Im Bistum Regensburg gibt es fast 26.500 Ministranten
Ohne "Minis" geht es nicht

Bei großen und wichtigen Festen sind die Ministranten in Höchstzahl vertreten. Bild: Stiegler
Freizeit
Kemnath
26.03.2016
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Das Gesicht der Ministranten im Bistum ist mehrheitlich weiblich: Vanessa Fenzl aus Kemnath ministriert seit mittlerweile sechs Jahren. Bild: Florian Frank

An großen kirchlichen Festen laufen sie zu Höchstform und in Höchstzahl auf: Pfingsten, Weihnachten und natürlich erst recht an den Kar- und Ostertagen. Und dann müssen sie alle Register ihres Könnens ziehen.

Von Holger Stiegler

Gemeint sind die vielen Ministrantinnen und Ministranten, die den Geistlichen bei den Gottesdiensten zur Seite stehen. "In der Diözese Regensburg gibt es derzeit rund 26 465 Ministranten", sagt Winfried Brandmaier, Leiter der Fachstelle für Ministrantenpastoral des Bischöflichen Jugendamtes in Regensburg. Der 38-jährige Gemeindereferent ist damit so etwas wie der Ministranten-Beauftragte im Bistum Regensburg.


Mehr Mädchen am Altar


Die Zahlen basieren auf einer aktuellen Erhebung, die letztmals zum Jahresende 2015 ausgewertet wurde. Auffallend darin ist, dass man heute nicht mehr ohne Weiteres von den vielzitierten "Lausbuben Gottes" sprechen kann, denn die Mädchen machen mit 51 Prozent knapp die Mehrheit aus. "Das ist nicht ungewöhnlich für das Bistum, sondern war auch schon in den vergangenen Jahren so", erklärt Brandmaier. Seit den frühen 90er Jahren gibt es im Bistum Regensburg auch Mädchen, die den Altardienst verrichten.

De facto bestätigt wurde die weltweite Zulassung von weiblichen Ministranten durch ein Schreiben der Päpstlichen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramenten-Ordnung vom 15. März 1994. Den hohen Stellenwert der Ministrantentätigkeit schätzt auch der Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer: "Die Ministrantenarbeit ist neben der verbandlichen Jugendarbeit ein, wenn nicht sogar der wichtigste Bereich der Jugendpastoral." Die qualifizierte Form der aktiven Mitwirkung an der Liturgie führe auch zu einem tieferen Verständnis der Glaubensinhalte, des Kirchenjahres und überhaupt des christlichen Lebens.

Der Bischof ist viel in den Pfarreien des Bistums unterwegs und begegnet durchgängig einer großen Schar von Ministranten. "Und zwar in einer Altersspanne von neun Jahren bis in das Erwachsenenalter", ergänzt Voderholzer. Dafür sei er wirklich sehr dankbar, und er sage es den jungen Leuten immer gleich persönlich. "Dass ältere Jugendliche und auch junge Erwachsene den Dienst am Altar gerne tun, freut mich immer ganz besonders", erklärt der Bischof. Grund zur Freude hat auch Pfarrer Konrad Amschl der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Kemnath (Kreis Tirschenreuth): Mit 209 "Minis" gibt es dort die meisten Ministranten im Bistum Regensburg, gefolgt von der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Kirchenthumbach mit 153 "Minis" und der Pfarrei Vohenstrauß (beide Kreis Neustadt/WN) mit 150 Ministranten. "Es ist natürlich schon ein Vorteil, wenn man die Kinder auch in der Schule unterrichtet", sagt Amschl. Auch in Kemnath hält sich die Verteilung Mädchen-Jungen in etwa die Waage. Wie wird man in Kemnath Ministrant? "Ich denke, dass wir uns da nicht sonderlich von anderen Pfarreien im Bistum unterscheiden", sagt der Ortsgeistliche, der sich gemeinsam mit Gemeindereferent Jochen Gößl, Mesnerin Regina Frank und insgesamt 17 Gruppenleitern um die Ministrantenarbeit kümmert. Nach der Erstkommunion werden alle Mädchen und Jungen eingeladen, wenn sie Ministrant werden wollen. "Im Schnitt kommen dann auch etwa 70 Prozent, um sich das einmal anzuschauen", sagt Pfarrer Amschl. Und die ganz große Mehrheit davon bleibt dann auch. In einigen Gruppenstunden wird das Ministrieren geübt, nach Pfingsten wird man dann erstmals eingeteilt - anfangs als "Begleiter", später dann auch zum Altardienst. "Die offizielle Aufnahmefeier findet im November statt, dann bekommen die Kinder auch einen Ministrantenausweis", so der Pfarrer.

Die Aufgaben der Ministranten sind vielfältig - am wichtigsten und grundlegendsten ist der Dienst am Altar, also das Bereiten der Gaben. Einen besonderen Stellenwert an Sonn- und Festtagen sowie bei Beerdigungen hat der Weihrauch-Dienst: Neben dem Ministranten mit dem Weihrauchfass gibt auch noch den "Mini" mit dem umgangssprachlich "Schiffchen" genannten Behälter, in dem sich der eigentliche Weihrauch befindet. Augenfällig ist der Ministrantendienst auch bei Prozessionen: Nicht nur, dass die Minis dort in der Regel in einer großen Anzahl auftreten, sie gehen der Prozession auch voran und tragen das große Kreuz voraus.

"Minis" als Könige


Ministranten braucht man aber auch für ganz besondere Aufgaben: Da ist zum einen die alljährliche Sternsinger-Aktion, bei der die "Minis" als Heilige Drei Könige gewandet durch die Straßen der Pfarreien ziehen und Geld für Kinder auf anderen Kontinenten sammeln - und mit etwas Glück sogar vom Bundespräsidenten oder der Bundeskanzlerin empfangen werden.

Ebenfalls etwas Besonderes sind für die Ministranten die Kartage: In dieser eher ruhigen Zeit schweigen die Glocken der Kirche, stattdessen konzentrieren sich die "Minis" aufs Ratschen: Das sind Instrumente aus Holz, auf denen durch Drehen mit einer Handkurbel kleine Klöppel auf ein Brett schlagen und so ein rasselndes Geräusch erzeugen - und kein Ministrant wird wohl leugnen, dass ihm dies nicht auch am Karfreitag Spaß macht.
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