Kastl ist jetzt Standort eines Rettungswagens
„Schön, dass ihr da seid“

Yann Schmidt und Florian Kaufmann (von links) sind zwei von vier BRK-Mitarbeitern, die in Kastl Dienst tun. Besetzt ist der Rettungswagen-Standort täglich von 8 bis 20 Uhr. Über ehrenamtliche Helfer zur Unterstützung würden sich nicht nur die beiden Rettungsassistenten freuen, sondern auch stellvertretender Rettungsdienstleiter Erwin Gräml (rechts). Bild: Sandig
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Kastl
28.01.2016
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Florian Kaufmann und Yann Schmidt kommen herein in die warme Stube. Sie sind zurück vom Einsatz - und warten, bis sie das nächste Mal alarmiert werden. Seit 1. Oktober haben sie ein Domizil im Kastler Feuerwehrhaus gefunden - einstweilen.

Der Ofen verströmt behagliche Wärme. Ein Tisch, ein paar Stühle, eine Couch, ein Fernseher, ein zu einem Fernsehsessel umfunktionierter Liegestuhl, eine kleine Küchenzeile, eine Kapsel-Kaffeemaschine, eine Vitrine mit Feuerwehr-Relikten aus längst vergangenen Tagen: Die BRK-Rettungskräfte haben es sich in ihrem Übergangs-Domizil, dem Aufenthaltsraum der örtlichen Feuerwehr, gemütlich gemacht.

Halbes Jahr in Kastl


Draußen steht der Rettungswagen, mit dem Florian Kaufmann und Yann Schmidt gerade von ihrem Einsatz zurückgekehrt sind. Kaufmann ist Mitarbeiter der BRK-Rettungswache in Sulzbach-Rosenberg. Er half mit, den Standort Kastl aufzubauen, wie stellvertretender Rettungsdienstleiter Erwin Gräml erläutert. Diese Aufgabe nimmt Florian Kaufmann befristet für ein halbes Jahr wahr, zum 1. April kehrt er in seine Heimatwache zurück. "Dann suchen wir für Kastl wieder einen Rettungsassistenten", sagt Erwin Gräml.

Dienst in Kastl verrichten vier BRK-Mitarbeiter, drei Rettungsassistenten und eine -sanitäterin. Besetzt ist der Standort täglich von 8 bis 20 Uhr, an Wochentagen genauso wie an Wochenenden, selbst an Feiertagen. Pro Schicht stehen zwei Leute bereit, um im Notfall rasch zu helfen. Dieser Tage transportierte das Team den 150. Patienten. "Einsätze waren es 25 mehr", erläutert Gräml.

Denn für die Statistik zählen auch Fehleinsätze und Gebietsabsicherungen, wenn etwa die in Amberg und Sulzbach-Rosenberg stationierten Rettungswagen unterwegs waren. Gräml dröselt die bisherigen Einsätze auf: 62 Krankentransporte, 28 Notfalleinsätze ohne Notarzt, weitere 60, zu denen auch ein Notfallmediziner alarmiert wurde. Dieser komme - je nach Verfügbarkeit - aus Amberg, Sulzbach-Rosenberg oder Neumarkt.

Blick in die Einsatzstatistik


Unterwegs ist der Rettungswagen laut Erwin Gräml im Lauterachtal. Aber nicht nur. So kann es durchaus vorkommen, dass er alarmiert wird, um zu einem Notfall nach Lauterhofen zu fahren. Oder in Richtung Sulzbach-Rosenberg. Nach Angaben des stellvertretenden Rettungsdienstleiters sind es hauptsächlich internistische Notfälle, zu denen der Sanka gerufen wird. "Das sind über 60 Prozent", erklärt er. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Schlaganfälle. Lediglich fünf Prozent machen die Unfälle aus, gibt Gräml einen Einblick in die Einsatzstatistik. Im Schnitt hatten die am Kastler Rettungswagen-Standort beschäftigten BRK-Mitarbeiter ein oder zwei Einsätze pro Tag. Das bestätigen Florian Kaufmann und Yann Schmidt. "Hier ist es ruhiger als in Sulzbach-Rosenberg", sagt Kaufmann. "An Weihnachten und Neujahr war es ein bisschen mehr", fügt Schmidt hinzu.

"Asyl" bei der Feuerwehr


"Die Leute sind sehr froh, dass es den Rettungswagen-Standort hier gibt", sagt Florian Kaufmann, der die Aufbauphase, die er insgesamt sechs Monate betreut, durchaus als eine Herausforderung sieht. Interimsweise muss das Kastler Team mit dem Aufenthaltsraum der örtlichen Feuerwehr in der Brauhausgasse vorliebnehmen. Doch der Markt Kastl plant ein neues Feuerwehrzentrum. Dort soll neben dem Bauhof dann auch die BRK-Mannschaft samt Fahrzeug untergebracht werden.

Die Rettungsdienst-Mitarbeiter haben sich gut eingelebt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist sehr hoch. Und es kam auch schon mal vor, dass Bürger mit ihrem Kind, das gestürzt war, bei den Sanitätern klingelten und sie baten, sich die Verletzung mal anzuschauen. Und auch das hören die Rettungskräfte immer mal wieder: "Schön, dass ihr da seid."

Standort KastlDass es seit 1. Oktober 2015 einen Rettungswagen-Standort in Kastl gibt, ist Ergebnis eines Gutachtens. Denn die Trend- und Strukturanalyse des Rettungsdienstes in Bayern (TRUST) hatte laut Erwin Gräml, stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes, ergeben, dass in diesem Bereich die vorgeschriebene Hilfsfrist von zwölf Minuten nicht immer gewährleistet war. Das heißt: Der Rettungswagen brauchte mitunter länger als zwölf Minuten, um nach Kastl zu kommen. Auch waren landkreisübergreifend (Amberg-Sulzbach und Neumarkt) die Einsatzzahlen so hoch, dass es erforderlich wurde, in der Lauterachtal-Gemeinde einen Stellplatz einzurichten.

Das neu angeschaffte Rettungsfahrzeug kostete 250 000 Euro. Mit der Inbetriebnahme des Standorts Kastl fiel nach Angaben von Erwin Gräml der Stellplatz in Ursensollen weg. Dort war vorher ein Rettungswagen der Amberger Wache, jeweils freitags bis sonntags, um Einsätze zu fahren. (san)


Helfer gesucht"Es wäre schön, wenn wir aus der Region ein paar Ehrenamtliche hätten, die uns unterstützen könnten", wirbt Erwin Gräml für eine Mitarbeit beim Roten Kreuz. Sie würden nach einer Sanitätsausbildung eingearbeitet und könnten dann zusammen mit einer Fachkraft im Rettungsdienst zum Einsatz ausrücken, beispielsweise als Fahrer des Rettungswagens. Laut Gräml liegt der Anteil an Ehrenamtlichen im Rettungsdienst bei 20 Prozent. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich bei Erwin Gräml (09661/2222) melden. (san)
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