Familie Feuerwehr

Als KBM und KBI sind Florian und Otto Braunreuther (von links) immer im Namen des Brandschutzes unterwegs. Aufsetzbare Blaulichter verwandeln ihre Privat- in Dienstfahrzeuge. Bild: sib
Kultur
Kemnath
01.09.2015
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Was nur die Wenigsten von Otto Braunreuther wissen: Der 54-Jährige hat neben seiner Leidenschaft für die Feuerwehr auch ein Faible für Hexen. Rund 30 Stück zählt er zu seiner Sammlung.

Wer im Feuerwehrhaus aufwächst und so heißt, der kann gar nicht anders: Florian Braunreuther ist der jüngste Kreisbrandmeister im Landkreis. Mehr Feuerwehr geht nur bei seinem Vater Otto. Der Kreisbrandinspektor lebt fürs Ehrenamt.

Halb drei morgens, Sirenengeheule und Blaulicht vor dem Fenster wecken den neunjährigen Florian. Er springt aus dem Bett, erkennt sofort: "Das Deutz Tanklöschfahrzeug", legt sich wieder hin und schläft weiter. Der heute 29-jährige Florian Braunreuther lebte den Traum aller kleinen Jungen: Er wuchs im Feuerwehrhaus auf, sein Vater Otto Braunreuther ist Hausmeister der Kemnather Wehr.

Versteckspielen zwischen den Feuerwehrautos in der Fahrzeughalle, bei den Übungen immer dabei. Da wundert es wenig, dass er heute der jüngste Kreisbrandmeister (KBM) im Landkreis Tirschenreuth ist. Als KBM unterstehen ihm 12 Feuerwehren. "Das sind 12 Kommandanten, alle älter als ich. Da muss man sich manchmal schon durchbeißen."

Schon die Umstände seiner Geburt prädestinieren Florian zum Feuerwehrmann: Sein Vater, damals Kommandant der Kemnather Wehr, war am 27. Juli 1986 gerade bei der Segnung des Feuerwehrhauses, als sich sein Sohn ankündigte. In den frühen Morgenstunden des 28. Juli kam der Junge dann auf die Welt, natürlich benannt nach dem Schutzpatron der Brandschützer, dem heiligen Florian. "Laufen lernte er quasi unter den Füßen der Feuerwehrleute, er spielte ausschließlich mit Feuerwehrspielzeugautos. Anderes Spielzeug hat er nicht angeschaut", sagt sein Vater. Schnell war klar: Der Junge hat sich mit dem Feuerwehr-Virus infiziert.

Alle Lehrgänge

"Da kratzt man am Tisch und ist ungeduldig, bis man in die Jugendfeuerwehr darf", sagt Florian. Am zwölften Geburtstag erfüllte er sich den langgehegten Wunsch. Nach sechs Jahren in der Jugendgruppe trat er in den aktiven Dienst und durfte endlich zu den Einsätzen. Dank vieler Lehrgänge, vom Atemschutzträger, Maschinisten, Chemieschutzträger, Gerätewart bis zum Gruppenführer, legte er eine steile Laufbahn hin.

Auch als er sich 2009 beim Brand der Erbendorfer Stadthalle während des Einsatzes als Atemschutzträger verletzte, kam ihm nicht einmal der Gedanke aus der Feuerwehr auszutreten. "Da brach ich durch die Decke eine Etage tiefer. Ein paar Prellungen an den Füßen, aber ein Guter hält's aus", erinnert sich der 29-Jährige. Vater wie Sohn haben das Feuer im Blut. "Jeder Feuerwehrmann muss das Feuer lieben, damit er es bekämpfen kann", sagt Otto Braunreuther.

Er stammt aus Kulmain, sein Elternhaus lag gegenüber dem alten Feuerwehrhaus. "Da bekommt man das alles von Kindesbeinen an mit." Der 54-Jährige trat früh in die Kulmainer Wehr ein, wechselte 1983 der Liebe wegen nach Kemnath. Seine Frau Monika war 1999 natürlich Kemnaths erste Feuerwehrfrau.

Von 2002 bis 2013 war Otto Braunreuther KBM, seit zwei Jahren ist er nun Kreisbrandinspektor (KBI). Er ist für die Wehren des westlichen Landkreises zuständig. "Als Anlauf- und Beratungsstelle für meine Feuerwehren bin ich fast jeden Tag unterwegs. Versammlungen, Besprechungen, Schiedsrichter bei Leistungsabzeichen. Dazu kommen 300 Einsätze im Jahr, zu denen ich alarmiert werde", erzählt der Maschinenführer. Neben dem Ehrenamt bleibt kaum Freizeit. Der USA und Kanada-Fan koordiniert sogar im Urlaub Einsätze übers Telefon. Dass er es gern gefährlich mag, beweist er nicht nur bei seinen vielen Einsätzen, sondern auch beim Bungee- und Fallschirmspringen.

Vertrauen in den Sohn

Auch bei seinem Sohn ist freie Zeit eher knapp bemessen. Besonders seit dem 1. August. Am Tag, an dem er seine Karin vor den Traualtar führte, trat auch die Ernennung zum KBM in Kraft. "Als KBI habe ich dazu natürlich beigetragen, aber ich war auch überzeugt, dass er ein fähiger Mann für den Posten ist." Otto Braunreuther ist stolz auf seinen feuerwehrverrückten Sohn. Als Tochter Marina im Jahr 2000 in die Kemnather Wehr eintrat, war schließlich die Feuerwehr-Familie komplett.

Karin Braunreuther zeigt Verständnis für das Engagement ihres Mannes Florian. "Die weiß zumindest immer wo ich bin, und dass ich mich nicht herumtreibe", scherzt der Mechatroniker. Sein zweitliebstes Hobby, Motorradfahren, bleibt dafür in letzter Zeit auf der Strecke. "Aber wenn wir es nicht gerne und mit Leidenschaft machen würden, hätten mein Vater und ich unsere Ämter schon längst aufgegeben."
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