Modell der Burg Waldeck aufgetaucht
Über 250 Jahre verschollen

Auf die Zeit um 1650 datiert Bernhard Weigl die Entstehung des Holzmodells der Waldecker Burg. Er hat es im Bayerischen Nationalmuseum ausfindig gemacht. Dort lief sie bis zu seiner Entdeckung als Nachbildung der Burg Hohenwaldeck am Schliersee.
Kultur
Kemnath
15.06.2016
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Seine Forschungsergebnisse übergab der Manteler Bernhard Weigl an HuK-Vorsitzenden Georg Wagner (von rechts). Bilder: hl (2)

Einem Manteler gelang in München ein für Waldeck bedeutender Fund: Im Nationalmuseum entdeckte Bernhard Weigl ein Holzmodell der ehemaligen Burganlage auf dem Schlossberg. Von der Nachbildung fehlte seit über 250 Jahren jede Spur.

Waldeck. Weigl betreibt seit vielen Jahren Heimatforschung. Im Dezember 2015 hatte er vom Heimat- und Kulturverein (HuK) unter anderem Forschungsunterlagen von Robert Giersch aus dem Jahr 1998 über den Bau der Burg Waldeck erhalten. Darin wird erwähnt, dass es im Jahr 1758 ein Holzmodell der Anlage gegeben hat. Ein kurfürstlicher Ingenieur-Hauptmann sollte mit dessen Hilfe einen Plan der Festung erstellen. Am 10. Juli 1758 wurde das Modell an den kurfürstlichen Hofbibliothekar in München übergeben. Seitdem war es verschollen.

Auch bei seiner Quellenforschung fand Weigl keine Hinweise. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Holzmodell noch existierte, war gering. Der Manteler war über sieben Jahre in München tätig. Deshalb wusste er, dass die Bestände der ehemaligen Hofbibliothek aufgeteilt sind. Die Bücher gehören zur heutigen Bayerischen Staatsbibliothek. In der Hofbibliothek fanden sich aber auch diverse Holzmodelle aus dem 16. Jahrhundert, unter anderem eines von der Stadt München von 1570. Diese befinden sich heute im Bayerischen Nationalmuseum. Weitere Anfragen beim Armeemuseum in Ingolstadt und anderen Sammlungen nach dem Holzmodell von Waldeck blieben ergebnislos.

Auf die richtige Spur bracht Weigl erst ein Reiseführer von München aus den 1930er Jahren. Dort hatte ein Besucher seinen Eindruck vom Bayer. Nationalmuseum geschildert. Zusammen mit den großen Stadtmodellen nennt er auch ein Modell der Burg Waldeck in der Oberpfalz. Eine weitere Anfrage beim Nationalmuseum ergab, dass im Depot ein Holzmodell einer Burg Waldeck lagert.

Falsch zugeordnet


Ein Volltreffer, wie sich herausstellte. Dass es sich um das gesuchte Exponat handelt, ergab ein Vergleich mit den vorhandenen Pläne der Burg auf dem Schlossberg. Allerdings war es im Lauf der Zeit als Modell der Burg Hohenwaldeck am Schliersee eingeordnet worden. 2008 war es in der Landesausstellung in Rosenheim zu sehen. 2012 wollte die Gemeinde Miesbach das Modell als Leihgabe haben. Dies scheiterte aber. Der Irrtum mit der falschen Zuordnung konnte jetzt berichtigt werden.

"Es handelt sich eindeutig um die Burg Waldeck in der Oberpfalz", fasst Bernhard Weigl seine Untersuchungen zusammen. Das Modell misst etwa 60 mal 60 Zentimeter und ist erstaunlich genau gearbeitet. Anhand der Baugeschichte ergibt sich, dass das Modell nach der Schwedenzeit entstanden sein muss. Es finden sich in der Nachbildung schon die von den Schweden errichteten Rondell-und Befestigungswerke. Die Erstellung dürfe etwa um 1650 erfolgt sein, schätzt Weigl. Der Fund sei in seiner Art für die ganze Oberpfalz vermutlich einzigartig. Zumindest ist dem Manteler für keine andere Oberpfälzer Burg ein so altes Holzmodell bekannt.

Unbekannte Details


Der Fund ist nicht nur für Waldeck interessant, sondern auch für die ganze Burgenforschung in der Region. Das Holzmodell ist zwar beschädigt, so fehlt das komplette Innere der oberen Burg und einige Türme sind weggebrochen, trotzdem enthält es viele bisher unbekannte Details über die damaligen Gebäude und Wehranlagen.

Warum und von wem das aufwendige Modell erstellt wurde, ist unbekannt. Vermutlich diente es in München dazu, die Wehrhaftigkeit der abgelegenen kurbayerischen Festung zu beurteilen.

Seine Forschungsunterlagen hat Weigl mittlerweile an HuK-Vorsitzenden Georg Wagner übergeben. Er ist derzeit auch dabei, anhand der früheren Pläne der Burg eine Computer-Animation zu erstellen. Das Ergebnis wird zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit vorgestellt.
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