Josef Häring, den Trachtler-Simmerl, zu Grabe getragen
Das Herz der Lilien schlägt nicht mehr

Josef Häring. Bilder: jp (2)
Lokales
Kastl
07.11.2014
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Das Herz der "Sechs Lilien" hat aufgehört zu schlagen: Vollbluttrachtler Josef Häring, seit Jahrzehnten Mitglied im Verein, ist in der vergangenen Woche von einem Spaziergang mit seinem Hund Willi nicht mehr zurückgekehrt. Auf seinem geliebten Mennersberg erlag er einem Herzversagen.

Am Mittwochnachmittag begleiteten den "Simmerl" Familie, Trachtenfreunde und viele Vertreter von Vereinen und des öffentlichen Lebens zu seiner letzten Ruhestätte. Sepp Häring hinterlässt seine Frau Rosa, fünf Kinder, vier Enkel und einen Urenkel.

Von der Aussegnungshalle bis zum Urnengrab standen sie Spalier für den "Simmerl", wie ihn seine Freunde nannten. Fahnenabordnungen und viele Trachtler-Weggefährten begleiteten Härings Urne auf dem letzten Weg und legten Blumengestecke an seiner Grabstätte nieder.

Ein Solo zum Abschied

Georg Ehbauer, Vorsitzender der Kastler Trachtler, und Willi Sossau, Gebietsvertreter des Oberpfälzer Trachtengaus West, würdigten die Verdienste des Vollbluttrachtlers und Goaßlschnalzers Sepp Häring. Der war bis zuletzt seinem Hobby nachgegangen. Willi Vahle, auch ein Kastler Urgestein, verabschiedete sich vom seinem Freund mit dem Wahlspruch der Trachtler - "Treu der Heimat, treu dem guten, alten Brauch": Der Simmerl, sagte er, habe in den Menschen die Liebe zum Brauchtum neu entzündet. Vom Trachtenkollegen Dominik gab's zum Abschied ein Tubasolo, das Lied vom Kameraden.

Vereine mitbegründet

Der Simmerl erlernte das "Trachtlerhandwerk" als 20-Jähriger, als verschiedene Fachleute in Kastl weilten, weil der Truppenübungsplatz erweitert und abgeholzt wurde. So kamen Sepp Häring und noch einige Kastler Burschen mit dem Münchner Vorplattler Xaver Stuber zusammen, der bei den jungen Burschen und Mädchen die Begeisterung fürs Plattln, Tanzen und Goißlschnalzen weckte. Der Kastler Trachtenverein entstand in den 50er Jahren. Mit tatkräftiger Unterstützung des Simmerl folgten bald darauf die Vereine Sindlbach und Oberwiesenacker, ebenso die Amberger D'Holzhacker und Hoa-matland.

Goißl nach Kastl gebracht

Für die Trachtenvereine in der Oberpfalz war Sepp Häring immer ein hilfsbereiter Ansprechpartner und darüber langjähriger Gebietsvorplattler. Ebenso war er lange Jahre der Vorsitzende der Sechs Lilien Kastl. Einer seiner Herzenswünsche ging Ende der 70er Jahre in Erfüllung - mit der Gründung der Goißl-schnalzergruppen in Kastl und Oberwiesenacker. Sie zeigten den Oberbayern bei Treffen in der Oberlandhalle in Miesbach, dass die Oberpfälzer auch mit der Goißl umgehen können.

Ein weiteres Anliegen war dem Simmerl eine eigene Trachtlerhalle in Kastl. Dieser Wunsch blieb ihm verwehrt. Das Vereinsheim im alten Heiglsaal, in dem tolle Feste gefeiert wurden, hatten die Trachtler aufgeben müssen. Aber die Wiederbelebung einer Jugend-Trachtengruppe gelang ihm vor sechs Jahren. Der Simmerl wurde gleich ihr Betreuer.

In Erinnerung bleiben wird er denen, die ihn kannten, als aufrechter, sicher nicht einfacher Mann, der mit Zähigkeit, aber auch mit einer Portion Schlitzohrigkeit das Trachtlerwesen in der mittleren Oberpfalz aufgebaut und geformt hat. Sein Enkel Patrick hatte es zum 70. Geburtstag von Sepp Häring so ausgedrückt: "Der Simmerl is a Supermann, weil er so prima Tanzen kann. Sieben Plattler an am Stück, bringen dir die Jugend zrück. Das Schnalzen und das Plattln, das Singen und das Schnupfn, das gibt deim Leben an Sinn, da liegt die ganze Freude drin."

Im Frühjahr hätte Häring seinen 85. Geburtstag gefeiert. Doch eine höhere Macht hat nun verfügt, dass er nach einem erfüllten Leben seine Goißl jetzt woanders schwingt.
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