Münzgewichte in Kemnath geben Hans Bäte Rätsel auf
Raritäten von einem Gauner

Im Buch "Die Münzprägung der Oberpfalz" hat Hans Bäte ein Exemplar einer Kemnather Zwei-Kreuzer-Münze (links die Vorder- und rechts die Rückseite) aus dem Jahr 1623 entdeckt. Ein solche wurde nun im Internet für 5000 Euro angeboten. Repro: hrö
Kultur
Kemnath
24.03.2015
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Münzgewichte im Heimatmuseum machten Hans Bäte stutzig. Wie waren sie nach Kemnath gekommen? Die Neugier war geweckt. Seine Recherche im Staatsarchiv Amberg und im Hauptmünzamt München ergab: 1623 gab es in der Stadt eine Prägestätte, deren Produkte bringen heute bei Auktionen Tausende von Euro.

Im Internet entdeckte Hans Bäte vor Kurzem auf E-Bay eine Zwei-Kreuzer-Münze aus Kemnath. 5000 Euro verlangte der Anbieter aus dem Regensburger Raum. Ob sie für diesen Preis auch den Besitzer gewechselt hat, weiß der Kulmainer nicht. Er habe den Verkäufer zwar deswegen vor etwa vier Wochen angeschrieben, aber noch keine Antwort erhalten.

Zwei Münzmeister

Es war nicht das erste Mal, dass er mit dem Anbieter Kontakt aufnahm. Dieser hatte die Münze im Herbst vergangenen Jahres bereits einmal ins Internet gestellt. Und schon damals hatte Bäte ein Auge darauf geworfen, "obwohl die Umschrift nicht hundertprozentig gepasst hat". Denn auf der Abbildung des Geldstücks entdeckte er einen siebenzackigen Stern als Münzmeisterzeichen. Für den passionierten Münzsammler und Heimatforscher ein Hinweis auf Georg Kellner, der 1623 neben Andreas Liebholdt für einige Monate als Münzmeister in Kemnath tätig war. Diese erste Auktion enthielt jedoch einen Fehler. Der Anbieter habe neben der Jahreszahl 1623 Amberg als Prägestätte angegeben. Doch dort sei erst ab 1625 die Jahreszahl mit angeführt worden, erklärt Bäte.

Geldstücke aus Kemnath heiß begehrt

Zwischen 19. Juni und 1. September 1623 prägten Kellner und Liebholdt in Fortschau im späteren Armaturwerk neben Talern, Groschen sowie Pfennig- und Kreuzer-Stückelungen insgesamt 2254 Zwei-Kreuzer-Münzen, sogenannte Halbbatzen. Von Kellner dürften allerdings laut Bäte nur wenige stammen, den dieser sei aufgrund von Betrügereien sowie Unterschlagungen "mehr im Gefängnis" gesessen und habe Kemnath noch vor Jahresende 1623 verlassen. "Entsprechend selten und wertvoll sind seine Münzen." Doch auch andere Geldstücke dieser Zeit aus Kemnath sind bei Sammlern sehr begehrt. So brachte eines seinem Besitzer einmal 3700 Euro. Bäte berichtet auch von einem einseitigen Kupferpfennig, für den 600 US-Dollar gezahlt wurden.

Geschichte der Region

Mit Zahlungsmitteln hatte Hans Bäte bis vor einigen Jahren bestenfalls am Rande zu tun. Sein eigentliches Steckenpferd ist die Vor- und Frühgeschichte der Region. Diese Abteilung leitet er auch im Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung. Ebenso kümmert er sich um die prähistorischen Funde, die im Heimat- und Handfeuerwaffen Museum Kemnath ausgestellt sind. Unter den Exponaten befindet sich auch ein kleiner Spangenbarren aus Bronze, den der Archäologe Michael Jaschek auf die frühe Bronzezeit (2200 bis 1600 vor Christus) datiert und der als Tauschobjekt gedient hat.

Ausgefallenes Hobby

Über dessen Wert lasse sich nur spekulieren, vielleicht "hat man ihn mal gegen fünf Felle getauscht", meint Bäte mehr im Scherz. Fest stehe allerdings, dass dieser Barren einmalig im nordbayerischen Raum sei. Etwas Besonderes dürfte auch seine Münzsammlung sein, die inzwischen auf zwei Ordner angewachsen ist. Darin finden sich vor allem Geldstücke, die bayerische Herzöge und Bischofe haben prägen lassen. Das älteste seiner Stücke soll um das Jahr 955 entstanden sein, die neuesten stammt aus der Zeit des letzten bayerischen Königs Ludwigs III. "Dabei bin ich wie die Jungfrau zum Kind zu diesen Hobby gekommen." Schuld sei sein Sohn Günther, der bei der Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald eG arbeite, erklärt der Kulmainer. Diese hatte zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Kemnath 2008 eine Münzausstellung geplant.

Suche auf Flohmärkten

Seinem Sohn war dafür Hans Bätes Notgeld aus dem 1920er Jahren in den Sinn gekommen. "Doch ich hatte davon vielleicht sieben Scheine und zehn Münzen" - zu wenig für eine Ausstellung. Der Vater suchte schließlich fast ein Jahr lang im Internet und auf Flohmärkten nach bayerischen Münzen des Kaiserreiches. Und zum "Dank" durfte habe er bei der Ausstellungseröffnung auch noch den Einführungsvortrag halten.
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