Theater "Singende Fische in der Sommerfrische"
Liebe Not mit der Liebe

Viola Robakowski und Ruth Weisel (von links) spürten in ihren Rollen der Liebe nach. Bild: hia
Kultur
Kemnath
15.07.2016
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Es war eine gelungene Premiere, das erste Gastspiel des Fränkischen Theatersommers mit dem Musiktheaterstück "Singende Fische in der Sommerfrische". Im Park der Familie Feuerabend im Forsthaus Kodlitz boten hervorragende Darsteller ein geniales Stück, an, das aber ein größeres Publikum verdient hätte.

Speichersdorf. Denn wer hätte sich in der Handlung nicht wieder finden können. Es ging um unerfüllte Beziehungssehnsucht, eingebettet in wilde Träumereien von Liebesabenteuern und -turbulenzen. Diese Collage lebte von den Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen und Regisseurinnen Viola Robakowski (als Felicé) und Ruth Weisel (Dora).

Beide arbeiteten die vielschichtige Dramatik um die liebe Not mit der Liebe und der nicht erfüllten Beziehungssehnsucht heraus. Im Publikum hat sich der eine oder andere sicher in der einen oder anderen Variante wiedergefunden oder sie im Freundeskreis miterlebt. So entpuppt sich das Stück als Spiegelbild einer wichtigen Facette des Lebens.

In den zwei Stunden erwiesen sich die Darstellerinnen als Multitalente, zum einen beim Gesang, zum anderen bei der Sprache, die vom gepflegten Hochdeutsch bis zur Berliner Schnauze reichte. Robakowski begleitete am Akkordeon, Weisel am Klavier und auf der Querflöte.

Die Damen schlüpfen in verschiedene Rollen, von der verpassten Braut bis zur Dame von Stand, von der sommerfrischelnden Urlauberin bis zur heißblütigen spanischen Tänzerin, mal melancholisch, mal wutentbrannt, mal nachdenklich sarkastisch sich in ihr Schicksal ergebend. Da wird sinniert, wer als Gegenüber eines Liebenden in Frage kommt, der gute Bekannte oder der Chef, die einstige Jugendliebe, die heute wieder zu haben wäre. Da wird der verflossenen Liebe Theodor nachgetrauert, mit dem imaginären Rüdiger ein Wunschbild eines Traummannes entworfen, der Waldemar für einen One-Night-Stand auserkoren und mit Rüdiger eine Affäre begonnen, dieser aber nach einigen Monaten wieder verjagt. Da wird der Durchschnittsmann beklagt, der glänzend aussehende Blonde, der nicht küssen, kochen, tanzen, denken kann.

Aus Verlegenheit ("Ham Se nich 'nen Mann für mich?" von Evelyn Künneke) bleibt am Ende nur der Nikolaus. In einer Groteske auf Roy Blacks "Ganz in Weiß" tritt die Braut auf die Bühne und singt "So siehst du in meinen schlimmsten Träumen aus!" So werden gekonnt Lieder von Franz Schubert, Edith Piaf, Kurt Weill bis hin zu George Gershwin zu Hilfe genommen und umgetextet. Auch ein intensiver Vortrag von Georg Kreislers "Das Wort 'verlassen'" nötigt dem Publikum Respekt ab.

Es ist letztlich die Frage nach dem Sinn des Lebens, den jeder für sich suchen muss. Und wenn schon die Liebessehnsucht nicht zum anderen Geschlecht ihre Erfüllung findet, warum dann nicht mit einem gleichgeschlechtlichen Partner. Wichtig ist es, zu zweit die Liebe und die Verrücktheiten des Lebens zu leben und zu genießen, so die Quintessenz des Abends.
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