Mundart "in unnan Dorf"

Lokales
Kastl
19.11.2015
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Beim Unterschied zwischen "des" und "dös" nimmt es Christine Rupprecht genau. Sie ist Mundartautorin und macht sich viele Gedanken über die Feinheiten des Oberpfälzer Dialekts.

"Des" stehe meistens mit einem Nomen zusammen wie bei "des Pupperl", während "dös" einen Gedanken aufgreife, den man nicht im selben Satz benenne wie "Dös waa fei niat amal sua dumm", erklärt sie. Während viele Menschen Dialekte als Begrenzung der Sprache empfinden, schöpft Christine Rupprecht aus dem Vollen. "Mit der Mundart lassen sich viel mehr Facetten von Gefühlen ausdrücken", schwärmt die 48-jährige Mutter. Und man verwende viel mehr Worte und interessante zeitliche Verschiebungen wie in der Satzkonstruktion "An Schnej houts nuamal aweng wegtaut g'habt".

Damit zitiert sie schon aus einer ihrer Erzählungen "Als da Niklas modern saa wollt". Fast alle ihre Geschichten und Gedichte drehen sich um die "staade Zeit". "Im Advent habe ich ein besonders friedliches Gefühl", sagt die Erzieherin, die mit ihrer Familie in Kastl lebt. Aus der Weihnachtszeit ziehe sie die Ideen für ihre Geschichten, etwa übers Plätzchenbacken und Lebkuchenverkauf im September, "und alles, was mir an der Gesellschaft auffällt".

In ihrem Job hat sie vor 20 Jahren ihr Erzähltalent entdeckt. Seit sie ihren Kindergartenkindern zum ersten Mal eine spontan selbst erfundene Geschichte erzählte, wollten sie nichts anderes mehr hören. Mittlerweile ist sie ein beliebter Gast bei Vereinsfeiern und hegt nun auch größere Ambitionen: "Ich würde gerne ein Buch veröffentlichen."

Muse küsst im Auto

Ein bis zwei Geschichten pro Jahr schaffe sie, doch über Jahrzehnte hinweg hat sich eine ordentliche Summe angehäuft. Etwa zwei Stunden brauche sie für eine Kurzgeschichte. "Wenn ich einen Gedanken habe, muss ich sofort loslegen." Meist kommen ihr die Ideen in der Badewanne oder beim Autofahren. "Wenn ich Zeit habe, halte ich sofort an und schreibe alles auf."

Die gebürtige Schönbrunnerin schreibt im "Sechsämterdialekt", der vorrangig im Landkreis Wunsiedel gesprochen wird. Doch zu Kastl unterscheide sich ihr Heimatdialekt nur minimal. Einer der Gründe für ihre Sprachwahl sei auch, den Dialekt zu bewahren. Dass den Sechsämterdialekt in einer globalisierten Welt mit gesteigerter Zuwanderung nur ein kleiner Teil der Menschen versteht, stört sie nicht. "Klar macht es der Dialekt für Fremde schwierig, aber selbst die kommen früher oder später dazu, wenn sie hier leben."

Derbe Nordbayern

Sie gibt jedoch zu: "Unser Dialekt klingt schon sehr derb für andere." Offenbar ist vor allem das Nordbayerische schwer zu verstehen. Bei ihrer Ausbildung in Hof, in der Menschen aus ganz Bayern teilnahmen, wurde ihr das bestätigt. "Wenn wir Wunsiedler, Tirschenreuther und Waldsassener zusammen standen, hat keiner was verstanden." Dass auch eher sachliche Themen kompatibel sind mit der Mundart, beweist die Autorin auch. Wir legen ihr das Grundgesetz vor und sie übersetzt spontan den ersten Artikel: "As Sein der Leit mua ma schützn."
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