Ausstellung in Klosterkirche Kastl
Stifterknochen in Atlasseide

Vermischtes
Kastl
11.03.2016
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Präsentieren oder nicht? Wenn ja, in welcher Form? Auf diese Fragen mussten Antworten gefunden werden. Das Ergebnis ist jetzt im Paradies der Klosterkirche Kastl zu sehen. Die sogenannten Stifterknochen werden in einem barocken Schrank ausgestellt - allerdings in Atlasseide gehüllt und damit weniger prunkvoll als Reliquien.

Als Stifter der Klosterkirche in Kastl gelten Graf Berengar I. von Sulzbach, Friedrich von Kastl und dessen Sohn Otto von Habsberg. Im 14. Jahrhundert wurden die Adeligen in dem Gotteshaus verewigt, in Form von Sandsteinreliefs im Kirchenschiff. Bis 1966 befanden sie sich - ebenso wie die Mumie von Prinzessin Anna, Tochter von Ludwig dem Bayern, die 1319 im Alter von circa 18 Monaten in Kastl verstarb - im Kirchenschiff, dann im Paradies. So wird der Nebenraum des Gotteshauses genannt.

In saniertem Schrank


Die dort herrschenden klimatischen Bedingungen setzten der Mumie des Königskindes arg zu, so dass Maßnahmen zur besseren Konservierung des Leichnams unumgänglich waren. Die Mumie ruht in einem sanierten Schrank aus dem 18. Jahrhundert. Ein weiterer wurde ebenfalls restauriert, er steht genau gegenüber dem Möbelsstück mit der Mumie. Darin werden jetzt die Stifterknochen präsentiert. Zuvor waren die Überreste der Kirchenstifter nicht öffentlich zugänglich. Sie waren verschlossen, wurden lediglich bei Führungen gezeigt, sofern jemand Interesse hatte, sie zu sehen.

Ob die Knochen gezeigt werden sollten, so wie sie sind oder ob sie verhüllt ausgestellt werden sollten: Darüber wurde laut Bürgermeister Stefan Braun lange diskutiert. Mit dem Ergebnis: Sie sind zu sehen, allerdings in Atlasseide eingenäht. "Das ist auf jeden Fall pietätvoll", findet der Rathaus-Chef.

Fachmann für Reliquien


Andreas Kneißl von der Kirchenverwaltung stimmt ihm zu. Von Dr. Emanuel Braun, Chef-Konservator der Diözese Eichstätt, hatte er den Tipp bekommen, dass es am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege einen Fachmann gibt: Reinhard Zehentner beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Reliquienfassungen. Er empfahl den Kastlern, die Gebeine in Seide zu hüllen. "Für manche ist das befremdlich", sagt Kneißl. Andere wiederum fänden, "man legt Knochen nicht so nackig hin".

Mit Unterstützung von Schwester Theresia von der Congregatio Jesu verpackte Zehentner, der in Mühldorf am Inn lebt, die Stifterknochen in Atlasseide. Aufbewahrt werden die Gebeine der Grafen weniger prunkvoll als Reliquien, laut Kneißl wurde beispielsweise auf rotes Tuch, worauf sie gebettet werden könnten, und Goldbordüren, verzichtet: "Es sind ja keine Heilige."

Dass die Gebeine öffentlich zu sehen sind, freut Bürgermeister Stefan Braun: "Sie kamen aus dem Schattendasein ins Licht." Und dafür sorgt auch eine schöne, dezente Beleuchtung. "Das passt zum Paradies", ist er zufrieden.

Knochen von insgesamt sechs MenschenFrüher wurden sie hinter verschlossenen Schranktüren aufbewahrt, heute werden sie öffentlich präsentiert: die Knochen, die den Stiftern der Klosterkirche zugerechnet werden. Dabei soll es sich um Graf Berengar I. von Sulzbach, Friedrich von Kastl und dessen Sohn Otto von Habsberg handeln. Laut Ortsheimatpfleger Hermann Römer, der einst die Knochen in einem archäologischen Institut untersuchen ließ, handelt es sich nicht nur um die Gebeine von drei, sondern sogar von sechs Personen. Eines verblüffte ihn sehr: "Es sind auch Frauen-Gebeine darunter." Damit habe er nicht gerechnet, "für die Archäologen war das aber nicht so eine Überraschung". (san)
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