Verregneter Auftritt des Familien-Sextetts im Innenhof der Kastler Burg
Bajuwarika a la Geschwister Well

Die Well-Geschwister beherrschen sämtliche für Bayern typische Instrumente, auch Alphörner, und sind gesanglich ebenso eine Schau. Bild: jp
Lokales
Kastl
02.07.2013
0
0
Sie sind ein wahrer Ohrenschmaus und auch noch eine Augenweide dazu - die temperamentvollen sechs Geschwister Well. Als musikalisch-kabarettistisches Bühnenensemble gingen sie aus den einstigen "Wellküren" (weibliche Seite) und der früheren Biermösl Blosn (männliche Seite) hervor. Der zumindest regional nicht minder bekannte Booder Albert und seine Frau Lisa, gut befreundet mit den Wells, hatten es geschafft, die Truppe für einen Auftritt im Innenhof der Kastler Klosterburg zu gewinnen.

Bürgermeister Stefan Braun und die rund 400 Besucher dieses Abends dankten das dem Kastler Booder aufrichtig und zeigten sich begeistert, was die Burgl, Bärbl, Moni, der Stofferl, Michael und der Karli so alles auf der Bühne drauf haben. Das fing bei den Instrumenten an. Von der Trompete bis zur Tuba, von der Zither, dem Hackbrett bis zur Harfe, vom Brummtopf zum Saxofon bis hin zur Quetschn und dem Dudelsack fehlten auch Alphörner nicht.

Sets gut informiert

Gesanglich zeigt sich das Familien-Sextett ebenso stark, ob bei Soli oder mehrstimmigen Stücken, passend garniert jeweils in der Mimik und dem Gestus. Und schon ging es rein ins Programm, nach Kastl eben. Über Sauheim, Kotzheim und Saugraben: "Mei liabea, wo komma ebba da hin, bis ma in Kastl san?" Die Wells beherrschen das Lokalkolorit und geben sich auf der Bühne stets gut informier. Angesichts des Ammerthaler Wasserstreits sahen sie einen Einsatz der UN-Schutztruppen heraufziehen, den Wolfsfeldern prophezeiten sie, wohl bald auszusterben, weil der Klapperstorch bei ihnen droht unter die Windräder zu kommen. Dann gebe es wohl bald mehr Windräder als Wolfsfelder. Auch so etwas könnte beim Kastler Booder durchaus in Erfahrung zu bringen sein, weil der Neuigkeiten sowieso viel schneller verbreitet, als es in der Zeitung steht.
Neben solchen Bonmots und einigen Familieninterna (noch immer scheint nicht geklärt zu sein, wer denn eigentlich dem Stofferl einst mit dem Schürhaken im Streit die Nase blutig geschlagen hat und ob er es war, der seine nur wenig ältere Schwester in die Odelgrube gestoßen hat) bot das Sextett eine musikalische Weltreise. Von Österreich nach China und zurück nach Schottland. Der eigentlichen Heimat der Wells. Schließlich komme "well" (frei übersetzt: passt scho') dort in fast jedem zweiten Satz vor. Kaum gesagt, kaum gelacht, schüttete es gewaltig in diesen Auftritt hinein, so dass er für eine halbe Stunde abgebrochen werden musste, bevor es mit Sketchen wie "Mir tut mei Zeh so weh", der Milchpreis-Parodie "40 Cent", dem einen oder anderen Bergjodler oder gar einer amüsanten "We will rock you"- Verballhornung weiter gehen konnte.

Rote Rose für Lisa

Jedenfalls wurde wie der Teufel gesungen, musiziert, gereimt, gedichtet, geplattelt, gestritten und natürlich auch wieder versöhnt mit einer ganz speziellen Version der Kleinen Nachtmusik etwa. Für die Booder Lisa gab es von den Wells jedenfalls eine rote Rose und für das Publikum einen verbalen Tapferkeitsorden dafür, dass es angesichts des Regengusses durchgehalten hatte.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2013 (11192)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.