Ergreifender Gesang

In einen Konzertsaal verwandelten der Philharmonische Chor Bayreuth und die Hofer Sinfoniker die Kemnather Mehrzweckhalle beim Auftritt am ersten Adventssonntag. Bilder: jzk (2)
Kultur
Kemnath
29.11.2016
115
0
 
Umsichtig leitete Dirigent Torsten Petzold Chor und Orchester.

Als "Jahresereignis 2016" war das Adventskonzert des Philharmonischen Chors Bayreuth und der Hofer Sinfoniker in der Mehrzweckhalle angekündigt. Die Freunde guter Chormusik, darunter viele aus Bayreuth, brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen.

Zum Musikgenuss in der Kemnather Mehrzweckhalle kam es am Sonntag, weil die Stadthalle Bayreuth derzeit saniert wird. "Es gibt nichts Schöneres als die Adventszeit mit einem Konzert zu beginnen", meinte Dr. Heinz Ponnath, Vorsitzender des Philharmonischen Chores, bei der Begrüßung. Der gebürtige Kemnather freute sich über ein großes Publikum.

Mit den Hofer Symphonikern brachten die über 60 Sänger zwei erlesene Werke geistlicher Chormusik aus dem 19. Jahrhundert zu Gehör: die Messe Es-Dur von Franz Schubert und das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens. Torsten Petzold, der den Chor seit Mai leitet, stellte sich erstmals als neuer Dirigent vor. Er verstand es ausgezeichnet, Sänger und Instrumentalisten zu motivieren und sicher über alle Klippen in der anspruchsvollen Partitur zu führen.

Der österreichische Komponist Franz Schubert schrieb seine sechste und letzte Messe in seinem Todesjahr 1828. Trotzdem steht die vierstimmige lateinische Messe nicht im düsteren Moll, sondern weist in Melodik und Harmonik eine Schönheit auf, die zu Herzen geht. Ungewöhnlich sind auch die Instrumentierung und die Verwendung von zwei Tenören (Artjom Korotkov, Saya Lee), die im Credo das ergreifende "Et in carnatus est" zuerst im Duett, dann mit Sopranistin (Marietta Zumbült) sangen. Bassist Peter Frank fügte sich homogen in das Solistenensemble ein.

Sehr gut gelangen den Sängern die homophonen Chorstellen. Kleine Unsicherheiten in den langen polyphonen Fugen des Gloria ("Cum Sancto Spiritu") und des Credo ("Et vitam venturi saeculi") konnten den recht positiven Gesamteindruck nicht schmälern. Sehr klangschön und eindringlich gestaltete Petzold mit dem Chor die Friedensbitte am Ende des Agnus Dei ("Dona nobis pacem").

Das Weihnachtsoratorium "Oratorio de Noel" komponierte der 23-jährige Camille Saint-Saens in nur zwölf Tagen. Wegen seiner Erfolge erhielt der französische Komponist, der zu seiner Zeit als Wunderkind galt, auch den Beinamen "der neue Mozart". Hier konnte der "größte Konzertchor Oberfrankens" bei den lyrischen Stellen seine Klangschönheit voll entfalten. Dabei klang die intensive Probearbeit der engagierten Chorsänger durch. Monatelang hatten sie ihre Freizeit geopfert, um sich auf dieses anspruchsvolle Konzertprogramm vorzubereiten.

Mit ihrem Gesang zauberten sie eine adventliche Stimmung in die Mehrzweckhalle. Konzentriert folgten sie dem Chorleiter, der mit seiner präzisen Zeichengebung Ensemble und Orchester souverän leitete und dynamische Gegensätze deutlich herausarbeitete.

Die junge Mezzosopranistin Anna Maria Schmidt, die im Weihnachtsoratorium das Solistenensemble ergänzte, meisterte ihre Gesangspartie sehr gut. In seinem Werk, das auf Texten des Alten Testaments und der Evangelien basiert, hat der Komponist den fünf Vokalsolisten mehrere solistische Passagen gewidmet, die nicht einfach zu singen waren. Nach dem instrumentalen Vorspiel ("Prelude") wechselten Rezitative, Sologesänge und Chorstellen ab.

Durch die Besetzung mit einem Streichorchester, Harfe, Orgel und einem Solistenquintett gab er dem Werk eine besondere Note. Den krönenden Abschluss bildete der eindrucksvolle Schlusschor, als er zur Anbetung des Jesuskindes aufforderte ("Der Himmel freue sich und die Erde sei fröhlich"). Mit langanhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum für ein eindrucksvolles Musikerlebnis.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.