Nach der Bayern1-Entscheidung
Volk ohne Musik

Für Jürgen Böhme klingt das gar nicht gut: Der Chef der Blaskapelle Kirchenthumbach ist enttäuscht, dass es auf Bayern 1 keine Volksmusik mehr geben soll. Archivbild: ü
Kultur
Kemnath
04.02.2016
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Bayern 1 spielt in Zukunft keine Volksmusik mehr. Nur noch digital sollen die Sendungen unter "BR Heimat" zu hören sein. Freunde der Volksmusik sind entsetzt und rechnen mit Konsequenzen.

Eschenbach/Kemnath. "Da bin ich strikt dagegen. Dieses Stück Kultur sollte weiterhin gepflegt werden", meint Kirchenchorleiter Josef Zaglmann . Vor allem in unserer Umgebung gebe es viele Volksmusikgruppen, in Kemnath zum Beispiel die Stadtkapelle und die Jugendblaskapelle. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten und weiterhin auch im Radio zu hören sein. Ansonsten ist man auf Sendungen im Fernsehen angewiesen, die sich mittlerweile auch als Rarität erweisen.

Jürgen Böhme , der Leiter der Blaskapelle in Kirchenthumbach, ist enttäuscht, dass das Angebot an Volksmusiksendungen derart eingeschränkt wird. Es sollte doch mindestens einen Radiosender geben, der Musik aus der Heimat spielt. Wenn das Bayern 1 nicht mehr tut, wer dann? "Ich finde es schade und stehe dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber", sagt Böhme.

Gerade ältere Leute hören Volksmusik. "Für Jüngere kommt ja laufend was im Radio", sagt Monika Fink aus Kemnath, die einmal im Monat das Wirtshaussingen veranstaltet. Schon seit 60 Jahren macht sie selbst Volksmusik. Mit der Musik aus der Heimat ist sie aufgewachsen, weil auch ihre Eltern Musikanten waren. Vor kurzem hat sie ein Digitalradio geschenkt bekommen und kann die Volksmusiksendungen von Bayern 1 auch weiterhin anhören. Aber die meisten Älteren besitzen das nicht. "Was wollen wir denn mit englischen Liedern? Das ist wirklich allerhand, dass es diese Sendungen nicht mehr geben soll" , meint Fink.

Lieber machen als hören


"Kann man was dran ändern? Wahrscheinlich nicht", meint die Leiterin des Erbendorfer Zitherclubs, Veronika Hille . Sie ist nach eigener Aussage zwar eher für das Machen als für das Hören von Volksmusik zuständig. Trotzdem finde sie es schade, dass es das vielfältige Angebot von Bayern 1 bald nicht mehr gibt. "Wenn man Musik aus der Heimat hören wollte, dann wusste man genau, dass man abends um 19 Uhr Bayern 1 einschalten kann", sagt Hille.

"Bei Bayern 1 wird ja sowieso alles Traditionelle abgeschafft", meint Alleinunterhalter Markus Brand aus Kastl. Vor 15 Jahren fand er den bayerischen Sender noch gut. Mittlerweile kann er sich nur noch darüber aufregen. Natürlich sei es ärgerlich, dass es jetzt auch keine Volksmusiksendungen mehr im Radio gibt. Deshalb hört Brand nur noch Sender aus Österreich, denn da wird die Musik gespielt, die ihm gefällt. "In Deutschland wird alles kaputt gemacht, was mit Kultur und Tradition zu tun hat", sagt Brand. Wohin das noch führen solle, wisse er nicht.

Erhaltenswertes Kulturgut


"Mich würden die Gründe interessieren, warum es diese Sendungen nicht mehr geben soll", fragt Joachim Steppert , der Leiter der Musikschule Vierstädtedreieck. Es wundert ihn, dass der BR diesen Schritt geht, weil er sich nicht vorstellen kann, dass die Hörer des Volksmusikprogramms alle auf Digital umsteigen werden. Zwar habe die Musik aus der Heimat noch nie einen so großen Platz bei Bayern 1 gehabt, dennoch sollte sie nicht fehlen. "Das ist ein bayerisches Kulturgut, das ja sogar in der heutigen Zeit viele Vereine noch und wieder pflegen", meint Steppert.
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