"Wir brauchen den Verbraucher"

Vor zwei Jahren investierte Landwirt Andreas Koller in einen modernen Laufstall. Ein "Kuhplatz" kostete rund 10 000 Euro. Bild: m
Archiv
Kemnath
10.09.2015
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Mit Max und Hannah hat die vierte Generation auf dem Hof der Familie Koller Einzug gehalten. Vater Andreas und Mutter Bianca hoffen, dass wenigstens eines der Kinder der Landwirtschaft treu bleibt. Bild: m

Viele Kühe, viel Milch, geringere Einnahmen. Die Milchbauern leiden. 70 Kühe stehen bei Familie Koller im modernen Laufstall. "Tendenz steigend", sagt Landwirt Andreas Koller. "Bei 80 bis 85 ist aber Schluss."

Vor zwei Jahren hat der junge Landwirt aus Eisersdorf nahe Kemnath (Kreis Tirschenreuth) kräftig investiert und neu gebaut. Ein "Kuhplatz" kostete rund 10 000 Euro, amortisiert habe er sich erst nach gut 20 Jahren. Der aktuelle Preisverfall bei der Milch - derzeit liegt der Preis pro Kilogramm nur noch bei rund 30 Cent - bereitet dem 28-jährigen Familienvater daher Sorgen.

Ely Eibisch, Obmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Kreis Tirschenreuth, sagt dazu: "Die hohen Investitionen, die hier getätigt wurden, muss man vom Milchpreis ja noch abziehen." Die Landwirte hätten schließlich Produktionskosten und müssten ihren Lebensunterhalt finanzieren, "die Investitionen kommen dann noch oben drauf, da ist der aktuelle Milchpreis schon eine Belastung." Eibisch sieht eine Lösung für das Problem: "Wir Bauern brauchen den Verbraucher!"

Ein Viertel niedriger

Anfang der 1980-er Jahre, berichtet der BBV-Obmann, habe der Milchpreis noch bei rund 80 Pfennigen gelegen, also bei umgerechnet 40 Cent. "Das erreichen wir heute bei weitem nicht mehr!" Die Preise seien zuletzt um gut ein Viertel gefallen. Ein Riesenproblem sei das für einen Betrieb, der wie Familie Koller erst 2013 Hunderttausende Euro in die bäuerliche Zukunft investiert habe: "Damals war der Milchpreis noch besser, da lag er bei 40 Cent", sagt Eibisch.

Egal, wie sich der Markt entwickelt: Der Arbeitstag eines Bauern beginnt stets früh. Um 6 Uhr steht Koller bereits im Stall, um die Kühe das erste Mal zu melken. Abends folgt der zweite Durchgang. Das Melken der Rinder und Waschen des Tandem-Melkstandes dauert jeweils rund eineinhalb Stunden. Anschließend kommen die Kälber, die ein eigenes Abteil im Stall belegen, an die Reihe. Sie werden von Hand zwei- bis dreimal täglich mit Milch getränkt. Jede Milchkuh auf dem Hof kalbt einmal jährlich. Bullenkälber gehen mit etwa 80 bis 110 Kilogramm an den Mäster. Aber auch die meisten weiblichen Kälber werden verkauft.

Die Fütterung der Rinder dauert bei Familie Koller rund eineinhalb bis zwei Stunden. Heutzutage erhalten Milchkühe "ein sehr vollwertiges Futter", wie Andreas Koller betont. Dazu nutzt er einen Futtermischwagen, in dem Silage, Getreideschrot oder auch Kraftfutter zerkleinert und vermengt werden.

Auch Außenarbeiten sind zu erledigen. "Die müssen die Milchbauern zwischendurch einschieben, und das über die gesamte Vegetationsperiode, bis in den November", betont Eibisch. Den Großteil des Viehfutters erzeugen die Kollers selbst auf Wiesen und Ackerland. Gras wird mehrmals jährlich geschnitten. Der Milchbauer erntet zudem Mais, Wintergerste sowie Weizen und baut Kleegras an. Futterbestandteile wie Soja werden zugekauft. Zwischendurch erledigt der Landwirt noch Büroarbeiten und betätigt sich als Geburtshelfer.

80 Milchkühe zu halten bedeutet, dass übers Jahr gerechnet im Schnitt zwischen ein und zwei Kälber pro Woche geboren werden. "Erst heute früh sind Zwillinge gekommen", berichtet Koller. Im Stall der Familie Koller steht die Rasse Fleckvieh. 8000 Liter Milch pro Jahr gibt eine solche Kuh durchschnittlich. Wird ein Tier mit Antibiotika behandelt, muss die Milch längere Zeit entsorgt werden und bringt keinen Erlös. Es gebe gute und schlechte Jahre, erzählt Landwirt Koller: "Mal läuft's super, mal ist fast jeden Tag der Tierarzt da." Jedoch zahle sich die neue Stallbauweise aus. "Da ist mehr Licht und mehr Luft, das merkt man. Es gibt weniger Krankheiten als in den alten Ställen." Zwölf- bis 14-stündige Arbeitstage seien nicht ungewöhnlich, sagt Koller. Trotzdem hat der gelernte Industriemechaniker noch einmal umgeschult und den elterlichen Hof übernommen, wo jetzt vier Generationen leben. Seine drei Geschwister haben beruflich hingegen andere Wege eingeschlagen.

Auf dem Hof helfen noch die Eltern und der Großvater mit. Anders sei die Arbeit nicht zu bewältigen. Angestellte könne sich ein bäuerlicher Familienbetrieb nicht leisten, sagt BBV-Obmann Eibisch: "Bei diesen Preisen bleibt für Löhne doch nichts mehr übrig!" Andreas Koller betont: "Was geht, repariert man auf dem Hof selber. Das kommt einfach günstiger."

Nächste Generation

Kollers Ehefrau Bianca, 24, ist nicht "vom Fach". In eine Landwirtschaft eingeheiratet zu haben bereut die junge Mutter aber trotz der hohen Arbeitsbelastung nicht. "Nachdem ich das näher kennengelernt habe, war ich doch begeistert", sagt die gelernte Erzieherin. Die Kollers wünschen sich, dass der Hof auch in der nächsten Generation in der Familie bleibt. Sohn Max ist zweieinhalb Jahre, Tochter Hannah vier Monate alt, und Papa Andreas meint: "Wir hoffen, dass ein Kind später weitermacht. Wir werden kein Kind zwingen, aber den Beruf anpreisen."
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