Vitalitätscheck für Gemeinden: Diskussion über Rezepte für den demografischen Wandel
Puls der Ortskerne messen

SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl (von links), Bürgermeister Winfried Franz (Neukirchen), Huberta Bock vom Amt für ländliche Entwicklung Oberpfalz, Professor Manfred Miosga (Universität Bayreuth) und Bürgermeister Hans Durst (Hirschbach) diskutieren über den demografischen Wandel. Bild: paa
Lokales
Kastl
28.09.2015
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Damit eines Tages die Lichter in Hirschbach nicht für immer ausgehen, schaltet die Gemeinde (Kreis Amberg-Sulzbach) Nacht für Nacht zwischen 0.30 und 4.30 Uhr die Straßenbeleuchtung ab. Das spart zwischen 7000 und 10 000 Euro jährlich, sagt Bürgermeister Hans Durst. Das Terrassenfreibad wird längst von Ehrenamtlichen am Leben gehalten, und nach den Spielplätzen sehen die Eltern. Andererseits ging im Ortsteil Eschenfelden erst vor wenigen Tagen ein Blockheizkraftwerk in Betrieb, das 60 Haushalte mit Wärme versorgt. Dies soll Älteren das Leben erleichtern und so dazu beitragen, dass sie länger im Ort bleiben können.

Mit diesen Beispielen zeigte Durst am Freitagabend bei der Regionalkonferenz zum Thema "Vitale Ortskerne erhalten die Lebensqualität im ländlichen Raum" der SPD-Landtagsfraktion in Kastl (Kreis Amberg-Sulzbach) wie seine Gemeinde mit den schwindenden Einwohnerzahlen umgeht. Ohne das Engagement der Bürger, so machte er deutlich, sehe es deutlich schlechter aus in seiner Gemeinde mit 17 Ortsteilen und 1350 Einwohnern. Jahr für Jahr verliert Hirschbach zwischen 15 und 20 Bürger. Die Folge: Immer wieder müssen die Gebühren für Wasser und Abwasser erhöht werden, weil immer weniger Nutzer angeschlossen sind. Ein Problem, das viele Gemeinden belastet. Durst fordert deshalb einen Ausbau der staatliche Unterstützung, so wie beim Breitbandausbau.

Die wachsende Zahl von leerstehenden Häusern ist vielen Bürgermeistern bewusst. Trotzdem warb Huberta Bock vom Amt für ländliche Entwicklung Oberpfalz in Tirschenreuth für einen Vitalitätscheck, wie ihn die Gemeinden der Steinwaldallianz durchgeführt haben. Diese Analyse zeige, wo künftig Leerstände zu befürchten sind, weise aber auch auf Entwicklungschancen hin. "Jeder Bürgermeister habe gesagt: ,Oh das ist neu, das habe ich nicht gewusst'", sagt Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth.

Bock warb für ein gemeindeübergreifendes Flächenmanagement. "Wenn nur eine Gemeinde entscheidet, keine neuen Baugebiete mehr auszuweisen, reicht es nicht." Sie verweist auf das Beispiel der Gemeinde-Allianz "Hofheimer Land" in Unterfranken. Diese hätte sich entschlossen, keine Baugebiete auszuweisen. Statt dessen fördern sie die Ansiedlung in den Leerständen.

Nicht nur Durst, sondern auch Winfried Franz, Bürgermeister von Neukirchen, beklagte, dass viele dies noch immer nicht verstanden hätten. Nach wie vor gebe es Forderungen, Baugebiete auszuweisen.
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