Kabarettist Michl Müller in Kemnath
Als man noch Sandkästen leerfraß

Michl Müller war in Kemnath mal wieder der unterfränkische "Dreggsagg" par excellence. Bild: stg
Kultur
Kemnath
23.10.2016
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Im Plappern macht ihm so schnell keiner was vor. Da könnte er glatt als unterfränkische Maschinenpistole durchgehen. Aber Michl Müller hat in Kemnath auch viel zu sagen.

Er hatte etwas vom berühmten Duracell-Hasen: Während der ohne Pause trommelt, verlegte sich Michl Müller allerdings lieber aufs Reden. Und er redete und redete und redete. Ohne Punkt und Komma, gut zweieinhalb Stunden lang. Der Unterfranke hatte in der Kemnather Mehrzweckhalle sehr viel zu erzählen, rund 1200 Besucher waren zum Auftritt des selbst ernannten "Dreggsaggs" mit seinem aktuellen Programm "Ausfahrt freihalten!" gekommen.

Bei seinem Auftritt forderte er sich und dem Publikum in gewohnter Weise wieder jede Menge ab: Sitzfleisch, schallendes Lachen, Mitsingen und donnernde Applaus-Salven. Während nach 90 Minuten so mancher Berufskollege die Schlussrunde auf der Bühne einlegt, machte Müller erst einmal Pause - um dann nochmals knapp 75 Minuten weiterzumachen. Insgesamt also über zweieinhalb Stunden lang hörten und sahen die Besucher das, was einen richtigen "Dreggsagg" ausmacht.

Bei seinem Pointen-Marathon durch Skandale, Schlagzeilen und Ereignisse ließ Müller nichts und niemanden aus - auch die Politiker wurden nicht geschont und bekamen ihr Fett ab: "Haubitzen-Röschen" Ursula von der Leyen, "Plastiktüten-Babsi" Barbara Hendricks und natürlich die "menschgewordene Wegfahrsperre" Alexander Dobrindt. Der Brexit sei für Resteuropa aus kulinarischer Sicht sicherlich kein Verlust. Das werde schon allein beim Beispiel "After Eight" deutlich: "Die hat noch keiner gefressen, die waren immer das letzte Stück in der Süßigkeitenbox."

Putin, Merkel, Pegida und der Terrorist al-Bakr ("Wenn es der richtige Flughafen gewesen wäre, wären die Berliner vielleicht ganz froh gewesen") durften natürlich nicht fehlen. Da war es dann für Müller auch nicht mehr weit bis zur Trennung von "Brangelina", dem kollektiven Mülltonnenhinausstellen und einer rosa Plakette für schwule Autos. Den "roten Faden" brauchte man im Programm gar nicht erst suchen, denn es gab schlichtweg keinen. Dem Publikum war's egal, schließlich ist Michl Müller ja nicht aufgrund seiner Tiefsinnigkeit populär geworden.

Müllers Ritt durch seine Sicht der Dinge geriet zur Reise unter dem Motto "Vom Hundertsten ins Tausendste" - und das gänzlich ohne Längen im Programm. Da waren die gemeinsamen Spielplatzbesuche von Eltern und Kindern, wo hysterische Mütter ihren Nachwuchs davor warnen, ja keinen Sand in den Mund zu stecken. "Mann, früher haben wir als Kinder ganze Sandkästen leer gefressen", kommentierte Müller. Nicht gerade schmeichelhaft kamen an diesem Abend auch Haus- und Klinikärzte oder die Insel La Gomera ("Leben schaut anders aus") weg.

Immer wieder wurde es auch musikalisch an diesem Abend. Es sei, so Müller, definitiv Zeit für Protestlieder - um dann aber nach jeder Darbietung (Gesang live, Musik aus der Dose) festzuhalten: "Im Prinzip war es wieder kein Protestlied!" Die Besucher in der Mehrzweckhalle sangen dennoch begeistert mit. Müller umkreiste auch Themen wie Dildo- und Dessous-Abende, die wirklich wichtigen Kriterien von Hotels ("Das kann die größte Milbenburg sein - Hauptsache es hat WLAN!"), "Flexitarier", die nur Fleisch von angefahrenen Tieren essen, sowie militante Rentner, die das Einparken des Autos verhindern. Verabschiedet hat sich Michl Müller schließlich mit einem gelungenen Medley seiner bekanntesten Lieder: "Kloß mit Soß'", "Heringsdösle", "Sechs Kilo zu viel" und "Fleischereifachverkäuferin".

Das kann die größte Milbenburg sein - Hauptsache es hat WLAN.Michl Müller über das Auswahlverfahren bei der Hotelbuchung

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