Theaterprojekt der Luisenburgfestspiele
Neu und fremd

Die Gäste von den Luisenburg-Festspielen brachten die Schüler der Kemnather Realschule mit ihrem Projekt "Klassenzimmertheater" zum Nachdenken. Bild: jzk
Kultur
Kemnath
18.03.2016
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"Klassenzimmertheater" heißt das Theaterprojekt der Luisenburgfestspiele, bei dem Produktionen für den Theaterraum "Klassenzimmer" erstellt werden. Die Schauspieler kommen in die Schule, führen ein Theaterstück auf und besprechen es mit den Schülern.

"Krieg - Stell dir vor, er wäre hier" war der Titel des Theaterstücks für die sieben neunten Klassen der Kemnather Realschule. Die Organisation übernahm Studienrat Joachim Marek.

Die dänische Schriftstellerin Janne Teller setzt sich in diesem Stück mit Krieg, Flucht und Migration auseinander. In diesem Gedankenexperiment dreht sie aber die hochaktuellen Ereignisse einfach um. Europa, beherrscht von radikalen Diktaturen, wird zum Kriegsschauplatz. Der einzige Ausweg für die Europäer ist die Flucht. Wer kann, flieht in den Nahen Osten, wie der 14-jährige Junge aus Deutschland. In einem ägyptischen Flüchtlingslager versucht er, ein neues Leben zu beginnen. Weil aber seine Familie keine Aufenthaltsgenehmigung hat, kann er nicht zur Schule gehen, die fremde Sprache nicht erlernen und keine Arbeit finden. Er fühlt sich als Mensch dritter Klasse, erfährt Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leib. Jeden Tag sehnt er sich zurück nach seiner Heimat. "Doch wo ist das?" lautete seine verzweifelte Frage.

Bei der mitreißenden Aufführung wurden die Neuntklässler selber zum Flüchtling. Sie konnten sich vorstellen, wie das ist, alles zurückzulassen, fremd zu sein, die Sprache nicht zu beherrschen und die Heimat, die zerstört ist, zu vermissen.

Die Theaterpädagogin Anna Spitzbart studierte das bewegende Theaterstück mit den professionellen Schauspielern Laura Puscheck und Rowan Blockey ein und inszenierte es. Sie brauchten keine teuren Kostüme. "Unser Klassentheater lebt durch den Text, die Darsteller und den direkten Austausch mit den Schülern", betonte Anna Spitzbart, "wir wollen zum aktiven Mitdenken ermutigen." Ein zusätzliches dramaturgisches Element war die Musik. Gitarrist und Sänger Uwe Pleschke hatte die passenden Melodien dazu komponiert und spielte und sang sie an bestimmten Stellen der Handlung. Bei der Flucht über das Mittelmeer erklang leise die Europa-Hymne. Die Eintönigkeit des Lagerlebens verdeutlichte ein Blues. Allmählich ging Pleschke zu orientalischen Klängen über. Das Klassenzimmer wurde zum Kriegsschauplatz und zum Flüchtlingslager. Die Schüler wurden von Anfang an direkt in die Handlung mit einbezogen.

Nach der Aufführung, die eine Schulstunde dauerte, gab es eine kurze Pause. Vor der anschließenden Nachbereitung machte die Theaterpädagogin Anna Spitzbart mit den Schülern einige theaterpädagogische Bewegungsübungen. Dann diskutierte sie zusammen mit den drei Schauspielern über das Stück. Die Gäste von den Luisenburgfestspielen analysierten mit den Realschülern das Erlebte, hinterfragten kritisch den Inhalt und beantworteten Fragen. Das vertraute Klassenzimmer wurde so zu einem Raum für neue Erfahrungen und ungewohnte Sichtweisen.
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