"Da Huawa, da Meier und I" in Kemnath
Bajuwarische Nacktschnecken-Killer

Das oberpfälzisch-niederbayerische Kulttrio "Da Huawa, da Meier und I" verdeutlichte in Kemnath, was es mit der Zeit auf sich hat. Bild: stg
Kultur
Kemnath
14.03.2016
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"Da Huawa, da Meier und I" präsentierten in Kemnath ihr neues Programm "Zeit is a Matz!". Dabei wurde deutlich, woher die drei den Stoff für ihre Lieder bekommen.

Die Zeit tickt, die Kirchturmuhren schlagen, die Mobiltelefone geben ihre Signaltöne ab: Die Ouvertüre vom Band stimmt auf gut drei Stunden bayerische Unterhaltung ein. "Zeit is a Matz!" intonieren die drei gut gelaunten Männer auf der Bühne. Schon nach den ersten Takten fühlt man sich als Zuhörer willkommen, irgendwie daheim.

Mit ihrem brandneuen Programm - eben "Zeit is a Matz!" - ist das oberpfälzisch-niederbayerische Kulttrio "Da Huawa, da Meier und I" am Samstagabend zu Gast in der Mehrzweckhalle Kemnath. Rund 800 Zuschauer sind auf Einladung der Speichersdorfer Bürgerstiftung Lebensfreude gekommen, um mit den drei Musikern ins bayerische Lebensgefühl und in ihre Sicht der Dinge einzutauchen.

Funke braucht etwas länger


Seit gut 16 Jahren gibt es die urwüchsige Bayern-Combo mittlerweile, die drei Akteure auf der Bühne bewegen sich allmählich auf die Vollendung des vierten Lebensjahrzehnts zu. Und dennoch gibt es noch allerlei Personen im Publikum, für die das Konzert der "erste Kontakt" mit Christian Maier (da Huawa), Matthias Meier (da Meier) und Siegi Mühlbauer (I) ist. Vielleicht liegt es daran, dass der Funke zwischen Band und Zuhörer gelegentlich etwas länger braucht, um überzuspringen.

Die Musiker versprechen eine Reise durch die Zeit, die mit einem Abstecher ins Mittelalter beginnt. Liegt auch auf der Hand bei dem wichtigen Jubiläum: 500 Jahre Reinheitsgebot. Sie singen vom kristallklaren Wasser, dem "Brauerstolz" und vergessen auch die aktuelle Diskussion ums Glyphosat nicht. Auch die jüngere Vergangenheit wird gewürdigt - in bester Manier mit dem Lied vom "Bonanzaradl", das Christian Maier in seiner Jugend noch mit Fuchsschwanz und Lufthupe aufgemotzt hatte. Da war es dann, wie er besingt, nur noch ein kurzer Weg zum "Nacktschnecken-Killer": Denn "der Reifen war ein blutiger Todesstreifen". Und das alles ohne Fahrradhelm, aber mit Drei-Gang-Schaltung.

Krachert, brachial, rockig - so präsentiert sich das Trio. Aber eben auch ganz anders, nämlich tiefsinnig, nachdenklich und gesellschaftskritisch. In ihrem Lied "Die Welt ist a Zirkus - die Affen san mia" fordern die drei zu mehr globaler Menschlichkeit auf. Man dürfe sich nicht wundern, wenn Menschen vor lauter "Durst" nach Europa kommen, wenn man ihnen in ihrer Heimat das Wasser abgrabe. Außerdem nütze einem die ganze Heimatliebe nichts, wenn das Zuhause mit Bomben und Raketen zerstört werde.

Der Inbegriff der Heimat


Den Stoff für ihre Lieder finden "Da Huawa, da Meier und I" im Alltag: Da gibt es die bestellten Handwerker, die nie kommen, den Thermomix, der alle Aufgaben in der Küche übernimmt, und den Wurstsalat, der zum Inbegriff für Heimat wird. Immer wieder werden die Kostüme gewechselt - mal wird es mexikanisch, dann steht die Invasion der Außerirdischen bevor, und auch die prolligen Drogendealer dürfen kurzzeitig das Steuer übernehmen.

Drei Zugaben - echte Klassiker der Band - gibt es abschließend. Sie lassen das Stimmungsbarometer noch mal ganz nach oben steigen: "Bauernblues", "Bayernland" und "Blauer See".
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