Messen halten im Akkord
Wie begehen Gemeindepfarrer die Weihnachtsfeiertage?

So besteht die Gefahr zu einer Zelebrationsmaschine zu werden.
Vermischtes
Kastl
24.12.2015
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Zur Ruhe komme ich erst am 27. nachmittags.

Verlieren sich die gläubigen Schäfchen einer Gemeinde um Weihnachten herum allzu oft im Konsumstress, haben ihre Hirten andere Sorgen. Wie feiern diejenigen Weihnachten, die an den Feiertagen am Altar eingespannt sind?

Kemnath/Kirchenthumbach. Nach der Christmette eilen viele Gläubige nach Hause zur Familie. Bescherung und gemütliches Beisammensein stehen oft noch auf dem Programm. Unter den Gemeindepfarrern kann beim Messe-Halten im Akkord die Besinnlichkeit schon mal auf der Strecke bleiben.

Pfarrer Armin Maierhofer aus der Pfarrei Kastl etwa hält zwischen Heiligabend und Sonntag, 27. Dezember, acht Heilige Messen. Viele seiner Kollegen stünden bis zu viermal am Tag am Altar. "So besteht die Gefahr zu einer Zelebrations-Maschine zu werden." Damit meint er so etwas wie den Burn-Out unter Geistlichen. Jede Heilige Messe verlangt die volle Hingabe und Konzentration der Priester. "Das sollte nicht routinemäßig ablaufen", verlangt Maierhofer.

Gesellig, nicht geruhsam


Zwischen den Messen verbringt er die besinnliche Zeit in Altendorf bei Nabburg bei seinen Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen. "Wir haben einen starken Familienverbund." Sieben Geschwister mit 18 Kindern zählen dazu, die alle in der Region geblieben sind. "Da wird in anderen Mengen gekocht als bei Familien mit einem Kind", erzählt er. Geruhsam ist das klassische Weihnachten nicht für den Kastler Pfarrer. Aber bestimmt voller Freude und Geselligkeit. Und Maierhofers Weihnachtswunsch wurde auch schon erfüllt: "Butterplätzchen nach Familienrezept." Die Köstlichkeiten hat seine Schwester schon gebacken.

Pfarrer Konrad Amschl (Pfarrei Kemnath) wird die "Ruhe und Zeit" nach den Gottesdiensten zur Besinnung nutzen, wie er sagt. Nach der Christmette will er sich auch das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach anhören. Am ersten Weihnachtsfeiertag steht auch ein Besuch bei den Eltern auf dem Programm. Zwischen den Gottesdiensten - drei an Heiligabend und je zwei an den Feiertagen - will der Geistliche zur Ruhe kommen und lesen.

"Ich habe es da einfach", lacht Pater Benedikt Röder auf die Frage, was er macht, wenn andere nach der Kirche mit ihren Liebsten zusammen sind. "Auch wenn ich vor Ort in Kirchenthumbach bin, feiere ich mit meiner Klosterfamilie Weihnachten." Ansonsten hat sich der Prämonstratenser noch etwas vorgenommen: "Am Nachmittag mache ich vielleicht Besuche, bei denen ich denke, sie könnten sich über einen Besuch freuen." Im Speinsharter Konvent steht eine Hausgemeinschaftsfeier auf dem Programm, außerdem gibt es die traditionellen Bratwürste. Drei Gottesdienste an Heiligabend und je einer an den beiden Feiertagen zelebriert der Pater in seiner Pfarrei in Kirchenthumbach.

Ruhe erst danach


"Was wir an Weihnachten machen? Kirchen halten." So antwortet Pfarrer Sven Grillmeier . Der Geistliche ist in seiner Pfarreiengemeinschaft Kirchenlaibach-Mockersdorf an Heiligabend dreimal gefordert. "Danach ist es Brauch bei uns, zusammen Glühwein zu trinken." Den spendieren die Pfadfinder. Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag stehen jeweils zwei Gottesdienste auf dem Programm. Wann dann Zeit zur Besinnung ist? "Zur Ruhe komme ich erst am 27. nachmittags", lacht der Pfarrer wieder. Dann geht es erst einmal nach Rom. "Da ist Ruhe angesagt." Schlag auf Schlag geht es weiter mit Silvester. "Aber das ist kein Stress", sagt Grillmeier weiter. "Höchstens stressig."

Zu Hause in großer Runde


Bei Pfarrer Hans Riedl steht ganz klar die Tradition im Vordergrund: "Ich habe am uralten Brauch von zu Hause festgehalten", erzählt der Neusorger Geistliche. Nach einem besinnlichen Teil mit Liedern und Lesungen aus dem Evangelium ging es über zur Bescherung, erinnert sich der Pfarrer. Zum Abendessen gibt es bei ihm an Heiligabend saure Bratwürste. Eine Andacht am Nachmittag und ein Gottesdienst am 24. Dezember um 23 Uhr stehen auf dem Programm. Danach gönnt sich der Geistliche etwas Ruhe. Für die beiden Feiertage übernimmt ein Heimatpriester zwei der drei Messen. "Am ersten Feiertag fahre ich nach Hause", erzählt Riedl. Da erwartet ihn dann eine "große Runde", wie er sagt: 15 bis 18 Leute kommen da zusammen.
So besteht die Gefahr zu einer Zelebrationsmaschine zu werden.Pfarrer Armin Maierhofer
Zur Ruhe komme ich erst am 27. nachmittags.Pfarrer Sven Grillmeier
Ich habe am uralten Brauch von zu Hause festgehalten.Pfarrer Hans Riedl
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