Wirtsfamilien-Chronik ohne Lücken

Der Kastler Forsthof um 1800. Bis zum aktuellen Hotelbetrieb hat sich sichtlich einiges getan. Repro: jp
Lokales
Kastl
07.10.2015
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Das einst klösterliche Kastler Forsthaus im Lauterachtal ist seit 150 Jahren im Besitz der Familie Ruder. Das heutige Unternehmen Ruder-Reindl will dazu vom Freitag, 9., bis Montag, 12. Oktober, unter anderem die Geschichte des Forsthofs mit einer Ausstellung übers Wirtshaus und die Brauerei erzählen. Die Redaktion greift schon mal vor.

Ortsheimatpfleger Hermann Römer blätterte für die AZ in der Chronik und fand reichen geschichtlichen Hintergrund zum Forsthof, der vom Forsthaus abgeleitet wurde.

Die Historie belegt, dass es einst der klösterliche Forstmann war, der das Kloster Kastl betreute. Durch die Auflösung des Klosters im Jahr 1563 wurde dem Conventual (Verwalter), Kaspar Euverstätter die Wohnung des Forsthauses zugewiesen. In den Jahren 1636 bis 1644 forderten die Jesuiten in Amberg den Besitz des Forsthauses zurück und zogen diesen zum Teil ein. Die Jesuiten hatten nämlich das Kloster Kastl nach der Gegenreformation übernommen. Neuer Besitzer wurde in diesen Jahren Ulrich Zächmayrder, der damals kurfürstlicher Förster zu Deinschwang war. Dann verschwindet das Forsthaus für fast eineinhalb Jahrhundert im Dunkel der Geschichte. Erst wieder um 1800 scheint ein gewisser Georg Josef Raab Besitzer des Anwesens gewesen zu sein, das Franz Kreis am 23. Juni 1813 durch Heirat der Witwe von Josef Raab erwarb. Damals wird dieses Forsthaus mit dem neuen Namen Forsthof als Taverne, Wirtshaus, und Schenke mit Braurecht und Metzgergerechtigkeit beschrieben.

Haus mit Scheune und Stall

Das Anwesen umfasste im Jahr 1829 noch ein Wohnhaus mit Scheune und Stallung, eine Streuhütte und einen Backofen. In den folgenden Jahren wurde der ursprünglich riesige Hof in Teilflächen zerlegt und verkauft. Wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, kaufte den Restbesitz am 22. April 1865 Andreas Ruder für 9000 Gulden. Damit tritt zum ersten Mal der Name Ruder im Zusammenhang mit dem Forsthof auf. Der Familienname Ruder lässt sich bis ins Jahr 1630 nach Rolhofen zurückverfolgen, wo die Familie als Schafbauern und Wirte beschrieben wurden.

Neuer Schwung

Andreas Ruder hatte Walburga Gimpl aus Oberölsbach geheiratet und besaß ursprünglich eine Taverne in Traunfeld. Diesen Besitz verkaufte er und erwarb dafür den Forsthof in Kastl. Mit Ruder kam neuer Schwung in die Gaststätte. So hat der Wirt das damalige Braurecht wieder wahrgenommen und im örtlichen Kommunalbrauhaus für den Gasthof ein eigenes Bier gebraut. Andreas Ruder gab das Anwesen im Jahr 1881 an seinen Sohn Franz Xaver weiter, der die Bierbrauerstochter Kunigunde Gehr aus Lauterhofen heiratete.

Er errichtete 1896 zum Gasthof eine bis zum Bahnhof reichende Schießhalle mit einem Schießstand von 300 Metern, auf dem mit scharfer Munition geschossen wurde. Das wiederum wurde beim Bau der Eisenbahn zu gefährlich, also musste die Schießhalle in den Jahren 1901/02 wieder abgebrochen werden.
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