Aktivkohlefilter erneut Thema im Kastler Gemeinderat
Wasser weckt Emotionen

Die neue Aktivkohlefilteranlage der Kastler Wasserversorgung, noch eingepackt. Bei einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 3. Juli, wird sie der Bevölkerung vorgestellt. Demnächst werden die über vier Meter hohen Behälter mit Kohle befüllt, damit die Einrichtung in Betrieb gehen kann. Bild: jp
Politik
Kastl
09.06.2016
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Die Wasserversorgung in Kastl sowie Reusch-Aicha-FlügelsbuchDen Jahresbericht zur Wasserversorgung Kastl und Reusch-Aicha-Flügelsbuch präsentierte dem Marktgemeinderat Wassermeister Elmar Halk von der Pettenhofener Gruppe, mit der Kastl eine Kooperation hat. Er erläuterte die wichtigsten Daten, Baumaßnahmen und weitere geplante Vorhaben.

Die Leitungslänge in Kastl beträgt 23,3 Kilometer, die in Reusch knapp 6 Kilometer. In Kastl gibt es 465 Hausanschlüsse, die 1238 Einwohner versorgen, in Reusch sind es 20 Anschlüsse für 73 Einwohner. Für beide Orte existiert ein Brunnen, aus dem bis zu 100 000 Kubikmeter Wasser gefördert werden können. Die höchste Abgabe an einem Tag waren im vergangenen, heißen Sommer fast 500, in Reusch um die 40 Kubikmeter. Die Wassergewinnung liegt laut Halk derzeit bei 67 700, davon für Reusch 10 500 Kubikmeter.

Der Wasserverlust habe sich bei rund fünf Prozent eingependelt. Die Wasserschutzgebiete in der Kooperation kontrollieren Halk und sein Mitarbeiter Josef Donhauser regelmäßig. Die Parameter gemäß der Eigenüberwachungs- und Trinkwasserversorgung lägen alle unterhalb des gesetzlichen Rahmens, informierte Halk - ausgenommen die Atrazin-/ Desethylatrazinwerte. Diese würden nach Inbetriebnahme der neuen Aktivkohlefilteranlage aber ebenfalls bestens sein, versicherte Halk. Auch beim Nitrat bewege man sich am untersten Level.

Arbeit habe man in der Wasserversorgung Kastl-Reusch genügend gehabt. Rund ein Viertel der Dienststunden seien auf dieses Gebiet entfallen, bilanzierte Halk. (jp)

Die Aktivkohlefilteranlage in Kastl dient nicht dazu, dass die Landwirte mehr Glyphosat verspritzen können. Entsprechende Befürchtungen wurden im Gemeinderat laut - in einer emotionalen Debatte.

In der Sitzung, der diesmal besonders viele Zuhörer - vor allem aus der Gegend von Reusch-Flügelsbuch - mitverfolgten, fragte Marktrat Cliff Rüdinger-Härlin (Grüne) nach: Filtert die neue Anlage auch das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat heraus? Wassermeister Elmar Halk entgegnete, dass derzeit das Trinkwasser auf über 100 Pflanzenschutz-Parameter überprüft werde. Die Aktivkohlefilteranlage hole Schadstoffe aus dem Wasser.

Zugelassenes Spritzmittel


Der Grünen-Vertreter hakte nach: Könnten die Kosten für die Anlage nicht den Verantwortlichen auferlegt werden? Er verwies auf das Verursacherprinzip. Danach müsste man nicht den Bürger mit den Kosten belasten. Dazu merkte Bürgermeister Stefan Braun an, dass das Spritzmittels Atrazin in der Vergangenheit zugelassen worden und seine Verwendung damit rechtens gewesen sei. Erst später habe man die negativen Auswirkungen auf die Wasserversorgungen im Jura bemerkt - und müsse wegen erhöhter Atrazin-Werte im Wasser jetzt entsprechend handeln. Grünen-Rätin Ursi Schöberlein legte trotzdem nach: Sie wünschte sich, dass alle Landwirte auf Bio-Betrieb umstellen sollten. Nicht, dass die neue Filteranlage am Ende dazu verleite, unkontrolliert erhebliche Mengen Glyphosat in der Landschaft zu verspritzen.

Bauern verantwortungsvoll


Diese Befürchtung rief den Fraktionssprecher der CSU, Roland Bösl, auf den Plan. Er betonte, dass die Landwirte sehr wohl mit den teueren Pflanzenschutzmitteln verantwortungsvoll umgehen - nach dem Prinzip der guten fachlichen Praxis. Der sogenannte Sachkundenachweis und regelmäßige Kontrollen durch die Landwirtschaftsverwaltung sorgten für einen ordnungsgemäßen Umgang mit den Pflanzenschutzmitteln. Verstöße würden empfindlich geahndet. Belastete Lebensmittel finde man vor allem bei Importen aus dem Ausland.

Stefan Braun beendete die Diskussion mit dem Hinweis, er gehe davon aus, dass die Landwirte "bei uns" vernünftig mit Pflanzenschutzmitteln umgehen. Er teilte mit, dass am Sonntag, 3. Juli, bei einem Tag der offenen Tür die Aktivkohlefilteranlage im Hainthal vorgestellt werde. Die Behälter mit der Aktivkohle würden demnächst befüllt und gingen dann in Betrieb.

Der Bau der Aktivkohlefilteranlage im Hainthal, die Arbeiten in der Ortsdurchfahrt von Reusch und die Erneuerung der alten Hausanschlüsse in der Kastler Siedlung waren nach den Worten von Wassermeister Elmar Halk eine Herausforderung. In Reusch seien neben der alten, 130 Meter langen Rohrleitung gleichzeitig auch uralte Hausanschlüsse, deren Schieber defekt waren, erneuert worden.

Die Zusammenarbeit zwischen Wasserversorgung und den Leuten, die Kabel und Stromleitungen verlegten, sei hervorragend gewesen, lobte Halk. Bürgermeister Stefan Braun merkte an, dass durch die zeitgleiche Verlegung von Wasserleitung, Breitbandkabel und Stromversorgung in Reusch die Kosten um mindestens 60 Prozent niedriger gewesen seien als bei mehrmaligem Aufgraben.
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