Alois Karl setzt sich als CSU-Direktkandidat für die Bundestagswahl gegen Barbara Lanzinger durch
Weiter fest im Sattel

Nach der Wahl gab es vom CSU-Bezirksvorsitzenden Albert Füracker (Mitte) Blumen und Applaus für beide Kandidaten. Auch beim Sieger Alois Karl (rechts) musste sich die Anspannung da erst noch lösen. Bild: Hartl
Politik
Kastl
18.11.2016
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Bei der Leerung der Urnen legte Staatssekretär Albert Füracker (rechts) selbst mit Hand an. Bild: Hartl
 
OB Michael Cerny schlug Barbara Lanzinger als Direktkandidatin vor. Bild: Hartl

82 von 160 Delegierten für den CSU-Kreisverband Neumarkt sind eine Mehrheit, auf der man sich nicht ausruhen kann. Das weiß Alois Karl. "Die Wahrheit liegt in der Urne", sagte er mehrfach. Und es waren nicht nur Neumarkter Stimmen, die sich dort für Karl fanden.

92 Delegierte votierten bei der Abstimmung über den Direktkandidaten der CSU für den Bundestagswahlkreis 232 Amberg/Neumarkt am Donnerstagabend in Kastl für den gegenwärtigen Inhaber des Direktmandats. Seine Gegenkandidatin Barbara Lanzinger erhielt 67 Stimmen und damit 11 weniger als die Kreisverbände Amberg (19) und Amberg-Sulzbach (59) zusammen an Wahlmännern und -frauen stellten.

Die Wahl sei fair und eindeutig gewesen, kommentierte sie das Ergebnis nur wenige Minuten nach der Abstimmung. "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass ein Teil der Delegierten aus Amberg-Sulzbach mich nicht wollte", aber damit sei das Thema für sie auch erledigt. Auf ihren vorher verkündeten Verzicht auf eine erneute Listenkandidatur angesprochen, meinte die 61-jährige Bundestagsabgeordnete, sie bereue diese Äußerung nicht, auch wenn jetzt viele Parteifreunde ihr sagten: "Mensch, Barbara, wir brauchen dich doch." Sie wolle übers Wochenende über dieses Thema nachdenken und werde sich kommende Woche dazu äußern.

Alois Karl (65) freute sich in einer ersten Stellungnahme, dass er auch in Amberg und/oder Amberg-Sulzbach Unterstützer gefunden hatte. Das spiegle sicher auch wider, was er für diesen Teil des Wahlkreises erreicht habe. Er versicherte, aber auch weiterhin keinen Unterschied zwischen den einzelnen Regionen seines Zuständigkeitsbereichs zu machen. "In den letzten Wochen sind keine Verletzungen entstanden, die nicht reparabel wären", bemerkte er zu seinem persönlichen Verhältnis zu Barbara Lanzinger. Insofern gebe es da nichts Grundlegendes aufzuarbeiten.

"Ich werde kein schlechtes Wort über Barbara Lanzinger verlieren", hatte Karl schon zu Beginn seiner Bewerbungsrede gesagt. Bis er damit beginnen durfte, musste er sich allerdings - außerhalb des Saales im Gasthof Forsthof - gedulden. Denn der CSU-Bezirksvorsitzende Albert Füracker als Leiter des Wahlausschusses hatte per Münzwurf das erste Rederecht an Barbara Lanzinger vergeben. Und der jeweilige Gegenkandidat sollte bei der Vorstellung seines Kontrahenten den Raum verlassen.

Auch Lanzinger konzentrierte sich dabei auf ihre eigenen Ziele, Fähigkeiten und Leistungen. Sie zeichnete das Bild einer Frau, die Menschen mit Sorgen ernst nimmt und zugleich einen guten Draht zu maßgeblichen Entscheidern auf allen politischen Ebenen hat. Alois Karls Vorstellung zeigte einen Mann, der sich im Wahlkreis um viele Probleme direkt vor Ort kümmert und zugleich in Berlin "an der Neujustierung Europas" mitwirkt. Er sehe keinen Grund, warum man jetzt "die Pferde wechseln soll". Die Mehrheit der Delegierten teilte offenbar diese Ansicht.


Wörtliches

Aus den Bewerbungsreden der beiden Kontrahenten:

Barbara Lanzinger

"Ich bin seit 36 Jahren mit Leib und Seele Politikerin. Ich bin nicht immer bequem, meine direkte Art mögen viele, manche nicht. Ich habe, ja, schon Ecken und Kanten, aber schon Strauß hat gesagt: 'Everybody's darling ist everybody's Depp.'

"Das alles kenne ich sehr gut aus eigener Erfahrung im mittelständischen Büro meines Mannes. Ich weiß, wie ein Lohn- und Gehaltszettel eines normalen Angestellten aussieht."

"Wir brauchen eine dauerhafte, effektive Begrenzung des Zustroms von Flüchtlingen, ohne an Menschlichkeit zu verlieren. Und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um dem politisch radikalen Islam die Wurzel zu ziehen."


"Ich bin eine Kämpferin für die Menschen und für die CSU."

"Alloans bist a Depp, hat meine Oma immer gsagt."

Alois Karl

"Stadt Schnaittenbach natürlich ... hoffentlich habe ich mir da jetzt nichts verscherzt."

Ein selbstironischer Alois Karl, nachdem ihm das falsche "Marktgemeinde Schnaittenbach" entschlüpft war

"Die Trautmannshofener Kirchweih habe ich zu deutschlandweiter Beachtung geführt."

Auch hier ein Augenzwinkern: Karl war dort 2009 in die Schlagzeilen geraten, als er eine Bäuerin ohrfeigte, die ihn mit Milch übergossen hatte

"Eine freundschaftliche Zuordnung zum kommenden Bundespräsidenten ist ja sicher auch nichts Schlechtes."

Karl ist im Haushaltsausschuss für den Etat von Noch-Außenminister Frank-Walter Steinmeier zuständig, mit dem er deshalb häufiger zusammenkam

"Für eine Ablösung gibt es keine guten Gründe, meine ich." (ll)

Zitate


"Ich hätte mir einen eigenen Bundespräsidenten-Kandidaten für die Union gewünscht."

Barbara Lanzinger in ihren einführenden Worten, die sie als Vorsitzende der Bundeswahlkreiskonferenz sprach

"Alois Karl ist ein ehrgeiziger Mann, ein fitter Mann, ein Bergsteiger ... ein engagierter Politiker, der nichts von seiner Leidenschaft verloren hat."

Der Neumarkter Landrat Willibald Gailler in seiner kurzen Laudatio, als er Karl als Direktkandidaten vorschlug

"Er hat auch das Bundesschafkopffinale eingeführt, das ich schon mal gewinnen konnte."

Gailler setzte auch auf das Stilmittel des Humors.

"Barbara Lanzinger kann gerade diejenigen abholen, die uns am rechten Rand an die AfD verlorenzugehen drohen - durch ihre Art, auf die Menschen zuzugehen."

"Sie hat nicht nur hohe soziale Kompetenz, sondern kann auch richtig hantig werden, wenn es gegen den politischen Gegner geht."

OB Michael Cerny schlug Barbara Lanzinger als Kandidatin vor und pries ihre Fähigkeiten

Keine einzige Blutgrätsche


Angemerkt von Markus Müller
Barbara Lanzinger hätte es sich einfach machen können mit dem Gedankengang: Die Neumarkter haben 82 Delegierte, Amberg und Amberg-Sulzbach zusammen nur 78, und bloß weil sie aus meiner Heimatregion sind, müssen sie nicht automatisch für mich stimmen. Aber sie hat sich von dieser Überlegung nicht entmutigen lassen, sondern ging lieber davon aus, dass sie auf Alois Karl genauso zutreffen kann. Also hat sie um das Direktmandat gekämpft. Ob es klug war, sich den erneuten Weg nach Berlin über die Liste selbst zu verbauen, sei einmal dahingestellt. Aber es hat gezeigt, wie ernst sie es mit der Kandidatur meinte.
Auf welche Stimmen aus Neumarkt sie hoffte, lässt ihre Begrüßungsrede als Bundeswahlkreis-Vorsitzende erahnen: Sie hob die weiblichen Mandatsträger besonders hervor. Explizite Kritik an Alois Karl kam ihr aber nicht über die Lippen. Es ging nicht weiter als bis zum Satz, dass sie sich für die Menschen Zeit nehme, was man als Spitze gegen Karl verstehen konnte, dem man gelegentlich nachsagt, seine Termine im Wahlkreis unter zu hohem Zeitdruck zu absolvieren. Barbara Lanzinger wollte um ihrer selbst willen gewählt werden, auch wenn sie wusste, dass man sich in ihren politischen Ämtern nicht nur Freunde macht. Mit dieser Methode hat sie verloren. Im Sport würde man sagen, eine ehrenvolle Niederlage ist besser als ein schmutziger Sieg mit lauter Blutgrätschen. Kann man sich in der Politik eine solche Sichtweise auch leisten?
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