Musikstudenten aus Turkmenistan begeistern
Kunst ohne Worte

Unter dem Motto "Kultur ist Völkerverständigung" gab das turkmenische Kammerorchester ein umjubeltes Konzert in Kemnath. Bild: jzk
Kultur
Kemnath
22.08.2016
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16 Musikstudenten aus Turkmenistan begeisterten mit ihren Streichinstrumenten ihr Publikum. Neben den Stücken europäischer Komponisten spielten sie in der Pfarrkirche auch das "Lied ohne Worte" aus ihrer Heimat.

Bereits zum zweiten Mal gab ein Ensemble des Festivals Junger Künstler Bayreuth ein Konzert in der Stadtpfarrkirche. Das Turkmenische Kammerorchester riss die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin. Dabei sind die 16 Streicher noch Musikstudenten, die mit ihrer musikalischen Ausbildung noch nicht ganz fertig sind.

Bestens abgestimmt


Ein großes Verdienst an ihrem fulminanten Auftritt hatte ihr junger Dirigent. Rasul Klychev begnügte sich nicht nur mit dem Taktieren, sondern entwickelte mit seinen beiden Händen eine große interpretatorische Ausdruckskraft.

Dabei kam ihm sicherlich zugute, dass er das ganze Programm vollkommen auswendig dirigieren konnte. Großen Wert legte er auf feine dynamische Abstufungen und eine rhythmische Genauigkeit. Seiner Suggestionskraft konnten sich seine Musiker nicht entziehen. Auf dem Programm stand Musik von Tomaso Albinoni, Edvard Grieg, Giuseppe Tartini, Carl Maria von Weber, Gustav Holst, und Astor Piazolla, aber auch eine traditionelle turkmenische Komposition. Alle Instrumentalgruppen waren gut ausbalanciert und aufeinander abgestimmt.

Auch Anhieb traf das Orchester bei dem dreisätzigen D-Moll-Concerto des italienischen Komponisten Tomaso Albioni den barocken Ton. Stimmungsvoll und dynamisch facettenreich erklangen elegische Melodien des norwegischen Romantikers Edvard Grieg, wobei die Musiker mit viel Pianissimo einen harmonischen Klangteppich schufen.

Musikalische Botschafter


Mitreißend spielte der erste Geiger des Ensembles, Samir Rizayev als Solist Giuseppe Tartinis G-Moll-Sonate, die auch unter dem Namen "Teufes-triller" bekannt ist. Absolut virtuos, dabei sicher in der Intonation und beeindruckend im Ton, lotete er die Grenzen seines Instruments aus. Mit Ovezov Yusup trat noch ein zweiter beeindruckender Solist auf.

Er spielte den Solo-Part im ersten Satz des Klarinettenquintetts in B-Dur von Carl Maria von Weber. Die Musiker verwendeten dabei eine Version für Kammerorchester. Auch der Klarinettist war ein Meister seines Faches. Aus ihrer turkmenischen Heimat spielten die Musiker das "Lied ohne Worte" von Aman Agadjikov. Für die Ohren der Zuhörer war diese Musik zwar noch tonal, aber doch schon an der Schwelle zur Moderne. Sie klang melancholisch, stellenweise aber auch sehr rhythmisch. Die Musiker spielten das Stück teilweise in einem raschen Tempo und mit einer abrupt wechselnden Dynamik.

Sehr einfühlsam lotete der Dirigent auch die vier unterschiedlichen Sätze der "St. Paul's Suite" des Engländers Gustav Holst aus. Nach dem Tango "Adios Nonino" des argentinischen Bandoneonspielers und Komponisten Astor Piazolla bedankten sich die Zuhörer mit stehenden Ovationen. Bürgermeister Werner Nickl bedankte sich mit einem Präsent aus der Region. "Ihr seid tolle musikalische Botschafter eures Landes", betonte er.

Das FestivalDas 66. Festival Junger Künstler in Bayreuth steht heuer unter dem Thema "Kultur ist Verständigung" und dauert noch bis Mittwoch, 31. August. 460 Teilnehmer aus 30 Nationen, Musiker und Sänger, Tänzer und Nachwuchsmanager beteiligen sich. In über 80 Veranstaltungen und Konzerten sind junge Künstler aus aller Welt zu erleben. (jzk)
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