Zweiter Teil der Bürgerversammlung
Erhalten, was das Dorf stärkt

Der Bereich des aufgefüllten Dorfweihers entlang der Bachgasse könnte zum neuen Ortsmittelpunkt werden. Bild: ak
Vermischtes
Kastl
05.09.2016
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Auf die Gemeinde und Besitzer von sanierungsbedürftigen Gebäuden in Kastl warten beachtliche staatliche und kommunale Zuschüsse im Rahmen der Städtebausanierung. Die Stadtbau Amberg soll dabei die Beteiligten beraten. Aber noch sind nicht alle Hürden genommen.

In einer Bürgerversammlung erläuterte Diplomingenieur Ernst Zobel von der Stadtbau Amberg GmbH die ersten Schritte zur Ortssanierung. "Städtebauförderung ist ein großer Anreiz etwas zu erhalten, was erhaltenswert ist und den Ort insgesamt stärkt", erklärte der Baufachmann.

Ortssanierung bedeutet, den Gebäudebestand zu erhalten und zu sichern und dadurch die Landflucht zu verhindern. Damit wird das Wohnumfeld verbessert, der Verkehr beruhigt und brachliegende Flächen revitalisiert. "Die Ortssanierung ist ein Anstoß für private und öffentliche Investoren, der einen positiven Effekt auf Wirtschaft und Arbeitsplatzsicherung mit sich bringt. Bei den anstehenden Gesprächen muss die Kommune die Regierung der Oberpfalz davon überzeugen, dass öffentliche Fördermittel in Kastls Dorfmitte gut angelegt sind", erklärte Zobel.

Finanzielle Hilfen


Für Maßnahmen der Gemeinde können Zuschüsse in Höhe von rund 70 Prozent erwartet werden. Für private Bauherren machen mehrere Finanzhilfen die Gebäude- und Umfeldsanierung attraktiv. Diese bestehen aus einem zu schaffenden kommunalen Förderprogramm, dem Anteil aus dem staatlichen Förderprogramm und einer hohen steuerlichen Sonderabschreibung.

Ein Zahlenbeispiel gab einen Überblick über die Finanzen. Bei 100 000 Euro Baukosten erhält ein privater Bauherr von der Regierung Förderungen in Höhe von 18 000 Euro, 12 000 Euro von der Gemeinde. Die Restkosten übernimmt der Bauherr mit 30 000 Euro Eigenmitteln und 40 000 Euro Darlehen. Eigenleistungen sind möglich und werden mit einem Stundensatz von 9,70 Euro gefördert.

Außerdem gewährt das Finanzamt Gebäuden, die im Sanierungsgebiet liegen, Sonderabschreibungen. Die Abschreibungssätze liegen dabei bei neun Prozent auf acht und sieben Prozent auf vier Jahre. Die Baukosten werden somit abzüglich der gewährten Förderung (70 000 Euro) innerhalb von zwölf Jahren voll abgeschrieben.

Neuer Treffpunkt


Bürgermeister Josef Etterer ergänzte, dass bereits vier Anträge von privaten Investoren bei der Gemeinde gestellt wurden, wobei eine Maßnahme außerhalb des geplanten Sanierungsgebietes liegt. Kernpunkt für die Ortssanierung ist der Kirchplatz und sein Umfeld. Im Fokus stehen dabei vor allem drei Wohngebäude. Der Gemeinde ist es vor allem wichtig, einen Ortsmittelpunkt zu schaffen, zum Beispiel im Bereich des aufgefüllten Dorfweihers.

Zusammen mit dem Architekturbüro Schultes und der Stadtbau Amberg erstellt Kastl derzeit eine Großanalyse, welche die Basis für Gespräche zur Aufnahme der Ortssanierung Kastl bei der Regierung der Oberpfalz in das Städtebauförderprogramm bilden wird.

Privat sanierenDie Ortssanierung für private Investoren besteht laut Ernst Zobel aus acht Schritten:

Private Vorhaben bei der Gemeinde oder der Verwaltungsgemeinschaft anmelden.

Ein Architektenbüro berät und empfiehlt eine Umgestaltung.

Es wird eine Entwurfsplanung mit Kostenschätzung erstellt.

Die Vorschläge werden mit der Regierung der Oberpfalz oder dem Landesamt für Denkmalpflege besprochen.

Es folgt ein Förderantrag des Sanierungsträgers auf Basis der eingereichten Vorschläge samt Finanzierungs- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Die Förderstelle erlässt ein Bewilligungsbescheid und erteilt einen vorzeitigen Baubeginn.

Es werden während der Bauzeit Auszahlungsanträge gestellt und Zuschüsse abgerufen.

Die Zahlungsnachweise der Baukostenrechnungen sind bei der Gemeinde oder dem Sanierungsträger vorzulegen.

Die Restrate wird ausgezahlt. (ak)
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