinschaft Bayern gegen Rasselisten. Deshalb findet sie die Kastler "Kampfhundesteuer" ungerecht. Die Ambergerin hofft, dass der Gemeinderat seine Meinung dazu ändert.

Nach dem Votum der Kastler Bürgervertreter vom 31. August soll dort ab 1. Januar die Steuer für Listenhunde der Kategorie II auf 500 Euro steigen. "Wir, die IG Bayern gegen Rasselisten, versuchen nun, dies noch zu verhindern", betont Vanessa Vogel, die sich in der bayernweit aktiven IG engagiert.

Dazu hat die Ambergerin eine Unterschriften-Aktion gestartet: Listen, in denen sich Unterstützer eintragen können, liegen noch bis Ende nächster Woche in Amberg in den Geschäften Futterhaus und Fressnapf aus. Die Petition kann auch online unterzeichnet werden (www.change.org/p/markt-kastl-keine-erhöhung-der-steuer-für-listenhunde-auf-500-bzw-720-euro).

Das Ergebnis will Vanessa Vogel am Montag, 21. Dezember, Kastls Bürgermeister Stefan Braun bei einem bereits zugesagten Termin übergeben - in der Hoffnung, dass er und der Gemeinderat das Thema dann noch einmal neu diskutieren.

Brief an die Gemeinde

In einem Brief an die Räte und den Gemeindechef nennt Vanessa Vogel Gründe, warum sie und die IG die "Kampfhundesteuer" ablehnen - auch wenn der Markt diese nach der aktuellen Rechtsprechung erheben könne. Vogel vertritt die Ansicht, "dass es rasseunabhängig gefährliche Hunde-Individuen gibt, was von vielen Faktoren abhängt" - besonders aber vom jeweiligen Mensch-Hunde-Gespann.

Es fehlt an Verantwortung

Bestätigt sieht sich die Aktivistin durch Gutachterin Dr. Dorit Feddersen-Petersen (Universität Kiel). Ihr sei aufgefallen, das 26 Prozent der von ihr untersuchten Hunde-Vorfälle "auf mangelnde Aufsicht, Verantwortung und mangelndes Wissen in Bezug auf Hundeverhalten zurückzuführen" waren und weitere 20 Prozent der Fälle in den vergangenen zehn Jahren "mit extrem tierschutzwidriger Haltung" zu tun hatten.

"Im Übrigen sind laut dem Deutschen Ärzteblatt zudem rund 90 Prozent der Bissverletzungen auf den eigenen oder einen bekannten Hund zurückzuführen", fügt Vogel hinzu. Für die IG sei es unverständlich, dass Politik und Justiz solche Erkenntnisse ignorierten, anstelle in Zusammenarbeit mit Experten "eine sinnvolle Hundeverordnung auszuarbeiten". Angeblich gehe es doch schließlich darum, "Menschen vor gefährlichen Hunden zu schützen" - vielleicht, so merkt Vogel an, wäre es aber besser, Menschen "vor gefährlichen Menschen zu schützen, die Hunde halten". Ihr Kritikpunkt: "Weshalb soll in Kastl ein Bürger, der seinen Kategorie-II-Hund ordnungsgemäß anmeldet und mit diesem einen Wesenstest ablegt, mehr Steuern zahlen, als jemand, der einen nicht gelisteten großen Hund ohne Wesenstest hält, der genauso viel Schaden anrichten kann?"

In ihrem Brief an Räte und Bürgermeister betont die IG-Vertreterin: "Sie bestrafen damit diejenigen, die sich brav an die aktuellen gesetzlichen Vorgaben halten und sorgen damit dafür, dass gelistete Hunde im Tierheim, die ohnehin aufgrund der ganzen Auflagen schon sehr viel schwieriger zu vermitteln sind, wegen der erhöhten Steuer noch weniger Vermittlungschancen haben oder dadurch erst im Tierheim landen."

Steuer überdenken

Im Namen der IG bittet Vogel deshalb darum, "Ihren Schritt, auch für Hunde mit bestandenem Wesenstest eine erhöhte Steuer zu verlangen, nochmal zu überdenken und uns vielleicht auf politischer Ebene dabei zu unterstützen, eine sinnvolle Hundeverordnung durchzusetzen".
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